Curriculum

der überregionalen Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie

Dieses Curriculum ist zur Vermittlung von Grundlagen für die Weiterbildung von ÄrztInnen,  PsychologInnen und analytischen Kinder- und Jugenpsychotherapeuten in psychoanalytischer  Psychosenpsychotherapie konzipiert worden. Die Inhalte berücksichtigen die Kriterien der Ärztekammern für die Facharztweiterbildung in Psychiatrie und Psychotherapie, sowie in Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, und für die Zusatzbezeichnungen Psychotherapie und Psychoanalyse. Sie berücksichtigen ebenso die Kriterien der Psychotherapeutenkammern für die Weiterbildung von psychologischen PsychotherapeutInnen  und Kinder- und Jugendlichenpsycho-therapeutInnen.

Zukünftig sollen einzelne Teile sich als Bausteine („Module“) auch in der Weiterbildung für Fachpflegekräfte, SozialpädagogInnen, Musik- und KunsttherapeutInnen verwenden lassen. Die Bausteine des Curriculums können auch bei Veranstaltungen des Frankfurter Psychoseprojekts, des Arbeitskreises „Psychotherapie bei Psychosen Tiefenbrunn“, der Norddeutschen Arbeitsgemeinschaft für psychodynamische Psychiatrie und des Berliner Überregionalen Symposiums für Psychosenpsychotherapie an der Charité Campus Mitte erworben werden.

1)  Die Begegnung zwischen Arzt und Patient

  • Psychodynamischer Zugang und klinische Grundlagen
  • Psychotische Symptome
  • Typische Beziehungsmuster bei Psychosen
  • Übertragung und Gegenübertragung bei Psychosen
  • szenisches Verstehen / Handlungsdialog
  • Gruppenphänomene bei psychotischen Menschen
  • Familien- und Paardynamik bei Psychosen
  • transkulturelle, soziale und historische Aspekte bei Psychosen

 2)  Allgemeine psychodynamische Krankheitskonzepte für psychotische Störungen

  • Trieb- und Strukturtheorie
  • Ichpsychologie
  • Objektbeziehungstheorie
  • Narzissmustheorie/Selbstpsychologie
  • Affektpsychologie
  • Interaktionsforschung
  • Säuglings- und Kleinkindforschung
  • Psychotraumatologie

 3)  Biologische Krankheitskonzepte

  • Ergebnisse der Hirnforschung und der Genetik

 4)  Psychotische Krankheitsbilder aus psychodynamischer Sicht inkl. DD

  • Schizophrenien
  • Affektive Psychosen
  • Vorübergehende Psychosen
  • Wahnhafte Störungen
  • Psychosenahe Störungen (z.B. Borderlinepersönlichkeitsstörungen)
  • Typische Komorbiditäten bei Psychosen ( z.B. Sucht, Perversionen)

 5)  Theorie und Praxis der psychoanalytischen/psychodynamischen Psychosenbehandlung

  • Technik der Anamnese- und Befunderhebung
  • Indikationsstellung
  • Therapeutische Verfahren (Einzel-, Gruppen-, Familien-, Paar- , Krisenintervention, Kurz-/Langzeittherapie)
  • Stationäre  oder ambulante Behandlung
  • Aufklärung, Beratung und Krankheitsinformation
  • Antragstellung für das Gutachterverfahren
  • Einleitung der Behandlung und Pakt/Arbeitsbündnis
  • Verbale Interventionen (Klärung, Konfrontation, Deutung)
  • Handlungsdialoge und szenisches Verstehen
  • Umgang mit Krisen wie psychotische Dekompensation,  Aggression und Suizidalität
  • Beendigung der Behandlung
  • Zusammenarbeit mit anderen ÄrztInnen, Beratungsstellen und in multiprofessionellen Teams
  • Ethische, juristische und soziale Aspekte der Behandlung
  • Komplementäre Verfahren: Ergo-, Körper-, Musik-, Sozio- Traumatherapie u.a

 6)  Verhaltenstherapie als Zweitverfahren

  • Verhaltenstherapeutisches Verständnis der psychotischen Symptombildung
  • Einführung in die verhaltenstherapeutische Behandlung bei Psychosen
  • Psychoedukation
  • Problemlösen, kognitive Umstrukturierungen, Modell-Lernen, Rollenspiele, Aktivitätenaufbau
  • Entspannungsstrategien und positive Selbstverbalisation, Symptommanagement
  • soziale Kompetenz, Zeitmanagement und Wiedereingliederung ins Berufsleben
  • Einführung in die verhaltenstherapeutischen Gruppenbehandlungen
  • Verhaltensorientierte Gruppen zur Bewältigung depressiver Erkrankungen
  • bewältigungsorientierte Gruppen-Therapie, Gruppentherapie zur Verbesserung der kognitiven und sozialen Fertigkeiten schizophrener Patienten (IPT)
  • psychoedukative Gruppen
  • Beziehungsgestaltung in verhaltenstherapeutischer Sicht

 7)  Systemische Ansätze in der Psychosenpsychotherapie

 8)  Praktische Ausbildung

  • 50 Stunden (bzw. 25 Doppelstunden) Theorie
  • 50 Stunden (bzw. 25 Doppelstunden) KTS
  • Anfertigung von 10 Anamnesen bei psychotischen und psychosenahen Störungen
  • 2 Einzelbehandlungen unter kontinuierlicher und durch die Ärztekammern bzw. Psycho-
  • therapeutenkammern anerkannter Supervision
  • Abschlusskolloquium in Form eines kollegialen Fachgesprächs

Nach erfolgreichem Abschlusskolloquium wird ein Zertifikat ausgestellt. Aus ihm sind gekennzeichnete Weiterbildungsinhalte ersichtlich, die bei Ärztekammern und Psycho- therapeutenkammern anrechenbar sind.

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    Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V.