Allgemeine Informationen

 I. Wissenschaftliche Grundlagen der Weiterbildung

Grundlage der Weiterbildung ist die psychoanalytische Theorie und Praxis, wie sie sich seit Sigmund Freud bis heute weiterentwickelt hat. Die Anwendung dieser Theorie auf die Psychoanalytische Paar- und Familientherapie beruht auf dem von Thea Bauriedl begründeten Konzept der Beziehungsanalyse. Andere psychoanalytisch orientierte Ansätze zur Paar- und Familientherapie werden in die Weiterbildung einbezogen.

Das Konzept und die Ziele der Weiterbildung:

Die Methode der Psychoanalytischen Paar- und Familientherapie ist eine Anwendungsform der Psychoanalyse. Sie hat einen eigenen Verstehenszugang zu Störungen von zwischenmenschlichen Beziehungen, sowie ein eigenes Konzept der Beziehungsdiagnostik und des psychotherapeutischen Prozesses: In dem beziehungsanalytischen Konzept der Paar- und Familientherapie werden psychische und psychosomatische Symptome sowie interpersonelle Beziehungsstörungen als Ausdruck gestörter (intrapsychischer und interpsychischer) Beziehungsstrukturen verstanden, die auf unbewussten Beziehungsphantasien und Deutungsmustern der beteiligten Personen und auf deren unbewussten Interaktionen beruhen. Die Auflösung solcher Symptome und Probleme geht deshalb mit der Veränderung dieser Beziehungsstrukturen einher.

Die Weiterbildung soll dazu befähigen,

  • die psychodynamischen Beziehungsstrukturen von Paaren und Familien zu verstehen,
  • Übertragungs- und Gegenübertragungsprozesse in der psychotherapeutischen Arbeit mit Paaren und Familien zu erkennen und in konstruktiver Weise zu nützen,
  • den in der aktuellen Situation gegebenen Leidensdruck für eine Veränderung des gestörten Beziehungssystems wirksam werden zu lassen,
  • die aktive und passive Beteiligung des Psychotherapeuten/der Psychotherapeutin am pathologischen System zu erkennen und zu verändern, und
  • diese Arbeit der jeweiligen Indikationsstellung und dem der Situation angemessenen Setting anzupassen.

Berufspolitische Verankerung der Weiterbildung

Die Weiterbildung besteht seit 1981. Sie ist von der überregionalen Arbeitsgemeinschaft Beziehungsanalyse e.V. (agba) www.agba-ev.de  anerkannt. Die Teilnehmer/innen unserer Weiterbildung können in dieser Arbeitsgemeinschaft außerordentliche Mitglieder werden, nach Abschluss der Weiterbildung ist die ordentliche Mitgliedschaft möglich. Die agba wurde von ehemaligen Teilnehmer/innen unserer Weiterbildung 1988 als „Arbeitsgemeinschaft“, 1998 als eingetragener Verein gegründet. Sie dient dem kollegialen Austausch und der Fortbildung von ehemaligen Weiterbildungsteilnehmer/innen sowie der überregionalen Zusammenarbeit der von der agba anerkannten Weiterbildungen. Die agba veranstaltet regelmäßig im Herbst ihre Jahrestagungen und in jedem Frühjahr theoretische und behandlungsmethodische Seminare („Frühjahrstagung“), zu denen die Teilnehmer/innen unserer Weiterbildungen eingeladen sind. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen wird in das Abschlusszertifikat einbezogen.

Die überregionale Arbeitsgemeinschaft Beziehungsanalyse (agba) umfasst verschiedene regionale Arbeitskreise. Die Weiterbildung in Psychoanalytischer Paar- und Familientherapie an der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V. wird von Dozenten des regionalen Arbeitskreises Beziehungsanalyse München (AKBAM) www.beziehungsanalyse-muenchen.de  gestaltet. Dieser Arbeitkreis bietet außerdem Supervision und Fortbildung in verschiedenen Anwendungsformen der Beziehungsanalyse an. Dort finden kleine Gruppen zur theoriegestützten Supervision statt, die auch für die hier dargestellte Weiterbildung angerechnet werden und somit als Einstieg in diese Weiterbildung genützt werden können.

In Kooperation mit der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V. bietet der Berliner Arbeitskreis für Beziehungsanalyse e.V. (BAB) eine Weiterbildung in psychoanalytischer Paar-, Familien- und Sozialtherapie an. Informationen: Frau Dr. Ute Benz, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. und www.beziehungsanalyse.berlin.de. Auch mit der Innsbrucker Arbeitsgemeinschaft für psychoanalytische Paar- und Familientherapie (APF) besteht eine enge Kooperation. Dozenten der Akademie und der APF arbeiten gemeinsam in Weiterbildungen, so dass Teilnehmer/innen aus Deutschland und Österreich in gemeinsamen Weiterbildungsgruppen organisiert sind. In Innsbruck bietet die APF außerdem regelmäßige Supervision und Fortbildung in verschiedenen Anwendungsformen der Beziehungsanalyse an. Informationen: Herr Dr. Ewald Sommerer, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

Die Weiterbildung ist auch vom Bundesverband Psychoanalytische Paar- und Familientherapie e.V. (BvPPF) www.bvppf.de anerkannt. Dieser Verband wurde 1999 zusammen mit den Weiterbildungsleitungen in Gießen und Göttingen gegründet. Inzwischen sind zusätzliche Weiterbildungen vom BvPPF anerkannt worden. Der BvPPF vertritt die berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder und fördert den wissenschaftlichen Austausch zwischen den von ihm anerkannten Aus- und Weiterbildungsinstitutionen. Auch in diesem Verband ist für unsere Teilnehmer/innen während der Weiterbildung die vorläufige Mitgliedschaft und nach Abschluss der Weiterbildung die ordentliche Mitgliedschaft möglich. Der BvPPF veranstaltet bundesweite Tagungen zur psychoanalytischen Paar- und Familientherapie, Familienberatung und Sozialtherapie. Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen wird ebenfalls in das Abschlusszertifikat der hier dargestellten Weiterbildung einbezogen.

Über die agba und den BvPPF sind die Weiterbildungen auch international eingebunden. Die in Gründung befindliche Sektion „Psychoanalytische Paar- und Familientherapie“ der Europäischen Föderation für Psychoanalyse und Psychotherapie (EFPP) www.efpp.org bemüht sich derzeit um einheitliche europaweite Anforderungen in der Weiterbildung.
Die Übernahme der Kosten von psychoanalytischer Paar- und Familientherapie durch die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland.

In Verhandlungen des BvPPF mit dem Arbeitsausschuss Psychotherapie-Richtlinien im Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen konnte erreicht werden, dass „Einzelbehandlungen des Indexpatienten“ in tiefenpsychologisch fundierter (nicht analytischer!) Psychotherapie „bei intensiverer Einbeziehung von Partner und/oder Familie auch in Doppelstunden“ (Abrechnung: zweimal dieselbe Ziffer an einem Tag) „durchgeführt werden können. Die entsprechenden Stunden werden auf das Gesamtkontingent angerechnet“. Damit ist eine solche Einbeziehung in den Psychotherapie-Richtlinien verankert. Sie kann in Einzelstunden oder in Doppelstunden durchgeführt werden. Als Bezeichnung der Behandlung bleibt der Begriff der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (nicht „Paar- oder Familientherapie“!).
Mit privaten Krankenkassen besteht bisher diesbezüglich keine generelle Regelung.


II. TeilnehmerInnen

Die Weiterbildung in psychoanalytischer Paar- und Familientherapie steht nun Personen offen, die durch ihre Approbation zur Ausübung der Heilkunde berechtigt sind. Diese Weiterbildung baut auf der psychoanalytischen Grundausbildung auf und ergänzt diese durch die Familienselbsterfahrung, in der die eigenen Übertragungsmuster auf die Patientenfamilie erarbeitet werden, und durch den Erwerb der Fähigkeit, in einem familiären Mehrpersonensystem mit dem Konzept von Übertragung und Gegenübertragung auf der Grundlage der Beziehungsanalyse zu arbeiten.

Das bedeutet, dass sich das Weiterbildungsangebot in erster Linie an psychologische und ärztliche Psychoanalytiker (Psychologische Psychotherapeuten und Fachärzte für psychotherapeutische Medizin) und an Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten richtet, die ihre Aus- oder Weiterbildungen entsprechend den Psychotherapie-Richtlinien bereits abgeschlossen haben oder sich in einem fortgeschrittenen Stadium dieser Aus- oder Weiterbildungen befinden.
Darüber hinaus können in Ausnahmefällen auch approbierte Psychologische Psychotherapeuten, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. für Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie und -psychotherapie sowie Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie mit abgeschlossener oder fortgeschrittener Weiterbildung aufgenommen werden, sofern sie einschlägige Erfahrungen in einer langjährigen Eigenanalyse (mindestens 150 Stunden) haben und die hier folgenden Aufnahmebedingungen erfüllen.

Die Teilnehmer/innen müssen während der ganzen Weiterbildung praktisch psychotherapeutisch tätig sein. Die Verantwortung für diese Tätigkeit kann nicht von der Akademie übernommen werden. Sie wird entweder von der Institution getragen, in der der/die Teilnehmer/in arbeitet, oder von ihm/ihr persönlich, sofern er/sie ordnungsgemäß in eigener Praxis arbeitet.
Für die Aufnahme in die Weiterbildung ist zusätzlich zur Erfüllung der formalen Voraussetzungen die persönliche Eignung ausschlaggebend. Wesentlich für die Einschätzung der Eignung ist das Interesse an psychodynamischen Prozessen innerhalb und zwischen den Personen sowie die grundsätzliche Fähigkeit und Bereitschaft, sich auf die eigenen inneren Prozesse in der Dynamik eines familiären Beziehungssystems oder in anderen Beziehungssystemen (insbesondere in triangulären Beziehungssituationen) einzulassen und diese analysierend zu nutzen.


III. Beginn und Ende der Weiterbildung

Die Weiterbildung dauert mindestens drei Jahre. Im Gegensatz zur bisherigen Praxis findet sie nicht in einem geschlossenen Kurs statt. Man kann die Weiterbildung beginnen, sobald man einen Platz in einer bestehenden oder neu eingerichteten Kleingruppe gefunden hat. Im Arbeitskreis Beziehungsanalyse München (AKBAM) www.beziehungsanalyse-muenchen.de finden laufend solche Kleingruppen zur Supervision bzw. Fortbildung in verschiedenen Anwendungsformen der Beziehungsanalyse statt.

Im Rahmen der Kooperation (s.d.) zwischen der Abteilung Psychoanalytische Paar- und Familientherapie an der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V. und diesem Arbeitskreis ist es möglich, nach einem erfolgreichen Aufnahmegespräch im AKBAM die Weiterbildung an der Akademie zu beginnen. Bis dahin absolvierte Stunden in theoriegestützter Supervision bzw. in Theorieseminaren (Theorietage) oder auch in der Familienselbsterfahrung werden für die Weiterbildung an der Akademie angerechnet.

Das Weiterbildungsverhältnis beginnt mit der Unterzeichnung des Weiterbildungsvertrags durch beide Vertragspartner (Teilnehmer/in und Vorstandsvorsitzender der Akademie). Dazu sendet der/die Teilnehmer/in beide Ausfertigungen des Vertrags unterschrieben an den Vorstand der Akademie, der ein Exemplar gegengezeichnet zurückschickt.

Das Weiterbildungsverhältnis endet mit dem erfolgreichen Abschluss der Weiterbildung oder bei Abbruch der Weiterbildung durch den/die Weiterbildungsteilnehmer/in.
Auf die Möglichkeit einer Relegation, also eines durch die Akademie vorgenommenen Abbruchs der Weiterbildung, muss auch hier hingewiesen werden. Nähere Ausführungen dazu finden Sie in den Aus- und Weiterbildungsrichtlinien der Aus- und Weiterbildung zum Analytischen Psychotherapeuten für Erwachsene unter Punkt 1.5.6. (1).


IV. Orte der Weiterbildung

Die Veranstaltungen der hier beschriebenen Weiterbildung finden in der Regel in den Praxen der Gruppenleiter bzw. der Leiter der Familienselbsterfahrung statt. Das Zentrum der Weiterbildung ist das Praxis- und Seminarhaus von Dr. Friederich Wölpert und Dr. Thea Bauriedl in Petzenhausen bei Landsberg am Lech. Hier finden auch die „Theorietage“ statt. Zufahrtswege und günstige Übernachtungsmöglichkeiten werden angegeben. Dr. Thea Bauriedl bietet zum Teil auch Supervisionsgruppen in ihrer Münchener Praxis an. Über die jeweils vorhandenen oder geplanten Gruppenplätze können Sie sich bei ihr informieren. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


V. Gebührungen und Zahlungsmodus

Die Gebühr für die Aufnahme in die Weiterbildung beträgt 50,- €, die Gebühr für das Abschlusszertifikat beträgt ebenfalls 50,- €. Außerdem wird pro Monat der Teilnahme an der Weiterbildung eine Verwaltungsgebühr von 20.00 € fällig. Die Gebühren für die Aufnahme und für das Abschlusszertifikat sind jeweils unaufgefordert an die Akademie zu überweisen (Bezug: „FTH Aufnahme“ bzw. „FTH Zertifikat“, Konto Nr. 781 05 00 BLZ 700 205 00). Die monatliche Verwaltungsgebühr wird pro Semester am 1. Mai und 1. November durch die Akademie abgebucht, sobald die Aufnahme in die Weiterbildung stattgefunden hat und der Weiterbildungsvertrag von beiden Seiten unterzeichnet ist. Abgebucht wird dann jeweils die Verwaltungsgebühr für die bis zum Stichtag (1. Mai oder 1. November) angefallen Monatsbeiträge.

In Bezug auf die Gruppen zur Supervision und Familienselbsterfahrung sowie in Bezug auf die Theorietage besteht das Vertragsverhältnis direkt zwischen den Teilnehmer/innen einerseits und den Supervisoren bzw. Selbsterfahrungsleitern und Dozenten andererseits. Da die Teilnehmerzahl der Gruppen unterschiedlich ist, kann eine genaue Summe der Gesamtkosten dieser Weiterbildung nicht angegeben werden. Im Prinzip gilt: Je kleiner die Gruppe, desto höher die Kosten für den/die einzelne/n Teilnehmer/in. Dabei versteht es sich von selbst, dass die Kosten für die Gruppenteilnahme getragen werden müssen, auch wenn man – aus welchen Gründen auch immer – an einzelnen Terminen nicht teilnehmen kann. Ein Ausscheiden aus der Weiterbildung ist jederzeit möglich.

Vielleicht kann die Darstellung der Kalkulation eine Hilfe sein, damit man sich
die Gesamtkosten in etwa ausrechnen kann:

  • eine DStd. in einer Supervisionsgruppe kostet für alle Teilnehmer/innen zusammen 192,00 €
  • bei vier Teilnehmer/innen bedeutet das für jede/n Kosten von   48,00 € pro DStd
  • bei fünf Teilnehmer/innen bedeutet das für jede/n Kosten von   38,40 € pro DStd
  • bei sechs Teilnehmer/innen bedeutet das für jede/n Kosten von 32,00 € pro DStd

Die Kosten für die Familienselbsterfahrung werden mit dem/der jeweiligen Leiter/in vereinbart. Hier kommt es u.a. darauf an, ob der/die Leiterin für diese Veranstaltung eine weite Reise unternehmen muss oder nicht.
Die Kosten für die Teilnahme an der Theorietagen werden von der Leitung jeweils entsprechend der Zahl der Teilnehmer/innen und der Selbstkosten (evtl. für auswärtige Dozenten und für die Verpflegung in den Pausen) berechnet.

Anhand der für den Abschluss erforderlichen Mindestzahlen an Supervision, Selbsterfahrung und theoretischen Veranstaltungen (vgl. Weiterbildungs- und Prüfungsordnung) lassen sich die Gesamtkosten der Weiterbildung in etwa berechnen. Um eine Vorstellung von den Kosten pro Jahr zu ermöglichen, wird hier der ungefähre zeitliche Ablauf dargestellt:

  • in einer Kleingruppe mit 5-6 TN und (dafür nötigen) 3 DStd. pro Einheit findet diese Gruppe etwa sieben Mal in einem Jahr statt
  • in einer Kleingruppe mit 3-4 TN und (dafür nötigen) 2 DStd. pro Einheit findet diese Gruppe etwa zehn Mal im Jahr statt

Die 30 DStd. Familienselbsterfahrung erstrecken sich in der Regel über 3 Jahre. Es finden also pro Jahr 10 Doppelstunden statt – es sei denn, die Gruppe einigt sich mit dem/der Leiter/in auf eine höhere Frequenz während der ersten beiden Jahre der Familienselbsterfahrung – oder auf eine Fortsetzung dieser Selbsterfahrung über die Mindestzahl der 30 DStd. hinaus.


VI. Inhalte und Gestaltung der Weiterbildung

Die Weiterbildung besteht aus:

  1. theoriegestützter Supervision in Kleingruppen (4-6 TN)
  2. Theorietagen
  3. Familienselbsterfahrung

1. Die theoriegestützte Supervision in Kleingruppen

Die langjährige Erfahrung mit dieser Weiterbildung hat gezeigt, dass theoretische und behandlungstechnische Kenntnisse, die in von der Praxis getrennten Seminaren vermittelt werden, nur bedingt für die eigene Praxis genützt werden können. Deshalb sind wir dazu übergegangen, in den Kleingruppen zur theoriegestützten Supervision die zum jeweiligen Fall passenden theoretischen und behandlungstechnischen Prinzipien einzufügen – und dabei gleichzeitig die je persönlichen Reaktions- und Interventionsformen der Teilnehmer/innen zu respektieren. Gelegentlich finden diese Gruppen auch von vorneherein unter einem besonderen theoretischen Aspekt statt, zum Beispiel unter dem Aspekt des szenischen Verstehens oder unter dem Aspekt des Herausfindens der emanzipatorischen Bedürfnisse der Patienten.
Das Grundprinzip des szenischen Verstehens von Interaktionen im therapeutischen System – wie auch in der Interaktion der Supervisionsgruppe - ist in der praktischen Arbeit mit Paaren und Familien besonders hilfreich. Die Supervision in Kleingruppen hat den Vorteil, dass sich das Mehrpersonensystem der dargestellten Behandlung in der Kleingruppe abbildet. So können die Teilnehmer/innen auch durch die gemeinsame Reflexion der Fälle und Situationen, die die anderen Gruppenteilnehmer/innen einbringen, für sich selbst Erfahrungen sammeln und lernen, szenische Wiederholungen in der eigenen Person und in der Gruppe zu erkennen.

2. Die Theorietage

Zu den in der Regel zweimal im Jahr stattfindenden Theorietagen kommen mehrere Kleingruppen zusammen. Die Schwerpunkte dieser Veranstaltung werden jeweils adhoc von den Gruppenleitern ausgewählt, entsprechend den theoretischen und behandlungstechnischen Themen, die in den verschiedenen Gruppen aktuell angesprochen werden und ausführlicher diskutiert werden sollen. Diesbezügliche Wünsche der Teilnehmer/innen werden berücksichtigt. Es können auch kleine Referate zu einem bestimmten Thema von einzelnen oder mehreren Teilnehmer/innen eingebracht werden. Sobald dies von den Teilnehmer/innen her möglich ist, können bei diesen Theorietagen auch deren schriftliche Falldarstellungen diskutiert werden. Der hier beigefügte Überblick über „Wissensgebiete der theoretischen Weiterbildung“ bildet den Pool, aus dem die wichtigsten Themen in den Theorietagen dargestellt und besprochen werden. Die hier beigefügte „Literaturliste“ soll das Auffinden von einschlägiger Literatur erleichtern.

3. Die Familienselbsterfahrung

In der Familienselbsterfahrung (8-10 Teilnehmer/innen) werden die spezifischen (auf unbewussten Beziehungsphantasien in der Ursprungsfamilie beruhenden) Aktions- und Reaktionsmuster der Teilnehmer erarbeitet. Diese unbewussten (szenischen) Phantasien und Reaktionsmuster bestim­men weitgehend die Übertragung und Gegenübertragung jedes Psychotherapeuten. Sie manifestieren sich in der Gruppe zur Familienselbsterfahrung, die sich auf die in ihr reaktivierten familiären Beziehungsphantasien der Teilnehmer/innen und deren interaktive Verflechtung konzentriert. Um die Diskretion zu wahren und die Selbsterfahrungsbeziehung von den übrigen Beziehungen in der Weiterbildung getrennt zu halten, wird die Familienselbsterfahrung von auswärtigen Psychoanalytikern geleitet, die in der Weiterbildung in psychoanalytischer Paar- und Familientherapie erfahren sind. Die Familienselbsterfahrung umfasst insgesamt sechs Blockveranstaltungen zu je fünf Doppelstunden. Sie kann beginnen, sobald eine Gruppengröße von mindestens acht Teilnehmer/innen erreicht ist. Die Termine und Orte, an denen die Familienselbsterfahrung stattfindet, werden ebenso wie die Kosten mit dem/der jeweiligen Leiter/in vereinbart.

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    Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V.