Was ist analytische Psychosentherapie?

Wer sind wir?

Die überregionale Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie ist ein Weiterbildungsforum, das die deutschsprachigen Experten auf diesem Gebiet repräsentiert. Fast alle DozentInnen der Weiterbildung sind von Fachgesellschaften, Berufsverbänden oder Landesärztekammern anerkannte LehranalytikerInnen und SupervisorInnen. Sie haben langjährige klinische Berufserfahrung in analytischer Psychosentherapie sowohl im stationären Bereich der psychiatrischen Universitäts- und Landeskliniken als auch im ambulanten Bereich und in der psychoanalytischen Einzelpraxis.

 Geschichte und EntwicklungWichtrey_Kuenstlerbuecher_1

Die Weiterbildung wurde vor über 20 Jahren von Dr. Frank Schwarz (Akademie München) und Dr. Helmut Remmler (Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse - MAP) 1992 gegründet. Nach dem Tod von Helmut Remmler im Jahr 1997 trat Günter Lempa seine Nachfolge an. Gemeinsam leiteten Frank Schwarz und Günter Lempa die Weiterbildung bis zum Mai 2014. In der damaligen Mitgliederversammlung wurde die Weiterbildung als Abteilung der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München aufgenommen und Günter Lempa zum Abteilungsleiter gewählt.

 Seit ihrem Beginn im Jahre 1992 findet die überregionale Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie kontinuierlich dreimal jährlich in München statt. Bei den Veranstaltungen werden jeweils drei Vorträge und drei kasuistisch-technische Seminare angeboten. Die theoretischen und klinischen Grundlagen bauen auf der internationalen psychoanalytischen Tradition der Psychosentherapie auf und sind keiner einzelnen psychoanalytischen Schule im engeren Sinn verpflichtet. Sie sind an modernen Modifikationen und Weiterentwicklungen orientiert, die in München beispielsweise durch Persönlichkeiten wie Yrjö O. Alanen, Gaetano Benedetti und Stavros Mentzos vermittelt wurden. Auch zahlreiche DozentInnen der Münchner Fortbildung waren und sind wesentlich an der Weiterentwicklung dieser Konzepte und der therapeutischen Praxis beteiligt.

Konzeptuell vergleichbare Institutionen der Aus- und Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie und des wissenschaftlichen Austauschs gibt es inzwischen in Frankfurt (Frankfurter Psychose Projekt), Göttingen (AK Psychotherapie bei Psychosen/Tiefenbrunn), in Norddeutschland (Norddeutsche Arbeitsgemeinschaft für psychodynamische Psychiatrie) und in Berlin an der Charité Campus Mitte Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (Berliner Überregionales Symposium für Psychosenpsychotherapie). Diese Initiativen sind dabei, ein Netzwerk zu konstituieren. Ab dem Jahr 2010 besteht eine Kooperation mit dem Masterstudiengang „Psychosoziale Therapie und Beratung“ der  Hochschule Magdeburg-Stendal.

 Was verstehen wir unter psychoanalytischer/psychodynamischer Psychosentherapie?

Wichtrey_Kuenstlerbuecher_2Die psychodynamische Psychosentherapie befasst sich mit den psychischen Faktoren, die bei Entstehung und Verlauf von psychotischen und psychosenahen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Im Hintergrund steht ein Krankheitsmodell, das psychische, soziale und somatische Faktoren in ihrer Wechselwirkung berücksichtigt. Die wesentlichen Konzepte der psychoanalytischen Krankheitslehre und Behandlungstechnik werden entsprechend der Besonderheiten psychotischer Erkrankungen modifiziert und weiterentwickelt. Sie beinhalten neben Trieb-, Objektbeziehungstheorie und Selbstpsychologie neuere Erkenntnisse der Affekt- und Interaktionsforschung, der Säuglings- und Kleinkindforschung sowie der Psychotraumatologie und der Neurowissenschaften.

Zentrale Behandlungshypothesen beziehen sich auf die psychogene Entwicklung von Vulnerabilität. Das heißt auf Beziehungserfahrungen von Geburt an, die zu mangelhaften strukturellen Bedingungen führen, welche die Entfaltung von Symbolisierungen verhindern und das Subjekt auf eine Ebene antinomischer, nicht symbolisierbarer existentieller Dilemmata (Vorstufen von Konflikten) fixieren. Bei den einzelnen psychotischen Erkrankungen lassen sich spezifische Spannungsmomente erfassen. Bei den schizophrenen Erkrankungen liegt ein Identitätsdilemma zwischen Nähe und Distanz vor, bei den affektiven Psychosen ein Dilemma zwischen Selbstwert und Wert des Objekts. Bei den schizoaffektiven Psychosen sind beide Dilemmata überlagert.

Die Gestaltung der therapeutischen Beziehung steht im Vordergrund. Entscheidend ist es, pathologische Beziehungsmuster zu erkennen und sie durch eine Neuerfahrung in der Therapie zu verändern. Dies geschieht zumeist erst vorsprachlich und kann nachträglich in Einsichten verwandelt werden. Damit können Patienten Fähigkeiten zur konstruktiven Abgrenzung erwerben, ohne von überschießenden Affekten überwältigt zu werden. Sie können lernen, Verluste und Enttäuschungen zu ertragen, ohne psychotisch zu werden oder in affektive Extreme wie Manie bzw. Depression zu verfallen. In diesem Sinn wirkt analytische Psychosentherapie auch prophylaktisch im Hinblick auf eine Veränderung der grundlegenden psychosomatischen Vulnerabilität.

Dieses psychodynamische Behandlungskonzept lässt sich in einen Gesamtbehandlungsplan integrieren, der sozialpsychiatrische und psychopharmakologische Therapien sowie die Kooperation mit anderen Therapeuten und die Einbeziehung von Angehörigen beinhaltet.

Unsere psychodynamische Behandlungsmethode für Psychosen und psychosenahe Störungen ist inzwischen klinisch erprobt. Zahlreiche Ergebnisse der Psychotherapieforschung belegen ihre Wirksamkeit.

 Was bieten wir an?

Wichtrey_Kuenstlerbuecher_4Ab dem Jahr 2008 bieten wir ein Curriculum in psychodynamischer Psychosentherapie an, das mit einem Zertifikat abschließt. In einer 3jährigen Weiterbildung vermitteln wir psychotherapeutische Kompetenzen, die vor allem bei Psychosen, die aber auch weit über das Psychosespektrum hinaus bei anderen psychiatrischen Erkrankungen anwendbar sind. Die Weiterbildung gliedert sich in Theorie (Vorlesungen mit Diskussion) und Praxis (Fallsupervisionen/KTS in der Gruppe geleitet von zwei erfahrenen PsychosetherapeutInnen). Die kasuistisch-technischen Seminare sind als relativ konstante Gruppen im Sinne einer slow-open-group konzipiert Die Gruppengröße beträgt maximal 10 Teilnehmer.

Die Namen der DozentInnen bzw. der GruppenleiterInnen sind dem beiliegenden Verzeichnis zu entnehmen. Geben Sie bitte bei Ihrer Anmeldung das gewünschte Leiter-Paar an. Für den Fall, dass die Gruppe mit den Leitern Ihrer Wahl bereits besetzt ist, bitten wir Sie zwei alternative Leiter-Paare anzugeben. Die Einteilung erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen, unabhängig davon, ob Sie bereits in der von Ihnen gewünschten Gruppe waren.

Wer kann an der Weiterbildung teilnehmen?

Die Weiterbildung richtet sich an ÄrztInnen und PsychologInnen, Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen, Musik-, Kunst- und ErgotherapeutInnen, SozialpädagogInnen sowie Krankenschwestern und Krankenpfleger aus dem ambulanten oder stationären Bereich. ÄrztInnen und PsychologInnen können das von uns angebotene Curriculum in ihre sonstigen psychotherapeutischen Weiterbildungen einbeziehen.

Die jeweilige Wochenendveranstaltung wird mit vierzehn Punkten zertifiziert.

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    Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V.