Die Geschichte der Akademie Für Psychoanalyse und Psychotherapie


Einleitung

Der nachfolgende Text zur Geschichte der Akademie versucht, die außerordentlich komplexen historischen Vorgänge in München und in der Akademie kompakt, dennoch aber möglichst genau darzustellen. Bereits die Auswahl und Verknüpfung von Fakten, Aussagen von Zeitzeugen und Kollegen, die sich mit der Geschichte beschäftigt haben, stellt allerdings bereits eine subjektive Einschätzung bzw. Wertung dar.

Als einer für die Webseite der Akademie Verantwortlicher, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands (ab Mai 2011), Vorsitzender (ab Mai 2015) und Sohn eines Vaters (1912-2002), der noch bei Fritz Riemann eine Analyse gemacht hat, war es mir ein besonderes Anliegen, die Geschichte der Akademie auch in diesem Medium sichtbar werden zu lassen.

Der nachfolgende Beitrag bezieht sich auf die in der untenstehenden Literaturliste angeführten Arbeiten, die dankenswerterweise von KollegInnen der Akademie und anderer und anderer PsychoanalytikerInnen (teilweise Mitglied in anderen Münchner Instituten) veröffentlicht wurden. Daneben habe ich mit AkademiekollegInnen gesprochen und auch weitere Quellen (Literatur, Internet) herangezogen.

Danken möchte ich allen KollegInnen, die mit Ihrem Interesse an der Geschichte und ihrer Forschungsarbeit wichtige, teils auch erschreckende historische Fakten ans Licht gebracht und dokumentiert haben. Ausgehend von Johannes Grunert, der "an der Münchner Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie im Sommersemester 1983 ein Seminar zum Thema »Institutionalisierte Psychoanalyse« durchgeführt [hatte], das die Grundlage für seine Veröffentlichung über die Münchner Entwicklung im Oktoberheft der Psyche 1984 bildete." (Dittrich 1995: 66).

Dieser in der Psyche (38: 865-904) erschienene, wegweisenden Beitrag von Grunert "Zur Geschichte der Psychoanalyse in München" findet sich auch (in unverändertem Abdruck) in dem von Thea Bauriedl und Astrid Brundke 2008 herausgegebenen Buch: "Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche". Wie Grunert selbst schreibt handelte es sich um eine "erweiterte Fassung des Referates, mit welchem am 1. August 1983 das an der Münchner Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie veranstaltete Seminar "Institutionelle Psychoanalyse – Materialien zur Geschichte einer mystifizierten Bewegung" abgeschlossen wurde (Grunert 2008: 237, Anm. 1).

Nach und während einer Phase der Ablehnung gegen diese 'Nestbeschmutzung', wie Grunerts Beitrag mancherorts empfunden wurde, kam es zu größeren Diskussionsveranstaltungen in der Akademie (z. B. "Vom Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie zur heutigen Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie").

Und es kam zur Gründung eines Arbeitskreises zur Geschichte der Psychoanalyse, der sogenannten "Geschichtsgruppe", die sich aus interessierten KollegInnen und Aus- und WeiterbildungsteilnehmerInnen der Akademie zusammensetzte. <![endif]-->Gudrun Brockhaus, die zum Seminar von Grunert ein Referat über Kemper beitrug, war einige Jahre Mitglied des Arbeitskreises, der auch verschiedene Personen interviewte, die die Frühgeschichte selbst miterlebt hatten, z. B. Zander, Cremerius, die Witwe von Fritz Friedmann.

1994 waren folgende Mitglieder im Arbeitskreis vertreten:

  • Astrid Brundke
  • Marianne März
  • Karin Dittrich
  • Andreas Hamburger
  • Wolfhart König
  • Christine Peyerl.

Aus diesem Arbeitskreis heraus entstanden verschiedene Initiativen – beispielhaft sei auf die außerordentlich eindrückliche Dokumentation "Vom Reichsinstitut zur Akademie. Dokumente und Bilder zur Geschichte der Psychoanalyse in München" (Ausstellung zur 50-Jahr-Feier der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie 1996) verwiesen (siehe unten unter Dokumente). Auch gilt der Dank allen KollegInnen und AutorInnen, die an dem von Thea Bauriedl und Astrid Brundke 2008 herausgegebenen Grundlagenwerk über die Geschichte der Psychoanalyse in München und die Akademie "Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche" beteiligt waren:

  • Thea Bauriedl
  • Astrid Brundke
  • Johannes Grunert
  • Horst Gröner
  • Reinhard Pabst
  • Wolfgang Schmidbauer
  • Heidi Spanl.

 

Auch wenn die Auseinandersetzungen und Spannungen, die mit diesem Werk unter dem Begriff "Buchkonflikt" in Geschichte der Akademie eingegangen sind, teils tiefe Narben hinterlassen haben, bleibt die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ein unverzichtbarer Teil der Aufklärung – auch und insbesondere in der Psychoanalyse. Denn:

"Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen."

George Santayana, eigentlich Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana (1863-1952), amerikanischer Philosoph und Schriftsteller spanischer Herkunft

München im März 2017
Dr. phil. Jürgen Thorwart


Die Entstehung der Psychoanalyse in München Zeit vor dem Ersten Weltkrieg

Die Wurzeln der heutigen Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V. reichen bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts zurück. Im Jahre 1911, ein Jahr nach Gründung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV), wurde die IPV-Ortsgruppe München von Leonhard Seif (1866-1949) und einigen KollegInnen gegründet. Freud begrüßte diesen Schritt und war von seiner analytischen Arbeit angetan; umgekehrt setzte sich Seif – zunächst – sehr engagiert für die Freudsche Psychoanalyse ein.

Leonhard Seif (1865-1949, Nervenarzt für Psychotherapie und Hypnotismus) kam aus der Schule C. G. Jungs, war Gründungsmitglied der IPV (Nürnberg 1910) und trat 1914 auf dem Hintergrund des 'Freud-Jung-Konflikts', der auch auf dem 4. Kongreß der IPV in München (September 1913) zutage trat, aus der IPV wieder aus und wandte sich nach dem Ersten Weltkrieg Alfred Adler zu.

Die Gruppe löste sich nach 1914 auf und fand auch keine Erwähnung mehr in den Korrespondenzblättern der IPV.


Weimarer Republik und Nationalsozialismus: Spaltung der deutschen Psychoanalyse und Psychoanalytiker

Während sich die Freudianisch geprägte Psychoanalyse nach 1918 in München nicht etablieren konnte (die IPV-Ortsgruppe wurde umbenannt in Gesellschaft für angewandte Seelenkunde) wurden die Anhänger der Individualpsychologie (neben Seif u.a. Kurt Seelmann, Lene Credner und Kurt Weinmann und der Analytischen Psychologie (u. a. Richard Heyer, Lucy Heyer-Grote und Max Steger in München in den 1920er Jahren zahlreicher. Von der sich in der Weimarer Republik etablierenden Neuen Deutschen Heilkunde führte der Weg in die im Nationalsozialismus propagierte Deutsche Seelenheilkunde – und auch in München erfolgte eine ideologische Anpassung in diese Richtung:

Die beiden Gruppen (Individualpsychologie und Analytische Psychologie) schlossen sich 1939 zu einer Zweigstelle Bayern des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie (das sogenannte "Göringinstitut") zusammen (in den Klubräumen des Künstlerinnenvereins München, Akademiestr. 7. Der Vetter von Reichsmarschall Hermann Göring, Matthias Heinrich Göring (1879-1945, Arzt, Neurologe, Lehranalysand von Seif – adlerianische Ausrichtung) leitete das Institut in Berlin und wandte sich (mit Unterstützung namhafter Psychoanalytiker) gegen die Psycho-Analyse und die Individualpsychologie mit ihrer – in der Diktion des Nationalsozialismus – jüdischen Herkunft und korrumpierenden und zersetzenden Wirkungsmöglichkeit. Peglau hat unter Bezugnahme auf den 1933/34 wegen seines öffentlichen Auftretens gegen den Faschismus aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) ausgeschlossenen Wilhelm Reich nachgewiesen, daß die Nationalsozialisten genau abwogen, welche Aspekte der Psychoanalyse es zu unterdrücken und welche es für die "neue deutsche Seelenkunde" zu nutzen galt. Und er zeigt mittels von großenteils unbekanntem bzw. unberücksichtigtem Archivmaterial auf, daß sich die Mehrheit der Psychoanalytiker weder während des Dritten Reichs noch danach schwer damit tat, in staatstragender Weise "politisch" zu sein und sich herrschenden Machtstrukturen anzupassen. (Peglau 2015). Entgegen der "Überlieferung" in psychoanalytischen Kreisen gab es eine ausgeprägte Bereitschaft (auch der Freudianer) zusammenzuarbeiten – sowohl institutionell als auch in Form von Veröffentlichungen, so z. B. von Schultz-Hencke, Müller-Braunschweig und Heyer. Gudrun Brockhaus hat sich in diesem Zusammenhang ausführlich mit der ideologischen Nähe der Psychotherapie und Psychoanalyse zur "Deutschen Seelenheilkunde" beschäftigt (Brockhaus 1989 und 1998).

Die Zweigstelle Bayern stand unter Leitung von Leonhard Seiff und Lucy Heyer, die die Geschäftsführung inne hatte. Die Ausbildung erfolgte ab 1940 in zwei schulenspezifischen Kursen (jungianisch und gemeinschaftspsychologisch – eine Richtung innerhalb der Individualpsychologie, später mit Abspaltungstendenzen unter Fritz Künkel. 1943 wurde der Jungianer Otto Curtius Nachfolger von Seif als Leiter der Zweigstelle. Im selben Jahr wurde diese im Zuge der Umbenennung des Berliner Instituts in ein Reichsinstitut in die Arbeitsgemeinschaft München umbenannt.


Psychoanalyse in München nach Kriegsende: Wiederaufbau des ehemaligen 'Göring-Instituts' und Verleugnung der Instiututsgeschichte


Die Gründung des Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie 1946 im Geiste des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie

Der Gemeinschaftspsychologe Felix Scherke (1892-1977) fungierte seit 1941 als Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie in Berlin und leitete zudem die Forschungsstelle für Betriebspsychologie und die Abteilung für Völkerpsychologie. In den letzten Kriegstagen floh er – mit der Kasse, Kontovollmacht und vielen Akten des ausgebrannten Berliner Reichsinstituts – nach Bayern (Oberaudorf). Daraufhin enthob ihn Göring aller Ämter und zeigte ihn wegen Defätismus beim Volksgerichtshof an. In München gelang es ihm, die amerikanische Militärregierung von der Notwendigkeit der Fortführung (Reichs)- Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie zu überzeugen – die Münchner Arbeitsgruppe bezog er in seine Verhandlungen nicht ein.

Im Mai/Juni 1945 wurde in Berlin unter Leitung von Schultz-Hencke und Kemper (Poliklinik) das Institut für Psychopathologie und Psychotherapie gegründet. Am 29.04.1946 unterzeichneten Schultz-Hencke und Kemper einen Vertrag, der die künftige Trägerschaft des Instituts durch die Versicherungsanstalt Berlin und seine Überleitung in das Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen der Krankenversicherungsanstalt Berlin (VAB später AOK) beinhaltete. Dieses, später von Annemarie Dührssen geleitete Institut (1965-1984), spielte eine wegweisende Rolle bei der Etablierung der "großen Psychotherapie" in die Gesetzliche Krankenversicherung – zunächst in Berlin, dann 1967 auf Bundesebene als Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (vgl. Dührssen 1971 und Becken 2008: 264ff).

In der Münchner Mitgliederversammlung am 13.07.1945 wurde der neue Name der bisherigen Arbeitsgemeinschaft München beschlossen: Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie, das sich als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie (Berlin) verstand. Zwar war Scherke mit seinem Ansinnen gescheitert den Begriff "Reichsinstitut" im Titel zu integrieren, aber die Mitglieder Arbeitsgemeinschaft (Geschäftsführerin: Lucy Heyer) konnten sich ihrem Versuch der (nicht nur namentlichen) Unabhängigkeit von den nationalsozialistischen Umtrieben Scherkes nicht durchsetzen .

Mit Genehmigung der Militärbehörden wurde am 8. 2. 1946 das Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie (damals Mandlstr. 8)  gegründet. Gründungsmitglieder des neuen Instituts waren: Lene Credner, P. von Fricks, Hans von Hattingberg, Gustav R. Heyer, M. Jäger, Chr. Küpper, Alice Lüps, Fritz Riemann, Felix Scherke, Kurt Seelmann, Leonhard Seif, Friedrich Seifert, L. R. Sprengel, Max Steger, H. Supan, August Vetter, Ludwig Zeise [Anmerkung: Hans von Hattingberg kann kein Gründungsmitglied gewesen sein, wie Cremerius 2006: 74 das berichtet. Er starb mit 64 Jahren, am 18.03.1944 in Berlin, an einer körperlichen Erkrankung]. Einige von ihnen hatten sich auch nach 1933 öffentlich zum Nationalsozialismus bekannt (u.a. Friedrich Seifert/Parteimitglied und Alice Lüps/NS-Frauenschaft, Gustav R. Heyer/Parteimitglied und "rabiater Nazi" am sog. "Göring-Institut").

Scherke übernahm die Geschäftsführung, Otto Curtius (der bisherigen Leiter der Arbeitsgemeinschaft München übergab (wegen seiner politischen Belastung als NSDAP-Mitglied) seine Befugnisse an den Nervenarzt Max Steger, der – ebenfalls mit Genehmigung der Militärbehörden – erster Leiter des Instituts (damals noch Direktor) wurde.

Dem Institut gehören zum damaligen Zeitpunkt 67 Mitglieder und 49 AusbildungsteilnehmerInnen an (u.a. Fritz Riemann, Walter Seitz, Edgar und Johanna Herzog-Dürck). Riemann (1902-1979) hatte seine Ausbildung vor dem Krieg am Berliner Institut abgeschlossen, arbeitete in eigener Praxis bis zum Einzug 1943 und kam nach dem Krieg aus der englischen Gefangenschaft nach Berlin und später nach Bayern. Er gehörte zur Gruppe der 'Laien'analytiker und hatte keine akademische Ausbildung absolviert.

Nachdem Max Steger bereits im Dezember 1947 durch einen Motorradunfall verstarb, wurde der als Mitläufer eingestufte Otto Curtius im Februar 1948 sein Nachfolger . Aufgrund vieler Querelen im Institut (u. a. im Zusammenhang finanzieller Auseinandersetzungen mit dem Berliner Institut und zuletzt wegen seines undemokratischen Versuchs, die Mitglieder bei der Wahl des Nachfolgers von Max Steger zu beeinflussen trat Scherke im März 1948 als Geschäftsführer zurück und wurde Professor an einer Wirtschaftshochschule; 1962 war er eines von 7 Gründungsmitgliedern der Alfred-Adler-Gesellschaft (AAG); die Gründungsversammlung fand am 28.7.62 in München statt, 1970 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie – DGIP.

Der schwer herzkranke Curtius verstarb noch im Jahr seiner Wahl (1948).

Nachfolger von Otto Curtius wurde nach kontroverser Diskussion Prof. Dr. Walter Seitz, Internist, Direktor der Medizinischen Poliklinik der Universität München, der als Lehrstuhlinhaber (Innere Medizin) erstmals die Psychosomatik in sein Fach einführte zugleich selbst aber nicht psychotherapeutisch ausgebildet war. Er bekleidete sein Amt 20 Jahre (1948-1967 ) lang. Nachfolgerin von Scherke als Geschäftsführerin wurde Renate Luise Sprengel.

Nachtrag 21.05.2017 (Anfang)

Die Person von Walter Seitz, dem dritten und langjährigen Vorsitzende der Akademie, verdient eine besondere Würdigung. Zu seinem 85. Geburtstag schreiben die Münchner Ärztlichen Anzeigen (Nr. 31 vom 4.09.1990: 9f):

Prof. Walter Seitz 85 Jahre

Der langjährige Direktor der Medizinischen Poliklinik der Universität München, Prof. Dr. med. Walter Seitz, wurde am 24. Juli 1990 85 Jahre alt. Er war der erste deutsche Lehrstuhlinhaber, der die Psychosomatik in den Bereich der Inneren Medizin einführte. Als Landtagsabgeordneter, 1950 bis 1954, war er u. a. Mitbegründer des Bayerischen Landesgesundheitsrates.

Professor Seitz wurde am 24. Juli 1905 als Sohn eines berühmten Gynäkologen in München geboren. Nach dem Medizinischen Staatsexamen in Frankfurt 1930 erhielt er seine weitere Fachausbildung in Heidelberg und Berlin, wurde jedoch aus politischen Gründen nicht zum Universitätsdozenten ernannt; kurz darauf wurde er sogar wegen politischer Unzuverlässigkeit von der Berliner Charité verwiesen. Nach Tätigkeit in der Industrie wurde er 1941 zum Oberarzt des Augusta-Hospitals in Berlin und zum Leiter der dortigen Röntgenabteilung ernannt. Nach weiteren Konflikten mit den NS-Behörden mußte er schließlich untertauchen, um sich der Festnahme durch die Gestapo zu entziehen.

Nach Kriegsende wurde er zum Leiter des Gesundheitswesens vieler Berliner Bezirke ernannt, 1946 zum Oberarzt an der Charité. 1947 folgte er einem Ruf nach München auf den poliklinischen Lehrstuhl. Gleichzeitig wurde er Direktor der Medizinischen Poliklinik, die ihre heutige Bedeutung dem Einsatz von Walter Seitz und seinen Schülern für diesen Kliniktyp verdankt. Bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1973 war er auch Direktor der gesamten Poliklinik der Universität München. Er hat sehr früh die Bedeutung der Psychosomatik erkannt. Der Medizinischen Poliklinik gliederte er eine Psychosomatische Abteilung an und war Wegbereiter der psychotherapeutischen Einrichtungen in München, die zum Vorbild für andere Universitätskliniken in München und anderswo geworden sind.

Zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat er zahlreiche Arbeiten u. a. über Fettsynthese sowie Entwicklung und Bedeutung von Serumlabilitätsproben geschrieben. Sein Taschenbuch der Inneren Medizin war ein unter den Studenten außerordentlich weit verbreitetes und beliebtes Kompendium. Eine Reihe seiner Schüler wurde auf Lehrstühle berufen, darunter einer auch auf einen Lehrstuhl für Biochemie, andere wurden Chefärzte bedeutender Kliniken. Neben seinen Aufgaben im Zusammenhang mit der Leitung einer großen Universitätspoliklinik folgte Professor Seitz weiter seinen politischen Überzeugungen. Während seiner Zeit als Landtagsabgeordneter der SPD (1950-54) initiierte er wichtige Gesetze im Bereich des Gesundheitswesens.

Seiner Arbeit im "Untergrund" in den letzten Kriegsjahren ist in dem Buch "Schauplatz Berlin" von Ruth Andreas Friedrich ein Denkmal gesetzt. In den frühen Auflagen dieses Buches, damals noch unter dem Titel "Der Schattenmann", erkennt man ihn deutlich wieder, später mußte man ihn kennen, um ihn wiederzuerkennen. Zahlreichen Menschen verhalf er zur Ausreise in die USA, viele verdanken ihm ihr Überleben.

Seitz war Mitglied der Berliner Widerstandsgruppe "Onkel Emil" – das war der Warnruf der Gruppe und Spitzname von Walter Seitz. Sie bildete sich im Winter 1938 um die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich und ihren Lebensgefährten den Dirigenten Leo Borchard und blieb bis zur Befreiung unentdeckt. Aus dem Tätigkeitsbericht der Gruppe "aus den letzten Monaten der Kampfjahre" gehen die weiteren Mitglieder der Stammgruppe hervor: der Journalist Fred Denger, der Arzt Josef Schunk, der Facharzt (Internist) und Docent Walter Seitz und die Tochter von Ruth Andreas-Friedrich, die Schauspielerin Karin Friedrich (Andreas-Friedrich 1984/2000: 576ff).

Onkel Emil half verfolgten Juden (Unterschlupf, Lebensmittel, Papiere etc.) und verteilte, nach der Ermordung von Hans und Sophie Scholl im Februar 1943, Flugblätter der Weißen Rose in München. In dem erwähnten Buch "Der Schattenmann" (Andreas-Friedrich 1947/2000) ist Seitz in der Person von "Dr. Frank Mathis" zu erkennen. Nachdem Leo Borchard 1945 gestorben war kam die Autorin und Begründerin von "Onkel Emil" nach München und heiratete Walter Seitz, sie haben 4 Kinder. 1977 vergiftet sie sich im Alter von 75 Jahren.

Walter Seitz stirbt 1997 im Alter von 91 Jahren, die Akademie würdig seine Verdienste in der Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 15.02.1997. Er wird dort für sein Schaffen gewürdigt:

Traurig nehmen wir Abschied von unserem ehemaligen Vorsitzenden und Ehrenmitglied

Prof. Dr. med. Walter Seitz

verstorben am 10. Februar 1997

Walter Seitz hat viel zur Entwicklung der Psychoanalyse in München beigetragen. Zwanzig Jahre lang hat er seine einfühlsame und schützende Hand über die Akademie gehalten und bis heute alle unsere Aktivitäten aufmerksam begleitet. Wir sind ihm sehr dankbar.

Der Vorstand der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. München

Tatsächlich war Walter Seitz nicht Ehrenmitglied der Akademie, er wurde in der Mitgliederversammlung vom 25.10.1968 von dem unmittelbar zuvor neugewählten Vorsitzenden (Dr. Siegfried Elhardt) zum Ehrenvorsitzenden des Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie vorgeschlagen und von den Mitgliedern (34) anschließend gewählt (Quelle: Rundschreiben Nr. 7/68 v. 20.12.1968).

Karin Friedrich, Schauspielerin und über lange Zeit Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung (insbesondere betreute sie auch den SZ-Weihnachtskalender), verstarb im November 2015 im Alter von 90 Jahren.

Eine Würdigung der Tätigkeit der Widerstandsgruppe "Onkel Emil" befindet sich in der DenkStätte Weiße Rose am Lichthof der Ludwig-Maximilians Universität (unmittelbar beim Audimax):

www.weisse-rose-stiftung.de.

Die Gruppe wird auch in der Arbeit von Hans-Rainer Sandvoß (1986): Widerstand in Steglitz und Zahlendorf gewürdigt:

www.gdw-berlin.de.

Wie Brundke schreibt, war Seitz nach dem Tod von Curtius als "Übergangslösung" gedacht, er war Internist und nicht psychotherapeutisch ausgebildet. Seine Verbin-dung zur Universität (er war der erste deutsche Lehrstuhlinhaber, der die Psychoso-matik in den Bereich der inneren Medizin einführte) "sowie seine Bereitschaft, das Institut in seinem Kampf um die Anerkennung der nichtärztlichen Psychotherapie zu unterstützen, die damals akut bedroht war, überwogen schließlich die Bedenken" gegen seine Person.

"Offen bleibt die Frage, ob Seitz' antinazistisches Engagement als Mitglied der Berliner Widerstandsgruppe "Onkel Emil" eine Rolle bei seiner Kandidatur gespielt hat. Erwähnung fand es in der Diskussion nicht, vermutlich war es zu dieser Zeit nicht einmal bekannt." (Brundke 2008a: 89).

Seine tendenziell abwiegelnde Haltung bei der späteren "Schelkopf-Affaire" ist auf dem Hintergrund seiner eigenen Biografie zumindest erstaunlich und läßt viele Fragen offen.

Ende Nachtrag 21.05.2017


Das Institut in den 1950er und 1960er Jahren: Die Verleugnung der Geschichte

Die Aufarbeitung der Geschichte spielte – ungeachtet der vielfältigen Verstrickungen – in den folgenden Jahrzehnten keine wesentliche Rolle – vielmehr gab es eine "Tendenz, sich von der Umwelt abzuschotten und »alles alleine zu schaffen« wie auch das Schweigen über die Vergangenheit (…) lange Zeit Charakteristik[um] des Münchner Instituts" waren (Bauriedl 2008, 152). Johannes Cremerius (1918-2002), der seine Ausbildung am Münchner Institut von 1948 bis 1952/53 absolvierte und Lehranalysand von Riemann war, schrieb dazu:

"Hatten die Neugründer kein Gefühl dafür, was der Bezug auf das Berliner Reichsinstitut ausdrückte? War es nicht das Institut, das sich Hitler unterworfen, das die Juden bereits ausgeschlossen hatte, bevor die Partei verlangte, wo den Dozenten der Freudschen Schule Lehrverbot erteilt worden war? Wir erfuhren bald, warum sie diesen Namen beibehalten hatten; er sollte Fortführung des Alten anzeigen. Ohne eine Neuorganisation überhaupt zu erwägen, organisierten sie die Ausbildung so, wie sie sie von ihrem Berliner Institut kannten, nämlich als eine synoptische, d.h. Dreierseminare in Anwesenheit der Vertreter aller drei am Institut vertretenen Schulen. Hatte ich gehofft, hier eine psychoanalytische Ausbildung im Sinne der Freudschen Psychoanalyse zu erhalten, so wurde ich bald eines Besseren belehrt. Von den Dozenten war nur einer, Fritz Riemann, ordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Die anderen gehörten den Schulen Jungs, Adlers, Künkels an." (Cremerius 2006: 74)

Schon einige Jahre zuvor hatte er die Situation am Münchner Institut so beschrieben:

"Das Institut übernahm nicht nur den alten Namen, sondern auch das Programm des alten Instituts: Den synoptischen Aufbau, die Organisation in Arbeitsgruppen je nach Schulrichtung, das Dreierseminar und die Lehrbehandlung bei Vertretern verschiedener Schulen. Es gab die starke Adlergruppe, eine weniger starke eklektische Gruppe, vor allem von Künkel geprägt, eine kleine Jung-Gruppe und einen einzigen Freudianer, Fritz Riemann." (Cremerius 1994, 83)

In München wurde die kaum noch als freudianisch zu bezeichnende 'Neopsychoanalyse' Schultz-Henckes noch lange nach dem Krieg gelehrt: Viel früher – bereits 1929 – hatte Schultz-Hencke im Berliner Institut Lehrverbot erhalten, weil er Freuds Theorie durch seine eigene theoretischen Konstrukte ersetzt hatte. "Im »Göring-Institut« konnte er dann unbehindert Schüler ausbilden, während Felix Boehm und Carl Müller-Braunschweig, die nach dem erzwungenen Austritt der jüdischen Psychoanalytiker aus der DPG (1935) alleine den Vorstand des Berliner Instituts bildeten, ab 1938 nicht mehr ausbilden und publizieren durften" (Bauriedl 2008: 137). Riemann, der seine zweite Lehranalyse bei Schultz-Hencke absolvierte, war von dessen "klaren methodischen Verstand[es]" angezogen und den von ihm vertretenen "theoretische[n] Auffassungen, die mich sehr ansprachen" (Riemann 1973: 360). Verschiedentlich ist auch in seinem Werk der theoretische Bezug zur den Konzepten seines (zweiten) Lehranalytikers erkennbar (z.B. die der oralen, analen und ödipalen vorausgehende "intentionale" Phase).

Riemann, der als einziger 'Freudianer' (als der er sich selbst aber "nie" empfand; Riemann 1973: 362) am Institut lehrte, fungierte von 1956 bis 1967 als Ausbildungsleiter und wurde von seinem Lehranalysanden Siegfried Langhans abgelöst, der sich seinerseits in seiner Dissertation Freud zuwandte und sich nicht auf Schultz-Hencke bezog.

Das Institut definierte sich in diesen Jahren mehr und mehr psychoanalytisch. Dazu trug auch bereits Anfang der 1950er Jahre eine Gruppe um Johannes Cremerius bei, die 1954 in "Cremerius-Kreis" mündete (neben Johannes Cremerius, Annemarie Cremerius, Gertraud und Siegfried Elhardt, Fritz Friedmann, Maria Helmrich, Wilhelm Hose, Hans Kilian, Rolf Klüwer, Carl Klüwer, Paul Matussek u. a.). Der Kreis stand den Verhältnissen in München kritisch gegenüber, Pabst spricht in diesem Zusammenhang von einer "Dissidenz" (Pabst 2008: 287ff). Neben der nicht aufgearbeiteten bzw. verleugneten Verstrickung in den Nationalsozialismus, richtete sich die Kritik auch gegen die inhaltliche Ausrichtung der synoptischen Ausbildung am Münchner Institut. Nach dem Weggang von Cremerius nach Zürich (1960) entstand ein weiterer Kreis um Fritz (Eli) Friedmann (neben Friedmann, Rolf Klüwer, Ulrich Otto, Viveka Böök, Ursula und Johannes Grunert, Stefan Geröly, Siegfried Langhans, Hans Kilian, Lotte Köhler, Friedhelm Streletzki, Paul Matussek sowie die DPV-Mitglieder Antoon Houben, Dieter Eicke und Erhard Künzler), der etwa bis 1970 tagte und aus dem heraus 1973 die Gründung der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft München (PAM) erfolgte. Beide Gruppen bemühten sich um eine Öffnung des Instituts nach außen, die dafür sorgte, daß wichtige Vertreter der Freud'schen Psychoanalyse und IPV-Mitglieder nach München eingeladen wurden, dort referierten und supervidierten.

1968 wurde Anton Schelkopf (1914-1975), ein mit tatkräftiger Unterstützung seines späteren Lehranalytikers Riemann 1958 in das Institut aufgenommener Filmproduzent und CSU-Parteimitglied, für das Amt des Geschäftsführers nominiert. Wegen seiner von Lotte Köhler aufgegriffenen, ungeklärten NS-Vergangenheit zog er seine Kandidatur aber schließlich zurück. Es kam zu Spaltungen zwischen Unterstützern und Gegnern Schelkopfs, der seinerseits mit juristischen Mitteln und später auch mit seinem Austritt aus dem Verein drohte. Im Verlauf der zermürbenden Auseinandersetzung im Institut trat Köhler schließlich im September 1969 aus dem Institut aus. Schelkopf blieb Mitglied, verzichtete aber auf die von ihm zunächst geforderte Rehabilitationserklärung; er verstarb im Mai 1975 und "das Institut dankte ihm in einer Todesanzeige für seinen »aktiven Einsatz« für die Psychoanalyse, er habe durch »seine umsichtige und vorausschauende Beratung großen Anteil am Aufbau der Akademie« gehabt" (Brundke 2008a: 99).

Es ist schon erstaunlich, daß Schelkopf nicht nur im Institut weitgehend unbehelligt blieb – er machte auch Karriere und wurde 1972 als Nachfolger von Franz Heigl Generalsekretär der International Federation of Psychoanalytic Societies, IFPS (bis in sein Todesjahr 1975), die 1962 von 75 Psychoanalytikern, dem Wiener Arbeitskreis für Tiefenpsychologie, der DPG und der Mexikanischen Psychoanalytischen Gesellschaft gegründet worden war.

Die Affäre Schelkopf "gehört zu den am längsten und konsequentesten verschwiegenen Kapiteln der Geschichte der »Akademie«" (Brundke 2008, 99). Die ihn belastenden Unterlagen wurden nur dem Vorstand und dem zur Klärung beauftragten Schlichtungausschuß (Mitglieder u.a. Richard Marx, zur gleichen Zeit Lehranalysand von Riemann!; Joachim Seidl und Edgar Herzog, Ausbildungsleiter) bekannt. Den teilweise erfolgreichen Versuch, die historischen Fakten zu verschleiern, hat Brundke in ihrem Beitrag beschrieben: "Vom überzeugten Nationalsozialisten zum Psychoanalytiker – Anton Schelkopfs »Entnazifizierung« und seine Karriere im Institut" (Brundke 2008b).

Lotte Köhler hat 1998 in einem Beitrag mit dem Titel: "»Umsonst war's nicht.« Bericht einer betroffenen Zeitzeugin", ihre Sicht der Dinge dargelegt und macht deutlich, daß es angesichts des ihr (und Hans Kilian) zugefügten Schadens und Leides nie eine klare Entschuldigung der Akademie gegeben habe:

"Bis heute [es geht um das Jahr 1996] kann nicht gesagt werden, daß man mich verleumdet hat, indem man mich der Verleumdung bezichtigte, als ich eine unbequeme, aber notwendige Wahrheit aussprach." (Köhler 1998, 207)

Diese Entschuldigung erfolgte dann doch noch einige Jahre später unter dem Vorsitzenden Tobias v. Geiso und Frau Köhler nahm sie an.

ψ ψ ψ

Als Verfasser dieses Abrisses der Geschichte der Akademie und derzeitiger Vorsitzender der Akademie bleibt ein ungutes Gefühl, wie man mit Lotte Köhler damals, aber auch später, nach ihrem Austritt, umgegangen ist. Frau Köhler hat der Akademie mit dem, was sie getan hat, nicht nur "einen wichtigen Dienst erwiesen" (zitiert aus einem Schreiben des Vorstands der Akademie 1996, Köhler 1998: 207), sie wurde, als sie "eine unbequeme, aber notwendige Wahrheit aussprach" deswegen verleumdet und es ist versäumt worden, sich bei ihr zu entschuldigen. Und so möchte ich auch hier – spät, aber vielleicht nicht zu spät – die Gelegenheit ergreifen, mich im Namen der Akademie und ihrer Mitglieder bei Frau Köhler für das, was ihr angetan wurde, ausdrücklich zu entschuldigen. Das gilt posthum auch für Hans Kilian (* 1921) der im März 2008 verstorben ist.


Die Akademie in den 1970er Jahren: Entwicklung zur einer psychoanalytischen Akademie

Im Zuge der 68er-Bewegung begann sich im Münchner Institut einiges zu bewegen. Die AusbildungsteilnehmerInnen wunderten sich über den Namen des Instituts ("Forschung") und das "seltsame Schweigen" (Bauriedl 2008: 164), begannen Fragen zur Geschichte und Vergangenheit des Instituts zu stellen und knüpften Kontakte zu Kandidaten anderer Ausbildungsinstitute.

Die Auseinandersetzungen um den Geschäftsführer (Schelkopf) "gaben einen wichtigen Anstoß zu einem Klärungs- und Neuorientierungsprozess, der mit dem Vorsitz von Siegfried Elhardt, der Ausbildungsleitung durch Siegfried Langhans [Amtszeit 1967-74] und der Geschäftsführung durch Gerd Halbach einsetzte und mit dem im Februar 1974 beginnenden Direktorat [Titel des Vorsitzenden: 'Direktor'] von Siegfried Langhans entschieden und engagiert fortgeführt wurde" (Grunert 2008: 230).

Im Jahr 1974 erfolgte die Umbenennung des Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie in Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie und – damit verbunden – die endgültige Distanzierung und Abkehr vom synoptischen Gedanken und den Theorien Schultz-Henckes. Daß diese von Riemann weiterentwickelten Theorien so lange gelehrt worden waren, hatte mit seiner Übereinstimmung mit den Auffassungen Schultz-Henkes vor allem aber auch mit seiner Loyalität seinem früheren Lehranalytiker gegenüber zu tun.

Der Direktor Siegfried Langhans (Amtszeit 1974-82), der Ausbildungsleiter Ludwig Barth (Amtszeit 1974-84) und sein später Nachfolger Wolfgang Mertens (Amtszeit 1985-95) sorgten endgültig für die psychoanalytische Ausrichtung der Akademie.

Die Jahre nach 1974 sind, wie Thea Bauriedl schreibt, von "Problemen des Generationswechsels und ersten Demokratisierungsbemühungen" gekennzeichnet (Bauriedl 2008 168ff). Dazu trug auch bei, daß erst in dieser Zeit der "Überwachungsstaat" (Bauriedl 2008, 150) im Sinne einer allumfassenden Kontrolle der AusbildungsteilnehmerInnen zurückging – vor allem durch das Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre eingeführte Prinzip der Lehranalyse als eines "geschützten Raumes". Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die LehranalytikerInnen auch Beurteilungsfunktionen übernommen: "Daraus geht hervor, dass in der ersten Zeit des Instituts die Lehranalyse keine "wirkliche" Analyse war, in der aus psychoanalytischer Sicht keinerlei Abhängigkeitsverhältnisse bestehen dürfen" (ebd.).

In der Folge wurden die Aus- und Weiterbildungsordnung sowie die Prüfungsordnung geändert und lagen nun, nach Aussage des Ausbildungsleiters Ludwig Barth (Ende seiner Amtszeit 1984) im Mittelfeld der weltweit von Wallerstein bei 28 IPV-Instituten erhobenen Daten über Ausbildungsregeln. Auch wurden AusbildungsteilnehmerInnen in die Arbeit der Gremien und Ausschüsse einbezogen (z. B. Ausschuß zur Erarbeitung einer neuen Satzung, auch wenn sie dabei zunächst noch eine sehr passive Rolle zu spielen hatten).


Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten bis in die Gegenwart (2016/2017)

Von Frank Schwarz, dem Vorsitzenden und Direktor von 1985 bis 1995 gingen wichtige Impulse für eine damals noch kaum beachtete und oft auch ignorierte Öffnung der Psychoanalyse gegenüber psychotischen Erkrankungen aus. Er gründete und leitete mit Helmut Remmler (MAP) 1992 die Überregionale Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie; nach dem Tod von Helmut Remmler trat 1997 Günter Lempa seine Nachfolge an und leitet die ab Mai 2014 zur Akademie hinzugekommene Abteilung Analytische Psychosentherapie (APT).

Mit Thea Bauriedl, die von 1995 bis April 1999 Vorsitzende war, und mit ihrem Mann Friedrich Wölpert die Abteilung für Analytische Paar- und Familientherapie mit ihrem beziehungsanalytischen Ansatz gründete, wurden ethische Fragen erstmals intensiver diskutiert und mündeten in die Gründung einer Ethik-Arbeitsgruppe, die bis heute existiert und Ethikleitlinien ausarbeitete – zum damaligen Zeitpunkt bundesweit ein Novum. Durch ihre Bemühungen im Bereich der Satzung mit dem Anliegen einer Demokratisierung und größerer Transparenz trug sie zur späteren Öffnung im Bereich der Kommunikations- und Organisationsstrukturen bei.

Elisabeth Petershagen (April 1999 – Juli 2002) engagierte sich unter dem Eindruck der damals dramatisch zurückgehenden Zahl von AusbildungsteilnehmerInnen für die Hinwendung der Akademie zu einem regen Mitgliederinstitut (fast könnte man sagen zu einer lokalen Fachgesellschaft). Daraus gingen verschiedene neue Angebote (u.a. der Akademietag und später die öffentliche Fortbildung) hervor. In Elisabeth Petershagens Amtszeit fielen auch die stürmischen Zeiten im Zusammenhang des neuen Psychotherapeutengesetzes, durch das sie die Akademie mit Unterstützung der damaligen Weiterbildungsleiter (Thomas Stadler/AKJP und Franz Zimmermann/ETH) hindurch steuerte.

Damals begann auch die Zeit der Großgruppen, die wesentlich zu einer offenen Gesprächskultur in der Akademie beigetragen haben. Tobias von Geisos Verdienst als Vorsitzender (kommissarisch ab Juli 2002 bis Februar 2002 und von Februar 2003 bis Mai 2009) bestand ganz wesentlich diese Entwicklung fortzusetzen und in der ihm eigenen überaus engagierten Weise offene Diskussionen anzuregen und schwierige Fragen, so das – noch immer von der Erwachseneanalyse dominierte – Verhältnis zwischen Kinder- und ErwachsenenanalytikerInnen (analog das der VAKJP-DGPT) anzusprechen und immer wieder kritisch zu diskutieren.

Die Wahl von Elfi Freiberger zur Vorsitzenden der Akademie (Mai 2009 bis Mai 2015) als erster Kinderanalytikerin war auch insofern ein Politikum, als sie im DGPT-Beirat als solche kein Stimmrecht hatte. Sie war in ihrer Amtszeit neben vielen anderen Themengebieten darauf bedacht, zu einer Befriedung der nach wie vor bestehenden Spannungen zwischen den Abteilungen (insbesondere AKJP und ETH) beizutragen – was auch, nicht zuletzt auch durch eine Organisationsberatung mit dem Erweiterten Vorstand (2013-2016 mit Unterstützung von Peter Döring) gelungen ist.

Anmerkung:

Der vorangehende Abschnitt drückt die Ansicht des Verfassers aus und erhebt weder den Anspruch, die Vorgänge völlig zutreffend, noch vollständig zu beschreiben. Kommentare und Hinweise - nicht nur zu diesem Abschnitt sind durchaus erwünscht! E-Mai-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Homosexualität und psychoanalytische Ausbildung an der Akademie

Noch bis in die 1990er Jahre Jahren hinkten psychoanalytische Institutionen und Fachgesellschaften in ihren Ausbildungsordnungen und Satzungen ihrem emanzipatorischen Selbstverständnis hinterher und betrachteten Homosexualität als Ausdruck bzw. Symptom einer pathologischen Entwicklung der Geschlechtsidentität.

Diese Haltung führte – auch an der Akademie – zu einer grundsätzlichen Ablehnung von schwulen und lesbischen BewerberInnen, was bedeutete, daß diese ihre Homosexualität verheimlichen mußten. Dieser Umstand überschattete seinerseits nicht nur die Aus- bzw. Weiterbildung, sondern oft auch das weitere Berufsleben.

Freud hatte bereits 1905 einen sehr klaren Standpunkt eingenommen:

"Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuche, die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von den anderen Menschen abzutrennen." (Freud 1905: 44, Anm. 1)

Auch vertrat er die Ansicht

"daß Homosexuelle nicht unbedingt psychisch labiler seien als Heterosexuelle, dass Homosexuelle in der Tat als Analytiker dienen könnten und dass es so wenig Aussicht auf die Konversion Homosexueller zur Heterosexualität gebe wie das Gegenteil." (zit nach Herzog 2015: 417)

und widersprach am 11.12.1921 gemeinsam mit Rank (der den Brief mit zeichnete) Ernest Jones, der einem homosexuellen Arzt die Zulassung zur psychoanalytischen Ausbildung verweigerte:

"Deine Anfrage (…) Ernest wegen event. Mitgliedschaft Homosexueller möchten wir nicht in Deinem Sinne beantworten, d.h. wir möchten solche Personen nicht grundsätzlich ausschliessen, da wir ja auch ihre gerichtliche Verfolgung nicht billigen können. Wir meinen die Entscheidung in solchen Fällen sollte einer individuellen Prüfung der sonstigen Qualitäten vorbehalten bleiben."

(zit. aus dem mir als Bilddatei vorliegenden Originalbrief in Durchschrift aus dem Briefwechsel der Komiteemitglieder der IPV; dieser befindet sich in der Otto Rank Collection (IIa/238-254) in der Rare Book und Manuscript Library der Columbia University Libraries, New York; U. Rauschfleisch hat den Briefwechsel zu diesem Thema sehr detailliert und genau wiedergegeben: Rauchfleisch 1993: 339f)

Und noch 1935 zeugt ein Brief an die besorgte Mutter eines homosexuellen Sohnes von seiner offenen und liberalen Haltung (Freud 1951: 786-787 und Freud 1968: 439).

Nicht alle Äußerungen Freuds waren so eindeutig. Seine Beiträge zur Sexualtheorie enthielten unklare Formulierungen im Hinblick auf der Homosexualität.

"Er betrachtete Homosexualität als Ergebnis einer spezifischen psychosexuellen Entwicklung, blieb jedoch unbestimmt in Bezug auf deren Krankheitswert. Strukturell betrachtete er sie als einen der möglichen Lösungsversuche ödipaler Konflikte und damit als gleichwertig mit der Heterosexualität, funktional aber sah er sie als eine "Abweichung" auf der Basis der "Arretierung" (Hemmung) eines ungelösten Ödipuskomplexes an, was man nur als Pathologie verstehen kann, auch wenn er gelegentlich von gesunden Homosexuellen sprach, ihre besondere Leistungsfähigkeit und Intelligenz betonte und sich öffentlich gegen ihre Diskriminierung wandte." (Ermann 2017: 101)

Im Zuge der Institutionalisierung der Psychoanalyse nahmen die ideologische Einengung und – damit einhergehend – auch die Pathologisierung der Homosexualität unter seinen Anhängern zu und verdichtete sich in der Ablehnung lesbischer und schwuler Menschen, die sich für die Aus- bzw. Weiterbildung zur/m PsychoanalytikerIn bewarben.

1973 strich die die Amerikanische Psychoanalytische Vereinigung (APA) Homosexualität als psychische Krankheit eo ipso aus dem DSM-II, dennoch blieb sie und als "sexuelle Orientierungsstörung", im DSM-II und später als "ich-dystone Homosexualität" im DSM-III erhalten.

Erst 1991 verabschiedete die Amerikanische Psychoanalytische Vereinigung (APsaA) als erste psychoanalytische Fachgesellschaft – und nach heftigen Kontroversen – eine Antidiskriminierungsklausel. Diese untersagte, die Ablehnung von BewerberInnen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung (de.wikipedia.org/wiki/Homosexualität). 2002 folgte die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV) mit einer entsprechenden Stellungnahme.

1992 kritisierte Johannes Cremerius die "Pathologisierung der Homosexualität und der daraus abgeleiteten Folgerung, Homosexuelle nicht zur psychoanalytischen Ausbildung zuzulassen", als einen der wesentlichen Gründe für die Krise der Psychoanalyse bzw. den Verlust "der sozialen Funktion der Psychoanalyse in der IPV". (Cremerius 1992: 64ff)

Dennoch blieb die Situation für Lesben und Schwule, die sich für die psychoanalytische Ausbildung interessierten, auch in den folgenden Jahren unübersichtlich und mit einer Reihe von Fragen und Unsicherheiten belastet, so etwa im Hinblick darauf,

  • inwieweit das Ansprechen der Homosexualität zu Vorbehalten gegen BewerberInnen und – unausgesprochen – zu einer Ablehnung führt,
  • ob die Herausnahme pathologisierender Passagen aus psychoanalytischen Lehrbüchern Ausdruck einer veränderten Haltung von PsychoanalytikerInnen bzw. VerfasserInnen oder lediglich das Zugeständnis an einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel und die daraus resultierende Veränderung (z. B. in der Rechtsprechung) darstellen und
  • ob die Pathologisierung nur sang- und klanglos verschwand, ohne daß unzutreffende oder falsche theoretische Annahmen explizit korrigiert und durch neue Erkenntnisse, Theorien und Konzepte ergänzt worden wären.

Bei einer Umfrage der »Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule im Gesundheitswesen — Ärzte und Therapeuten« zum Thema: "Müssen homosexuelle Bewerber grundsätzlich mit einer Ablehnung rechnen?" befragte die Arbeitsgruppe Psychoanalyse im November 1982 die 26 Ausbildungsinstitute in der Bundesrepublik. Aus München (von der Akademie) kam folgende Antwort:

"Ausschlaggebend für die Entscheidung ist, (…) »ob die für einen anayltischen [Schreibfehler i. Orig.] Psychotherapeuten unerläßlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten voraussichtlich während der Weiterbildung entwickelt und erworben werden können, ob pathologisch verlaufende Entwicklungen in dem für den Beruf des Psychotherapeuten notwendigen Umfang reversibel sind und spätere, den Patienten schädigende Rückfälle voraussichtlich dauernd ausgeschlossen werden können« (München-Akademie)." (Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule im Gesundheitswesen 1985: 559)

In der Akademie wurde der erste homosexuelle Bewerber (der sich bei Bewerbung offenbart hatte) im Sommersemester 1990 unter dem damaligen Aus- und Weiterbildungsleiter ETH, Wolfgang Mertens, zugelassen. Der bis dahin geltende Vorbehalt wurde mit 2: 1 Stimmen aufgehoben. In der Folge wurde eine Reihe von bekanntermaßen homosexuellen KollegInnen zur Aus-/Weiterbildung zugelassen.

1993 berichtete Udo Rauchfleisch in der Fachzeitschrift Forum der Psychoanalyse, daß von 41 angeschriebenen, davon 34 antwortenden, deutschsprachigen psychoanalytischen Ausbildungsinstituten fünf Institute lesbische und schwule KandidatInnen aufnahmen und zwei Institute Kritik an der traditionellen restriktiven Aufnahmepraxis übten. Hingegen lehnte ein Institut dezidiert homosexuelle Bewerber ab, weitere sechs nahmen offenbar lesbische und schwule KandidatInnen nicht auf und an den übrigen Instituten herrschte eine ambivalente Haltung im Sinne eines "Ja, aber …" (Rauchfleisch 1993).

Auch die Akademie befand sich unter den befragten Instituten und unter jenen fünf Instituten, die lesbische und schwule KandidatInnen aufnahmen (ebd.: 343, 344).

Bei der 60-Jahr-Feier der Akademie 2006 hielt Michael Ermann (Lehranalytiker, damaliger Leiter der Abteilung für Psychotherapie und Psychosomatik an der Psychiatrischen Klinik der LMU und früherer Vorsitzender der DPG) einen Vortrag, in dem er sich offen zu seiner Homosexualität bekannte. [Michael Ermann hat sich mir gegenüber freundlicherweise bereiterklärt, eine Kurzfassung des Vortrags anzufertigen und diesen hier zur Verfügung zu stellen].

Diese Entwicklungen in der Psychoanalyse und in der Akademie sind sehr zu begrüßen. Zugleich erscheint es wichtig, daß hetero-, homo- und transsexuelle KollegenInnen sich verstärkt mit diesen Themen beschäftigen – im Rahmen von Fall- und Theorieseminaren, Diskussionsveranstaltungen und Foren ebenso wie in Vorträgen und Veröffentlichungen. Nur auf diese Weise wird es möglich sein, daß sich bewußte, vor- und unbewußte Vorbehalte, Vorurteile, Ängste und daraus resultierende Projektionen verändern und die Psychoanalyse auch auf diesem Gebiet ihrer aufklärerisch-emanzipatorischen Haltung gerecht wird.

Anders als etwa in den USA wurden im deutschsprachigen Raum bislang nur wenige neuere Arbeiten über die homosexuelle Entwicklung und spezielle Übertragungskonstellationen publiziert oder in Vorträgen zum Thema gemacht (vgl. Stakelbeck & Frank 2006). Auch deshalb möchte ich auf eine aktuelle Arbeit eines Kollegen der Akademie hinweisen:

Schon, L. (2016): Homophobie und Heterophobie – Schwierigkeiten unterschiedlicher psychosexueller Konstellationen des analytischen Paars. Journal für Psychoanalyse. Ausgabe 57, 2016: 66-81

Der Beitrag ist online verfügbar: www.psychoanalyse-journal.ch/article/view/jfp.57.5/261. Das gilt auch für die anderen Beiträge des Schwerpunktheftes des schweizerischen Journals für Psychoanalyse (Psychoanalytisches Seminar Zürich) zum Thema:

"(K)ein Grund zur Homosexualität: Ein Plädoyer zum Verzicht auf psychogenetische Erklärungsversuche von homosexuellen, heterosexuellen und anderen Orientierungen."

Ermann und Stakelbeck haben weitere aktuelle Arbeiten im Forum der Psychoanalyse (2017, Heft 1) vorgelegt:

Ermann, M. (2017): Männliche Homosexuelle in der psychoanalytischen Ausbildung. Die Institution, der Kandidat und seine Patient(inn)en.

Stakelbeck, F. (2017): Ausgeschlagenes Erbe. Der vollständige Ödipuskomplex und das Homosexualitätstabu

ψ ψ ψ

Dr. phil. Dipl.-Psych. Lothar Schon (Jahrgang 1963) ist am 26.03.2017 mit 53 Jahren unvermittelt aus dem Leben gerissen worden – kurz nach Fertigstellung dieses Beitrags – über den ich auch mehrfach mit ihm gesprochen habe.

Er hat sich in vielfältiger Weise und mit großem Einsatz in und außerhalb der Akademie für die Psychoanalyse engagiert. Überregional wurde er auch als Autor bekannt, so u.a. mit seinem Klassiker über die frühe Triangulierung (Kohlhammer 1995: Entwicklung des Beziehungsdreiecks Vater-Mutter-Kind) und dem 2002 bei Klett-Cotta erschienenen Buch: Sehnsucht nach dem Vater (2. Aufl. 2010).

Viele von uns/Ihnen haben Lothar Schon mit seinem jugendlich-heiteren Charme, seiner aufgeschlossenen, umsichtigen, freundlichen und zugewandten Art als Kollegen und Freund kennen und schätzen gelernt. Mit seiner fachlichen Kompetenz (etwa in seinen Funktionen als Dozent, Supervisor, Lehranalytiker und Aus- und Weiterbildungsleiter ETH) insbesondere aber auch mit seinen ausgeprägten dialogischen und integrativen Fähigkeiten hinterläßt er eine ebenso große wie schmerzliche Lücke in der Akademie.

 

Vom Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie zur psychoanalytischen Institute-Landshaft Münchens

"Ein Konflikte um die Kandidatur eines früheren NS-Propagandisten zum Vorstandsmitglied erschütterte 1968 das Institut", "beendete die Selbstverständlich, mit der man das bisher Gewesene fortgesetzt hatte und zwang auch das Institut zur Auseinandersetzung mit der bis dahin verschwiegenen Anpassung im »Dritten Reich«". Was daraus entstand, beschreiben die Herausgeberinnen des Buches "Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche", die Herausgeberinnen Thea Bauriedl und Astrid Brundke, in ihrem Vorwort:

"In der Folge wurde dieses Institut zunehmend ein psychoanalytisches Institut, was sich auch in dem neuen Namen (…) ausdrückte (…). Kurz vor diesem offiziellen Bekenntnis zur Psychoanalyse hatten einige Institutsmitglieder, zum Teil zusammen mit Kolleginnen und Kollegen, die nach München zuzogen, drei neue Institute gegründet: das Alfred Adler Institut, die Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München der DPV (PAM) und die Münchener Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse (MAP). Vertreter dieser drei heutigen »Nachbarinstitute« haben die Darstellung ihrer jeweiligen Institutsgeschichte für diesen Band beigetragen. Das kann als Zeichen dafür angesehen werden, dass die lange Zeit des mehr oder weniger kritischen Nebeneinander-her-Lebens weitgehend beendet ist. Man interessiert sich wieder füreinander und kooperiert soweit es möglich ist." (Bauriedl & Brundke 2008: 8f)

Aus heutiger Sicht läßt sich sagen, daß dieser Weg konsequent weitergegangen wurde. Die fünf von der DGPT anerkannten Ausbildungsinstitute, davon drei Mitgliedsinstitute der VAKJP:

  • Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e. V. (Freies Institut in der DGPT & VAKJP; Gründung 1946)
  • Alfred Adler Institut für Individualpsychologie e.V. München(DGIP, DGPT & VAKJP; Gründung 1972)
  • C.G. Jung-Institut München e.V. (DGAP & DGPT; Gründung 1993)
  • Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse, MAP (Freies Institut in der DGPT & VAKJP; Gründung 1974)
  • Münchner Psychoanalytische Vereinigung, MPV (DPV & DGPT; Gründung 1973); bis Oktober 2014: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München e. V. (PAM) – Institut der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV); bis Sommer 2016

haben sich 2010 zum "Psychoanalytischen Forum München" (www.pfm-muenchen.de) zusammengeschlossen. Leider hat das DPV-Institut seinen Ausbildungsbetrieb mit Ende des Sommersemesters 2016 eingestellt und steht vor der Auflösung. Wir haben mit der MPV ein (zahlenmäßig) kleines, aber wichtiges und engagiertes Institut verloren.

Das PFM tritt dafür ein, die Gemeinsamkeiten, Stärken und Synergien, aber auch die Pluralität der wissenschaftlichen und institutsgebundenen Psychoanalyse in München deutlich zu machen und die fachliche Diskussion darüber anzuregen. Die Kooperation erstreckt sich insbesondere auf drei Gebiete:

  • Wissenschaftliche Veranstaltungen
  • Angebot institutsübergreifende Repetitorien zur Approbationsprüfung
  • Förderung der Psychoanalyse an den Hochschulen (Uni-Kontaktgruppe).

Inhaltlich konzentriert sich das PFM derzeit insbesondere auf folgende Bereiche:

  • Veranstaltungen zu ethischen Fragestellungen in der Psychotherapie
  • Veranstaltungen zur Berufspolitik (Berufspolitische Seminare & Berufsrecht)
  • Veranstaltungsreihe: Mit Erziehenden im Gespräch
  • Veranstaltungsreihe: Frühe Kindheit im Dialog.

Im Frühjahr 2016 hat das PFM erstmalig eine Frühjahrsakademie veranstaltet, die 2. Frühjahrsakademie findet im März 2017 statt: Sie richtet sich an Studierende von Universitäten und Wissenschaftlichen Hochschulen, ist aber auch für interessierte KollegInnen und Laien offen.

Von allen PFM-Instituten gesponsert wird die Veranstaltungsreihe: FreudsBAR München

https://www.facebook.com/Freuds-BAR-821134171236457

Schließlich bieten drei der Münchner PFM-Institute eine institutsübergreifende Aus- und Fortbildung in psychoanalytischer Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie (SKEPT) an.


Die Akademie in der Gegenwart

Gemäß der Satzung ist der Zweck des gemeinnützigen Vereins die Förderung der Aus- und Weiterbildung, die Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege und die Förderung der Wissenschaft und Forschung im Bereich der Psychoanalyse und Psychotherapie. (§ 2 Absatz 1 der Satzung).

Heute gehört die Akademie mit ca. 340 Mitgliedern (Stand 2016) und ca. 120 AusbildungsteilnehmerInnen (Stand 2016) – neben der MAP – zu den größten psychoanalytischen Instituten in der DGPT und Mitgliedsinstituten der VAKJP. Sie vereinigt unter ihrem Dach eine Reihe von Aus- und Weiterbildungen und Fortbildungen:

  • Aus- bzw. Weiterbildung zur/m PsychoanalytikerIn für Erwachsene bzw. Psychologischer/m PsychotherapeutIn (ETH)
  • Aus- bzw. Weiterbildung zur/m PsychoanalytikerIn für Kinder- und Jugendliche bzw. Kinder und JugendlichenpsychotherapeutIn (AKJP)
  • Aus- und Weiterbildung in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie (TP-Psychotherapie unverklammert) für die Bereiche Erwachsene (ab 2016) sowie Kinder und Jugendliche (ab 2017)
  • Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie (APT), seit Mai 2014 eine Abteilung der Akademie (vorher ein gemeinsames Projekt von Mitgliedern der MAP und der Akademie)
  • Weiterbildung in Gruppenanalyse (GA)
  • Weiterbildung in psychoanalytischer Paar- und Familientherapie (FTH)
  • Ärztliche Weiterbildung (AWP).

Weiter engagiert sich die Akademie in verschiedenen Veranstaltungs- und Fortbildungsreihen mit anderen Instituten des PFM bzw. Institutionen (Erziehende im Gespräch, Frühe Kindheit im Dialog, Film & Psychoanalyse).

Neben den Angeboten im Bereich der Lehre (Aus-, Weiter- und Fortbildung) werden regelmäßig Veranstaltungen mit auswärtigen ReferentInnen (aus dem In- und Ausland) sowie einmal jährlich ein interner "Akademietag" und eine Öffentliche Fortbildung angeboten.

Viele Informationen über die Akademie, Veranstaltungen und die Psychoanalyse werden seit 2014 auf der von Heidi Spanl und Florian Juen gestalteten Facebookseite Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München präsentiert:

www.facebook.com/Akademie-für-Psychoanalyse-und-Psychotherapie-München-eV-289895861202436.


70. Geburtstag der Akademie

Aus diesem Anlass fand am 9.04.16 eine Tagung (ca. 300 TeilnehmerInnen) mit anschließendem Fest im Literaturhaus München statt. Die vom Wissenschaftlichen Beirat (Wolfgang Mertens, Alexandra Scheil und Lucia Steinmetzer) in Abstimmung mit dem Geschäftsführenden und Erweiterten Vorstand konzipierte Tagung trug den Titel:

Psychoanalyse und Aufklärung. Ist die Aufklärung im 21. Jahrhundert noch zu retten?

Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Jürgen Thorwart, "70 Jahre Akademie – Nachdenken über eine schwierige Geschichte" folgten das Hauptreferat des Gastredners, Rolf Haubl und Beiträge von Akademiemitgliedern.

  • Rolf Haubl: Dialektik der Aufklärung in Moderne und Spätmoderne (Gastreferat)
  • Herbert Will & Andreas Hamburger: Wie hasst du‘s mit der Religion?
  • Andreas Herrmann & Jürgen Thorwart: Blinde Flecken in der psychoanalytischen Praxis: Behandlungsfehler und ethische Grenzverletzungen
  • Angelika Rothkegel & Thomas Stadler: Es ist nicht alles Gold, was glänzt
  • Agnes Schneider-Heine und Salek Kutschinski: Was bleibt vom Gold der Psychoanalyse? Bewusstseinsveränderung, transformative Prozesse und Zielvorstellungen in der Psychoanalyse Erwachsene
  • Tobias von Geiso und Elfi Freiberger: Jean Laplanche: “Die rätselhaften Botschaften des Anderen“ - Grenzen der Aufklärung in der Psychoanalyse?

Eine Vielzahl von Fotos und Dokumenten der 70-Jahr-Feier finden Mitglieder und Aus- und WeiterbildungsteilnehmerInnen im Intranet der Akademie.


Die Akademie und die Berufs- und Fachgesellschaften

Die Akademie ist ein von der DGPT und der VAKJP (Vereinigung der Analytischen Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen) anerkanntes Ausbildungsinstitut; im Unterschied zur DGPT ist die Akademie ein Mitglied in der VAKJP.

Über viele Jahre gehörte die Akademie der StäKo (Ständige Konferenz der Aus­bildungsstätten für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in der Bundesrepublik Deutschland) an. Nach deren Auflösung wurde die Akademie im Mai 2010 Mitglied der VAKJP. Von den 25 Mitgliedsinstituten, die die "Sektion Ausbildung" in der VAKJP bilden, sind drei in München (Akademie, MAP und AAI) angesiedelt (Stand 2016).

Über die DPG-AG München (Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft), entstanden aus dem von Fritz Riemann gegründeten Arbeitskreis, ist eine ordentliche (ETH) und affiliierte (KJP) Mitgliedschaft für ErwachsenenpsychoanalytikerInnen und KJP-PsychoanalytikerInnen möglich, wenn sie den Akademieabschluss erworben haben.


Die kinderanalytische Ausbildung an der Akademie

Zur interessanten und wichtigen Geschichte der kinderanalytischen Ausbildung einschließlich der entsprechenden berufspolitischen Implikationen liegt ein ebenso aufschlußreicher wie auch lesenswerter Beitrag von Astrid Brundke vor, auf den ich mich nachfolgend beziehe:

Die Geschichte der kinderanalytischen Ausbildung an der Münchner Akademie.

Der Ausbildungsgang für "Psychagogen" war ursprünglich von Felix Boehm in Berlin eingerichtet worden (er orientierte sich an der aus den USA stammenden Child-Giudence-Bewegung). Während sich in anderen Städten (Berlin, Stuttgart und Heidelberg) solche Ausbildungen bereits kurz nach dem Kriegsende zu etablieren begannen wurden in München (Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie) zunächst Fortbildungsangebote für pädagogische Berufe eingerichtet.

Zum Hintergrund der späten Einführung der Psychagogenausbildung im Münchner Institut: Leonhard Seif hatte sich bereits früh (Anfang der 1920er Jahre) aktiv in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien engagiert. Weil sich die Seif-Gruppe im Institut gegen die damals übliche Ausbildung in den drei Schulrichtungen wehrte und auf die individualpsychologische Basis pochte, war das Institut 1949 nicht bereit einen eigenen Ausbildungsgang einzurichten. Erst im Wintersemester 1965 startete dann der erste Psychagogen-Lehrgang.

In der DGPT hatte man sich 1956 gegen die Einführung einer "Vollausbildung" von KindertherapeutInnen entschieden, zehn Jahre später zeigte die Gesellschaft aber insoweit aufgeschlossen, als die Entwicklung der Psychagogen-Ausbildung in Richtung einer psychoanalytischen Behandlung anerkannt wurde – im Zusammenhang einer entsprechenden Institutsanfrage antwortete der DGPT-Vorstand, es sollte den PsychagogInnen überlassen werden, die Ausbildung so zu gestalten, daß eine Tätigkeit sowohl im sozialpädagogischen als auch analytischen Bereich möglich sei.

Bis zur Etablierung einer eigenständigen Ausbildung war die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ErwachsenentherapeutInnen vorbehalten, sie behandelten im Rahmen ihrer Ausbildung mindestens einen Kinderfall. Mit der Einführung der Ausbildung (1965) so sollten nun die PsychagogInnen, die "leichteren", die Mitglieder mit "Vollausbildung" die "schwereren" Fälle behandeln – eine Aufteilung, die in der Praxis nicht lange aufrechtzuerhalten war.

Die Psychagogen-Ausbildung war auf einen Zeitraum von vier Jahren ausgerichtet, das letzte Jahr in Form eines Berufspraktikums. Weder die spielte die damalige Forderung nach der Berücksichtigung der drei Schulen noch die Individualpsychologie eine besondere Rolle – deren VertreterInnen sich bereits aus dem Institut zurückgezogen hatten).

In den 70er Jahren vervielfachte sich die Zahl der AusbildungsteilnehmerInnen und bereits im Zuge der 1968er-Bewegung gab es Forderungen nach mehr Demokratie und Mitgestaltung sowie verstärkte Diskussionen über das historische Erbe des "Göring-Instituts". A. Brundke schreibt dazu:

"Die verständlichen und legitimen Wünsche danach, die ›authentische‹ Psychoanalyse kennenzulernen, die die Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben hatten und ihr im Institut einen gebührenden Platz zu verschaffen, hätten beinahe zur Ausgrenzung der Psychagogen geführt, denen anfangs ja die Entwicklung einer eindeutigen psychotherapeutisch-psychoanalytischen Identität von der DGPT verwehrt worden war. Nun drohte ihnen genau dies zum Verhängnis zu werden: Im Rahmen der Bestrebungen, dem Münchner Institut eine klare Struktur als psychoanalytische Ausbildungsstätte zu vermitteln, die in der Lage sein sollte, die Entwicklung einer ebensolchen beruflichen Identität zu ermöglichen, entstand die Idee, das Institut zu teilen (…)." (Brundke 2008c: 243)

Dieser von Johannes Grunert vertretene Vorschlag sah vor, zwei Einrichtungen zu schaffen: Eine, die sich wieder der eigentlichen Aufgabe, der Ausbildung von Erwachsenenpsychotherapeuten zuwenden sollte und eine, die sich unter dem Namen "Arbeitsstätte für Psychagogen-Ausbildung sowie für Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung e. V." der übrigen Aufgaben abnehmen sollte. Es ging ihm dabei u.a. auch um die bestehenden Machtstrukturen im Institut, die geprägt waren von einer kleinen Gruppe von Funktionären, welche DozentInnen, Lehranalytikerinnen (besonders der 2. Kategorie) nach freiem Ermessen ernennen würden. Mit der "2. Kategorie" waren nur für PsychagogInnen zugelassene, institutsintern berufene, LehranalytikerInnen gemeint (ebd.: 255, Anm. 7). Zwar hatte die 1953 gegründete Vereinigung Deutscher Psychagogen e.V., VDP (aus der dann 1975 die VAKJP wurde) gefordert, daß auch für Lehranalysen im Rahmen der Psychagogen-Ausbildung nur DGPT-anerkannte LehranalytikerInnen zum Einsatz kämen, das war aber von der DGPT abgelehnt worden.

Der Vorschlag Grunerts setzte sich nicht durch. Eine Reihe von Faktoren hatte aber dazu beigetragen, die Ausbildung als weniger qualifiziert einzustufen:

  • die fehlende akademische Vorbildung der KandidatInnen
  • die LehranalytikerInnen der "2. Kategorie"
  • und die Ausbildung der PsychagogInnen durch KandidatInnen der Erwachsenenausbildung – im Zuge der stark ansteigenden Bewerberzahlen.

Nicht nur an Ausbildungspersonal, auch an Räumlichkeiten fehlte es:

"Im Unterschied zu den ETh-Kandidaten mussten die Psychagogen-Kandidaten ihre Patienten in der in den Institutsräumen gelegenen Erziehungsberatungsstelle behandeln." (ebd.: 255, Anm. 8)

Bei dieser sogenannten "Spielzimmer-Diskussion" wurde überlegt,

"ob man auch den Psychagogen in Ausbildung die Möglichkeit gewähren sollte, in eigenen Räumen zu praktizieren. Ängste vor einem empfindlichen Qualitätsverlust der Ausbildung wurden laut, da die Freiheit im eigenen Therapiezimmer zu arbeiten zu können, keine »Kontrolle« mehr über die Kandidaten ermögliche, Befürchtungen wurden geäußert, das Institut vernachlässige seine »Aufsichtspflicht« über die Kandidaten und Mutmaßungen wurden angestellt, die Bestimmungen der Stäko, die der »Überwachung« der Ausbildungsstätten der Psychagogen diene, erlaubten eine solche Praxis nicht." (ebd. 245f)

Der neue Ausbildungsleiter Prof. Dr. Kurt Singer (von 1974-80) setzte sich letztlich mit der Argumentation durch, die Qualität der Therapien werde nicht durch die Behandlung in Institutsräumen, sondern durch die Supervision gewährleistet und wies auf die analoge – und nicht diskutierte – Praxis in der Erwachsenenausbildung hin.

Die folgenden Jahre waren von Bestrebungen bestimmt, die Ausbildung zu professionalisieren. Neben inhaltlichen und didaktischen Veränderungen führte K. Singer 1974 eine neue Ausbildungsordnung zur Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (KJP) ein.

Da er im letzten Jahr seiner Amtszeit die Leiterin der Erziehungsberatungsstelle, Susanne Rupp, an der Abteilungsleitung beteiligte, die ihrerseits als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin kein Mitglied der Akademie werden konnte, stellte sich die schon länger diskutierte Frage der Mitgliedschaft nun drängender:

Nach langer kontroverser Diskussion mit der Führungsebene des Vereins, die auf die fehlende akademisch Vorbildung, unterschiedliche Regelungen und die damit verbundene Gefahr einer Herabstufung zum Heilhilfsberuf, auf gewachsene Strukturen (noch kein DGPT-Institut habe KJP als ordentliche Mitglieder aufgenommen) und das zu erwartende Psychotherapeutengesetz verwies, würde 1979 die assoziierte Mitgliedschaft eingerichtet und im folgenden Jahr 24 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten als assoziierte Mitglieder gewählt (ebd.: 248).

Auch die Nachfolgerin von Kurt Singer, Dr. med. Claudia Sies beteiligte Susanne Rupp an der Ausbildungsleitung, die sich dann vier Jahre später 1980 gegen eine Kandidatin aus der Erwachsenenabteilung durchsetzte und mit den Stimmen der wahlberechtigten Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen mit klarer Mehrheit zur Ausbildungsleitung gewählt wurde. Aus ihrer eigenen Sicht wurde damit

"an der Münchner Ausbildungsstätte ein berufspolitischer und zugleich emanzipatorischer Markstein gesetzt, dem andere Ausbildungsinstitute bald folgen sollten" (Rupp 1996 zit. nach ebd.: 249).

Im Zusammenhang finanzieller Nöte und des dadurch erforderlichen Sparkurses der KJP-Abteilung kam die Frage auf, weshalb alle Opfer bringen sollten, jedoch nicht alle über die gleichen Rechte verfügten – eine ordentliche Mitgliedschaft der KJP. Die diesbezüglich angefragte DGPT (damaliger Vorsitzender: Carl Nedelmann) beschied 1985 der Akademie, sie dürfe sich bei einer entsprechenden Satzungsänderung nicht auf die DGPT berufen. Zwei Jahre später sah sie die Anerkennung als DGPT-Institut dadurch "nicht so sehr […] durch die Mitgliedschaft von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten tangiert, da es sich hier um eine psychoanalytische […] Weiterbildung handelt" (Schmitt/Schwarz, 29.05.1987 zit. nach ebd.: 250).

Erst nach Ende der Amtszeit von Rupp – und vielen Diskussionen und Veranstaltungen, bei denen sie für die Unteilbarkeit der Psychoanalyse plädiert hatte – wurde Ende 1991 eine entsprechende Satzungsänderung mit großer Mehrheit von der Mitgliederversammlung verabschiedet. Jedoch, so schreibt Brundke:

"Keineswegs zu Ende war die Phase der fortgesetzten, fachlichen Profilierung, die mit den auf Susanne Rupp folgenden Ausbildungsleitern Schneider-Henn, Fuchs und Stadler fortgesetzt wurde." (ebd.: 251f)


Die Akademie als Freies Institut in der DGPT (Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie)

Anmerkung:

Der nachfolgende Abschnitt über die Freien Institute berücksichtigt auch eigene Recherchen und Erfahrungen in meiner Funktion als von der Akademie gewählter DGPT-Beiratsdelegierter (ab Mai 2009) und Sprecher der Freien Institute (September 2011, ab September 2013 als 1. Sprecher).

Die Gesellschaft ist ein gemischter Verband (Ärztliche PsychotherapeutInnen, Psychologische PsychotherapeutInnen und die Gruppe der sogenannten 'LaienanalytikerInnen') und besteht seit einigen Jahren auschließlich aus Einzelmitgliedern, ganz überwiegend nach den Standards der DGPT ausgebildeten PsychoanalytikerInnen (ca. 3.500 Mitglieder).

Bereits bei der Gründungstagung der DGPT (am 18.9.1950 in Braunschweig) war die Akademie (damals Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie) mit ihrem Vorsitzenden Seitz vertreten.

1957 bestanden sechs Ausbildungsinstitute in der DGPT:

  • das Institut für Psychotherapie, Berlin (Baumeyer),
  • das Berliner Psychoanalytische Institut (Scheunert),
  • das Institut für Psychotherapie e. V., Göttingen (Schwidder),
  • die Abteilung für psychosomatische Medizin, Heidelberg (Mitscherlich),
  • das Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie, München (Seitz) sowie
  • das Institut für Psychotherapie und Tiefenpsychologie, Stuttgart (Brocher).

Der DGPT gehören derzeit 56 Ausbildungsinstitute in der gesamten Bundesrepublik an (Stand 2016), die im Gesellschaftsgefüge formal über ihre Delegierten im Beirat vertreten sind. Die analytischen Fachgesellschaften

  • Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychologie (DGAP)
  • Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie (DGIP)
  • Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG)
  • Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV)

sowie die Gruppe der

  • Freien Institute

sind im Erweiterten Vorstand mit jeweils einer/m VertreterIn repräsentiert. Die Freien Institute stellten bislang – aufgrund ihrer Heterogenität – drei VertreterInnen bzw. SprecherInnen. In der Mitgliederversammlung der DGPT am 2.10.2015 wurde – nach längeren Vorarbeiten zwischen dem Sprecher der Freien Institute und der Justiziarin der DGPT (Birgitta Lochner) – eine Satzungsänderung beschlossen: Künftig werden die Delegierten der Freien Institute im Erweiterten Vorstand der DGPT nicht mehr wie bisher in der Mitgliederversammlung (von allen Mitgliedern der DGPT) gewählt, sondern, analog dem Verfahren bei den Fachgesellschaften, von den Freien Instituten in den EV-DGPT entsandt (Satzung § 11 Ziff 1.2). Damit werden die VertreterInnen der Freien Institute nun auch im Beirat der DGPT eigens eingeladen (Satzung § 12 Ziff. 1).

Im Rahmen einer grundlegenden Satzungsreform (bei der außerordentlichen DGPT-Mitgliederversammlung im März 2017) stellen die Freien Institute, die sich künftig als Netzwerk Freie Institute für Psychoanalyse und Psychotherapie verstehen, ebenfalls nur noch eine/n VertreterIn im Erweiterten Vorstand, für einen begrenzten Zeitraum ist die Kooptierung einer/s zweiten Sprecherin/s vorgesehen.

Die Freien Institute sind mit 20 Instituten die größte Institutsgruppe und repräsentieren (mit etwa 1.900 Einzelmitgliedern) mehr als die Hälfte der 3.500 Mitglieder der DGPT, insbesondere aber stellen sie auch die weit überwiegende Mehrheit der AusbildungsteilnehmerInnen in der DGPT (Stand 2016). Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, daß viele Mitglieder der Freien Institute zugleich auch Mitglied in einer Fachgesellschaft und nicht alle Mitglieder der von der DGPT anerkannten Institute sind auch DGPT-Mitglieder.


Das Freie Institut Akademie

Der Umstand, daß sich die Akademie keiner Fachgesellschaft zuwandte und so ein Freies Institut blieb ist als historischer Prozeß zu verstehen. Fritz Bittner, der 1945 nach München kam, galt lange Zeit als einziger Vertreter der Freudschen Psychoanalyse. Er hatte seine Ausbildung am Berliner Institut gemacht bekam für seine Examensarbeit 1936 (zusammen mit einem Kollegen aus Chicago) einen Preis der IPV (Internationale Psychoanalytische Vereinigung) verliehen .

Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus gründete sich die 1938 aus der IPV ausgetretene Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG) 1946 unter Leitung von Carl Müller-Braunschweig neu. Zur Aufnahme in die IPV kam es jedoch nicht, weil die von Schulz-Henckes Neopsychoanalyse geprägte Lehre in der DPG von der Leitung der IPV als nicht akzeptabel angesehen wurde: Sein Ausschluß aus der DPG wurde zur Bedingung einer Mitgliedschaft der DPG in der IPV. Da Schulz-Hencke sich weigerte auszutreten und ein Auschluß von Seiten der DPG nicht erfolgte, gründete Müller-Braunschweig 1950 mit acht weiteren ehemaligen Mitgliedern der DPG die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV), die 1951 in die IPV aufgenommen wurde. Müller-Braunschweig versuchte erfolglos Riemann (seinen früheren Kontrollanalysanden) für die IPV zugewinnen. Bei einem weiteren Versuch (1952) lud er ihn ein, "ein Referat zu halten, in dem dieser seine psychoanalytische Kompetenz und Theorietreue demonstrieren sollte. Riemann lehnte ab" (Bauriedl 2008: 140). Auch Müller-Braunschweigs Nachfolger, Gerhard Scheunert, scheiterte mit weiteren Versuchen, ihm den Weg in die IPV zu ermöglichen. Ganz offensichtlich blieb er seinem Lehranalytiker (Schultz-Hencke) gegenüber loyal. Als Riemann dann im Mai 1958 auf der DPG-Jahresversammlung für ihn selbst überraschend in den DPG-Vorstand gewählt wurde, war eine Mitgliedschaft in der IPV kaum noch denkbar. Die Akademie scheint in die damaligen Vorgänge nicht einbezogen gewesen zu sein, allerdings hatte Riemann auf Bitten zuvor über die Situation am Münchner Ausbildungsinstitut berichtet und dabei die große Zahl von Lehranalysanden (im Verhältnis zu den 11 Vertretern anderer Schulen) erwähnt.

Im Unterschied zur DPV, die 1951 wieder in die IPV aufgenommen wurde, erhielt die DPG erst 2001 in Nizza durch ein besonderes Procedere zunächst die IPV-Mitgliedschaft als "IPA Executive Council Provisional Society" und wurde dann 2009 in Chicago als Zweiggesellschaft der IPV anerkannt.

Daß die Akademie bis heute ein Freies Institut in der DGPT ist, steht auch im Kontext der historisch bedingten Spaltung der Psychoanalyse in zwei Fachgesellschaften (DPG und DPV) und der Vorgänge des Münchner Instituts.

Als 'Gründervater' der psychoanalytischen Gruppe am damaligen Institut in München konnte sich Riemann – vermutlich auf dem Hintergrund seiner Loyalität gegenüber seinem Lehranalytiker Schulz-Hencke, der Weigerung der IPV, die DPG wieder als Zweiggesellschaft aufzunehmen und der Kränkung über die Aufnahmeprozedur – nicht mit der DPV anfreunden. Einen Aufnahmevortrag (IPV-Mitgliedschaft) lehnte er ab und ließ sich 1958 in den Vorstand der DPG wählen – damit war für die DPV 'verloren'. Wie Schelkopf in dieser Zeit (1969) schreibt, glaubte Riemann "in seiner politischen Unbefangenheit (…) gerade jetzt besonders geeignet zu sein, vermittelnd zwischen den beiden Gruppen auftreten zu können. Diese Erwartungsvorstellung war illusionär." (Schelkopf 1969: 204). Riemann war nie Vorsitzender der Akademie, jedoch über lange Zeit berufspolitisch engagiert (u.a. war er auch Gründungsmitglied der DGPT), zog sich dann jedoch mehr und mehr aus den – so Schelkopf – "widerwillig übernommenen Verbandsgeschäften" zurück (ebd. 205). Vermutlich hat es noch mehr mit einem von Grunert beleuchteten Aspekt zu tun: Riemann hatte sich bereits früh (während seiner Ausbildung) für eine "synoptisch orientierte Institution und eine amalgamierte Psychoanalyse" entschieden" (Grunert 2008: 226) und kritisierte bzw. lehnte die sogenannte orthodoxe Psychoanalyse mit ihrer Intoleranz, Engstirnigkeit, Sterilität, ihrem Mechanismus und ihrem Dogmatismus ab (ebd. 227). Auch Freud stand er kritisch gegenüber und sah neben "aller Genialität deutliche Anzeichen von Starre und Intoleranz" (Riemann 1973: 371). Insoweit erscheint es wenig verwunderlich, daß er keinen Versuch unternahm, 'sein' Institut an eine der Fachgesellschaften (damals DPG und DPV) 'anzubinden'. Die von ihm auf Bitte der DPG (Vorsitzender: Schwidder) 1959 gegründete DPG-Ortsgruppe in München, die bis heute als DPG-Arbeitsgruppe München besteht (www.dpg-ag-muenchen.de) scheint insoweit ein logischer Schritt. Dort fanden sich eine Reihe von Akademiemitgliedern zusammen.

Ende der 1980er (unter den damaligen DPG-Vorsitzenden Michael Ermann) und Ende 1990er Jahre (Vorsitzender war Jürgen Körner) ging die DPG auf die Akademie zu, um die Möglichkeit einer Mitgliedschaft der Akademie in der DPG zu eruieren. Mit Jürgen Körner fand eine Veranstaltung in der Akademie zu diesem Thema statt, in deren Folge eine Arbeitsgruppe Akademie-DPG gegründet wurde, die Michael Jeron einberief und auch leitete. Die Arbeitsgruppe befaßte sich u. a. mit den Unterschieden der Satzungen und Ausbildungsordnungen. Bereits an der Zahl der damaligen Mitglieder (DPG ca. 740 Mitglieder, Akademie ca. 400 Mitglieder) wurde deutlich, daß die Akademie angesichts ihrer Mitgliederzahl und ihrem breitem inhaltlichen Spektrum in gewisser Weise eine lokale Fachgesellschaft darstellte. Auch galt die DPG in den 1980er und 1990er Jahren bei einigen KollegInnen nicht als 'Hort' der 'reinen Psychoanalyse', welche an der Akademie angestrebt wurde.

In der Folge fanden weiter Abendveranstaltungen und eine Vorstandssitzung mit dem DPG-Vorstand (mit dem damaligen Vorsitzenden Franz Wellendorf statt) statt.

Die Mitgliedschaft in der DPG hätte den insbesondere den Vorteil einer überregionalen und internationalen Öffnung bzw. Anbindung mit sich gebracht. Aber ungeachtet verschiedentlicher Zugeständnisse von Seiten der Fachgesellschaft war den Mitgliedern der Preis einer Institutsmitgliedschaft in der DPG zu hoch: Die autonome Ernennung der LehranalytikerInnen durch das Institut war bedroht und in den Gremien wäre es zu einer Dominanz der DPG-Mitglieder gekommen. Insbesondere hätte aber eine Spaltung des Instituts gedroht, weil die Kinder- und JugendlichenanalytikerInnen ihre ordentliche Mitgliedschaft verloren hätten, die sie erst nach langen institutsinternen Auseinandersetzungen 1991 erkämpft hatten (vgl. Brundke 2008c). Ein 'Institut im Institut' wurde von der Mehrheit der Mitgliedern abgelehnt. Deshalb votieren die Mitglieder mit großer Mehrheit gegen eine Fortsetzung der Gespräche mit der DPG.

Jedoch kam es zu einer Annäherung zwischen Akademie und DPG-Arbeitsgruppe. Dabei wurde u. a. das schwierige Verhältnis zwischen Erwachsenen- und Kinderanalyse (bzw. Erwachsenen und Kinder- und JugendlichenanalytikerInnen) angesprochen. Aus den Gesprächen, die auch zum Abbau von Vorurteilen und Entwertungen beitrugen ging auch ein gemeinsames Forum beider Organisationen hervor und die Vereinbarung der Kontaktaufnahme zwischen DPG-Arbeitsgruppe und den Aus- und WeiterbildungsteilnehmerInnen.


Die Freien Institute – das Netzwerk Freie Institute für Psychoanalyse und Psychotherapie in der Gegenwart

Die gegenwärtige Situation der Freien Institute (in der DGPT) ist komplex und wenig übersichtlich: Bereits die Tatsache, daß ein erheblicher Teil dieser Institute auch aus Mitgliedern besteht, die nicht Mitglied der DGPT werden können (Kinder- und JugendlichenanalytikerInnen) verdeutlich die Heterogenität der verschiedenen institutionellen Strukturen. Das betrifft aber auch solche Mitglieder, die nicht in die DGPT eingetreten sind bzw. eintreten wollen, Mitglieder, die sowohl der DGPT, wie auch einer der Fachgesellschaften (DPV, DPG, DGAP, DGIP) beigetreten und schließlich diejenigen, die 'nur' einer Fachgesellschaft beigetreten sind.

Bereits seit Jahren bemühen sich die von den Freien Instituten gewählten Beiratsdelegierten (und den von Ihnen gewählten SprecherInnen) die Freien Institute professioneller zu organisieren. An dieser beschwerlichen Arbeit waren in den letzten Jahren – neben vielen anderen – Wolfgang Holitzner, Beate Unruh und vor allem seit Beginn an und über viele hinweg Jahre hinweg Erich Limmer (Würzburg) als SprecherInnen beteiligt.

Das unser Bemühen Früchte getragen hat ist u.a. auch am Auftritt der Freien Institute auf der Webseite der DPT zu sehen ist:

www.dgpt.de/die-gesellschaft/fachgesellschaften-freie-institute/freie-institute-in-der-dgpt/

Inzwischen haben sich einige Strukturen etabliert, so die

  • Arbeitsgemeinschaft der Beiratdelegierten (dreimal jährlich)
  • Konferenzen (offen für alle Mitglieder der Freien Institute)
  • Arbeitstagungen (einmal jährlich)
  • Fallkonferenzen (einmal jährlich)
  • Intervisionsgruppen (überregional) für LehranalytikerInnen.

Einen Überblick über die Organisationsstrukturen findet sich in unserem Organigramm (Stand 2016 - Link folgt!).

Eine wichtiger Meilenstein war die Wahl von Beate Unruh (MAP/Freies Institut) als Vorstandsmitglied der DGPT, nachdem sie zwei Jahre zuvor noch die Wahl gegen Bernhard Janta (DPG) – unter merkwürdigen Umständen – verloren hatte. Seit 2015 (bis Herbst 2017) ist sie Vorsitzende der DGPT. Das war insofern auch fachpolitisch-inhaltlich von Bedeutung, als die die von den Freien Instituten schon vor Jahren angestrebte Integration der KollegInnen mit einer tiefenpsychologisch fundierten Aus- Weiterbildung vorantrieb. Diese konnten lediglich die affiliierte Mitgliedschaft erwerben. Ab 2017 werden die Aus- und Weiterbildungsrichtlinien und die Satzung der DGPT dahingehend verändert, daß eine entsprechende Aus- bzw. Weiterbildung absolviert werden kann, die dann auch zur ordentlichen Mitgliedschaft in der DGPT führt.

Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Freien Institute bleiben dennoch viele Fragen offen. Der Plan einen Verein zu gründen (bestehend aus den Freien Instituten) ist am Widerstand der DGPT (Berufspolitisches Seminar 2016) gescheitert, weil viele KollegInnen mit einem (institutionellen) 'Verein im Verein" die Gefahr einer Spaltung der DGPT sahen – die Fachgesellschaften sind Mitgliedervereine.

Daher finden seit 2016 Verhandlungen mit dem Vorstand statt mit dem Ziel einer Klärung der Frage, in welcher Weise die Gruppe der Freien Institute ihre Anliegen in der DGPT in angemessener Weise vertreten kann. Bereits geeinigt haben sich die Delegierten der Freien Institute auf einen neuen Namen

Netzwerk Freie Institute für Psychoanalyse und Psychotherapie

sowie eine Erhöhung der Umlage für den Haushalt des Netzwerks.


Literatur

Anmerkung:

Alle im Text erwähnten Fakten beruhen auf den nachfolgenden Quellen (im Einzelfall gebe ich gerne Auskunft dazu); nicht alle Quellen sind aber unmittelbar in den Text eingeflossen.

  • Andreas-Friedrich, R (1947/2000): Der Schattenmann. Tagebuchaufzeichnungen von Ruth Andreas-Friedrich 1938-1948. Berlin: Suhrkamp. Suhrkamp Taschenbuchverlag 1. Aufl. 2000
  • Bauriedl, T. (2008): Auf der Suche nach den Spuren der Väter – eine kritische Analyse. In: Bauriedl, T. & Brundke, A. (Hrsg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 111-191
  • Bauriedl, T. & Brundke, A. (2008): Vorwort. In: Bauriedl, T. & Brundke, A. (Hrsg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 7-9
  • Becken, J. (2008): AOK Berlin. Von der Ortskrankenkasse zur Gesundheitskasse - Ein Stück gelebte Sozialgeschichte. Berlin: Bebra-Verlag
  • Bittner, W. (1973): Wilhelm Bittner. In: L. J. Pongratz (Hg.): Psychotherapie in Selbstdarstellungen. Bern: Huber, 34-74
  • Brockhaus, G. (1989): "Seelenführung, aus den Mächten des Blutes gespeist ..." Psychotherapie und Nationalsozialismus. In: Heiner Keupp/ Helga Bilden (Hrsg.): Verunsicherungen. Das Subjekt im gesellschaftlichen Wandel. Göttingen: Hogrefe, 153-183
  • Brockhaus, G. (1998): Zur Psychologie der Faschismusanfälligkeit am Beispiel der "Deutschen Seelenheilkunde". In: Klaus Weber (Hrsg.): Unterstellte Subjekte. Der Beitrag der deutschen Psychologie zur Faschisierung der Subjekte. Berlin: Argument, 16-61
  • Bruder-Bezzel, A. (1991): Geschichte der Individualpsychologie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2. neubearbeitete Aufl.
  • Brundke, A. (2008a): Psychotherapie ohne Freud? Eine Spurensuche in München. In: Bauriedl, T. & Brundke, A. (Hrsg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 17-109
  • Brundke, A. (2008b): Vom überzeugten Nationalsozialisten zum Psychoanalytiker Anton Schelkopfs »Entnazifizierung« und seine Karriere im Institut. In: Bauriedl, T. & Brundke, A. (Hrsg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 343-359
  • Brundke, A. (2008c): Die Geschichte der kinderanalytischen Ausbildung an der Münchner Akademie. In: Bauriedl, T. & Brundke, A. (Hrsg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 239-255
  • Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule im Gesundheitswesen (1985): Kritische Glosse. Psychoanalyse in Psychoanalyse in Schwulitäten. Psyche 39, Heft 6: 553-560
  • Cremerius, J. (1992): Die Zukunft der Psychoanalyse. In: M. Kuster (Hrsg.): Entfernte Wahrheit. Von der Endlichkeit der Psychoanalyse. Tübingen: edition diskord, 63-84
  • Cremerius, J. (1994): Psychoanalyse als Beruf oder "Zieh' aus mein Herz und suche Freud". In: L. M. Hermanns (Hrsg.): Psychoanalyse in Selbstdarstellungen II. Tübingen: edition diskord, 73-144
  • Cremerius, J. (2006): Ein Leben als Psychoanalytiker in Deutschland (hrsg. v. W. Mauser unter Mitwirkung v. A. Lange-Kirchheim, J. Pfeiffer, C. Pietzcker und P. Strasser). Würzburg: Königshausen und Neumann (Das Buch ist leider vergriffen, wird nach Verlagsangaben nicht neu aufgelegt und wird im Antiquariat mit unzumutbar hohen Preisen gehandelt – es kann beim Verfasser ausgeliehen werden.)
  • Dittrich, K. (1995): Fritz Riemann und Fritz Friedmann - zur Nachkriegsgeschichte des Münchner Psychoanalytischen Instituts. Luzifer-Amor 8 (16), 66-76
  • Dührssen, A. (1971): Zum 25 jährigen Bestehen des Instituts für psychogene Erkrankungen der Allgemeinen Ortskrankenkasse Berlin. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychoanalyse, Vol 17 (Nr. 1): 21-41
  • Ermann, M. (2017): Männliche Homosexuelle in der psychoanalytischen Ausbildung. Die Institution, der Kandidat und seine Patient(inn)en. Forum der Psychoanalyse 33 (Heft 1): 99-108
  • Freud, S. (1905d): Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. GW V, 33-145
  • Freud, S. (1951): Letter to an american mother. 9 April 1935. American Journal Psychiatry (Heft 10)107: 786-787
  • Freud, S. (1968): Briefe 1873-1939. Frankfurt/M.: Fischer 1968
  • Gröner, H. (2008): Individualpsychologie in München. In: Bauriedl, T.; Brundke, A. (Hg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 257-285
  • Grunert, J. (2008): Zur Geschichte der Psychoanalyse in München. In: Bauriedl, T.; Brundke, A. (Hg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 193-238 (unveränderter Abdruck des in der Psyche erschienenen Aufsatzes. Psyche 38: 865-904)
  • Herzog, D. (2015): Die bemerkenswerte Beständigkeit der Homophobie in der Psychoanalyse. Analytische Psychologie (4/2015) 46: 415-437
  • Huppke, A. (2014): Geschichte der Freien Institute – Ergebnisse einer Umfrage. Vortrag bei der 13. Arbeitstagung der Freien Institute vom 21.-23. März 2014 in Berlin: Psychoanalytische Ausbildung im Wandel. Die Autorin hat der Veröffentlichung ihres Vortrags auf der Seite der Akademie freundlicherweise zugestimmt (Link folgt!)
  • Köhler, L. (1998): "Umsonst war's nicht". Bericht einer betroffenen Zeitzeugin. In: Psychoanalyse in Selbstdarstellungen IV (hg. v. L. M. Hermanns). Tübingen: edition diskord, 165-230
  • Lockot, R. (2010): DPV und DPG auf dem dünnen Eis der DGPT. Zur Beziehungsgeschichte von Deutscher Psychoanalytischer Vereinigung (DPV) und Deutscher Psychoanalytischer Gesellschaft (DPG) innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie und Tiefenpsychologie (DGPT) bis 1967. Psyche 64, 2010, 1206–1242; online:
    www.dgpt.de/fileadmin/download/Geschichte_der_DGPT/DPV_DPG_DGPT_Lockot.pdf
  • Pabst, R. (2008): Die Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München e.V. (PAM) - Institut der DPV. Eine geschichtliche Skizze. In: Bauriedl, T.; Brundke, A. (Hg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 287-304
  • Peglau, A. (2015): Unpolitische Wissenschaft? Wilhelm Reich und die Psychoanalyse im Nationalsozialismus. Gießen. Psychosozial-Verlag, 2. durchgesehene und korrigierte Auflage 2015
  • Rauchfleisch, U. (1993): Homosexualität und psychoanalytische Ausbildung. Forum der Psychoanalyse 9 (Heft 4): 339-347
  • Riemann, F. (1973): Fritz Riemann. In: L. J. Pongratz (Hg.): Psychotherapie in Selbstdarstellungen. Bern: Huber, 346-376
  • Sandvoß, H.-R. (1986): Widerstand in Steglitz und Zahlendorf. Berlin: Felgentreff & Goebel
  • Schelkopf., A. (1969): Aspekte der Psychoanalyse. Fritz Riemann – Versuch einer Biographie. In: Aspekte der Psychoanalyse (Hg. v. A. Schelkopf und S. Elhardt). Göttingen: Verlag für Medizinische Psychologie im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 171-211
  • Schmidbauer, W. (2008): Zur Geschichte der MAP. In: Bauriedl, T.; Brundke, A. (Hg.): Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche. Gießen: Psychosozial-Verlag, 305-321
  • Stakelbeck, F. (2017): Ausgeschlagenes Erbe. Der vollständige Ödipuskomplex und das Homosexualitätstabu. Forum der Psychoanalyse 33 (Heft 1): 1-18
  • Stakelbeck, F. & Frank, U. (2006): Kommen die neuen psychoanalytischen Theorien zur männlichen Homosexualität nur noch aus Amerika? In: U. Biechele & P. Hammelstein, & T. Heinrich (Hg.): anders ver-rückt?! Lesben und Schwule in der Psychiatrie. Jahrbuch Lesben – Schwule – Psychologie 2006. Lengerich: Pabst, 121-137
  • Wolfradt, U. & Billmann-Mahecha, E. & Stock, A. [Hg.] (2014): Deutschsprachige Psychologinnen und Psychologen1933-1945: Ein Personenlexikon ergänzt um einen Text von Erich Stern. Wiesbaden: Springer, 399-400 (Felix Scherke)


Sonstige Quellen


Dokumente

  • Brundke, A., Dittrich,K., Hamburger, A., März, M., Peyerl, C. (1996) – unter Mitwirkung von Bauriedl T., von Borch-Posadowsky, A., Buchheim, P., Fuchs, G., Jeron, M., König, W. H., Schneider-Henn, K., Seilern und Ansprang, E. und Thiele, C.: Vom Reichsinstitut zur Akademie. Dokumente und Bilder zur Geschichte der Psychoanalyse in München. Ausstellung zur 50-Jahr-Feier der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie. Foyer im Kulturzentrum der Landeshauptstadt München am Gasteig
    Dokument als PDF anzeigen (12MB)
  • Huppke, A. (2014): Geschichte der Freien Institute – Ergebnisse einer Umfrage. Vortrag bei der 13. Arbeitstagung der Freien Institute vom 21.-23. März 2014 in Berlin: Psychoanalytische Ausbildung im Wandel.
    Dokument als PDF anzeigen
  • Office of Military Governement for Stadtkreis München, Rathaus Munich (8.2.1946): Bestätigung über die Anerkennung des Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie, München unter der Voraussetzung, daß Dr. Max Steger als Direktor fungiert (unterzeichnet von Major Douglas S. Throwell).
    Dokument als PDF anzeigen
  • Thorwart, J. (2016) "70 Jahre Akademie – Nachdenken über eine schwierige Geschichte" Begrüßungsrede des Vorsitzenden bei der Tagung anläßlich der 70-Jahr-Feier der Akademie am 9.04.2016 im Literaturhaus: Psychoanalyse und Aufklärung. Ist die Aufklärung im 21. Jahrhundert noch zu retten?
    Begrüßungsrede als PDF anzeigen
  • Thorwart, J. (2017): Organigramm der Freien Institute (in der DGPT).
    Organigramm als PDF anzeigen
  • Übersicht (2017): Vorsitzende der Akademie ab 1945
    • Artikel als PDF
    • Artikel drucken

    Veranstaltungskalender

    <<  Oktober 2017  >>
     Mo  Di  Mi  Do  Fr  Sa  So 
            1
      2  3  4  5  6  7  8
      9101112131415
    161719
    232425272829
    3031     

    Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V.