Anwendungsformen

 Die Weiterbildung umfasst behandlungstechnische Kenntnisse in:

  1. Psychoanalytisch orientierter Krisenintervention
  2. Psychoanalytisch orientierter Beratung
  3. Psychoanalytischer Fokaltherapie
  4. Psychoanalytischer Langzeittherapie

Zur Beschreibung dieser Anwendungsformen:

1. Psychoanalytisch orientierte Krisenintervention

In Krisensituationen bestehen zumeist starke Tendenzen zu malignen Regressionen (starke intrapsychische und interpersonale Spaltungstendenzen), wodurch der Psychotherapeut oder die Psychotherapeutin unter großen Bündnis- und Handlungsdruck gerät.

In der Weiterbildung auf diesem Gebiet geht es darum, die szenische Bedeutung des eigenen Handelns in der Krisensituation besser zu verstehen, weniger in fremdbestimmten Handlungsdruck zu gera­ten und andererseits auch nicht in einen psychischen Lähmungszustand zu geraten. Das Erkennen der Szenen, die in der Krise zwischen Patienten und Psychotherapeuten entstehen, ist hilfreich um den in Krisensituationen auftretenden Leidensdruck zu entdecken und ihn für die Einleitung von Veränderungsprozessen zu nutzen.

Eine Krisenintervention kann in kurzen Begegnungen mit dem Paar oder der Familie bestehen, sie kann sich über einige Sitzungen erstrecken und dann beendet werden, oder sie kann in eine der anderen Behandlungsformen übergehen.

2. Psychoanalytisch orientierte Beratung

Hier geht es um die meist kurzfristige, evtl. auch längerfristige bera­tende Begleitung eines Paares oder einer Familie, die auch Empfehlungen und Erklärungen auf der Grundlage des analytischen Verständnisses der Beziehungsszenen als Orientie­rung gebende Hilfen einschließt.

In der Weiterbildung auf diesem Gebiet wird das Verständnis des eigenen Eingebun­den-Seins in das familiäre System durch Übertragung und Gegenübertragung geübt. Damit diese Art der psychoanalytisch orientierten Arbeit hilfreich sein kann, muss eine Beratungs­technik erlernt werden, die sich am aktuellen Konflikt und an den aktuellen Entscheidungsproble­men orientiert und vorsichtig mit den Spaltungstendenzen der Patienten umgeht.

3. Psychoanalytische Fokaltherapie

Die Kunst, mit den Familienmitgliedern zusammen einen psychodynamischen und familiendynamischen Fokus zu erarbeiten und diesen intrapsychischen und interpsychischen „zentralen Beziehungskonflikt“ gemeinsam zu lösen, setzt große psychoanalytische Erfah­rung und die Fähigkeit voraus, die dem aktuellen Konflikt zugrunde liegende Psychodynamik und In­teraktionsdynamik rasch zu erfassen und konzentriert damit umzugehen.

In der Weiterbildung auf diesem Gebiet geht es um die richtige Indikationsstellung, um das präzise Erkennen und Erarbeiten eines gemeinsamen Fokus und um die Fähigkeit, in einen Dialog mit dem Unbewussten der einzelnen Familienmitglieder und mit dem gemeinsamen Unbewussten der Familie zu treten. Solche Fokaltherapien gehen nicht selten in psychoanalytische Langzeittherapien über.

4. Psychoanalytische Langzeittherapie

Hier geht es um eine grundsätzliche Veränderung der Beziehungsstrukturen zwischen dem Paar bzw. in der Familie und damit um einen längerfristigen Heilungsprozess bei allen beteiligten Familienmitgliedern. Ähnlich wie in der psychoanalytischen Einzeltherapie werden regressive Prozesse zugelassen und gefördert, die eine grundsätzliche Infragestellung und Neuorientierung der bisher miteinander gelebten (psychodynamisch verstandenen) Beziehungsszenen ermög­lichen. Dazu ist eine kontinuierliche Arbeit und häufig eine lange Dauer (oft mehrere Jahre) der Behandlung erforderlich, die zumeist nicht während der ganzen Zeit mit allen Familienmitgliedern gemeinsam durchgeführt wird, sondern zum Beispiel nach Bewältigung bestimmter aktueller Konflikte mit den Kindern in Form einer Paartherapie weiter läuft.

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    Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V.