Die Akademie in der Gegenwart

"Ein Konflikte um die Kandidatur eines früheren NS-Propagandisten zum Vorstandsmitglied erschütterte 1968 das Institut. Dieser Konflikt beendete die Selbstverständlich, mit der man das bisher Gewesene weitgehend fortgesetzt hatte und zwang auch das Institut zur Auseinandersetzung mit der bis dahin verschwiegenen Anpassung im »Dritten Reich«."

 

Was daraus entstand, beschreiben die Herausgeberinnen des Buches "Psychoanalyse in München – Eine Spurensuche", Thea Bauriedl und Astrid Brundke, in ihrem Vorwort:

 

"In der Folge wurde dieses Institut zunehmend ein psychoanalytisches Institut, was sich auch in dem neuen Namen (…) ausdrückte (…). Kurz vor diesem offiziellen Bekenntnis zur Psychoanalyse hatten einige Institutsmitglieder, zum Teil zusammen mit Kolleginnen und Kollegen, die nach München zuzogen, drei neue Institute gegründet: das Alfred Adler Institut, die Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München der DPV (PAM) und die Münchener Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse (MAP). Vertreter dieser drei heutigen »Nachbarinstitute« haben die Darstellung ihrer jeweiligen Institutsgeschichte für diesen Band beigetragen. Das kann als Zeichen dafür angesehen werden, dass die lange Zeit des mehr oder weniger kritischen Nebeneinander-her-Lebens weitgehend beendet ist. Man interessiert sich wieder füreinander und kooperiert soweit es möglich ist." (Bauriedl & Brundke 2008: 8f)

 

Aus heutiger Sicht lässt sich sagen, dass dieser Weg konsequent weitergegangen wurde. Die fünf von der DGPT anerkannten Ausbildungsinstitute, davon drei Mitgliedsinstitute der VAKJP:

 

  • Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e. V. (Netzwerk Freie InstituteDGPT VAKJP; Gründung 1946)
  • Alfred Adler Institut für Individualpsychologie e.V. München(DGIPDGPT VAKJP; Gründung 1972)
  • C.G. Jung-Institut München e.V. (DGAP & DGPT; Gründung 1993)
  • Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse, MAP (Netzwerk Freie InstituteDGPT VAKJP; Gründung 1974)
  • Münchner Psychoanalytische Vereinigung, MPV (DPV & DGPT; Gründung 1973); bis Oktober 2014: Psychoanalytische Arbeitsgemeinschaft München e. V. (PAM) – Institut der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV)

 

haben sich 2010 zum "Psychoanalytischen Forum München" (www.pfm-muenchen.de) zusammengeschlossen. Nach mehreren schwerwiegenden ethischen Grenzverletzungen und daraufhin erfolgten Austritten von Mitgliedern und Lehrpersonal hat das DPV-Institut seinen Ausbildungsbetrieb mit Ende des Sommersemesters 2016 eingestellt und wurde aufgelöst. Wir haben mit der MPV ein (zahlenmäßig) kleines, aber wichtiges und engagiertes Institut verloren. Leider befindet sich inzwischen auch das C.G. Jung-Institut in Auflösung (Stand 2022). Eine jungianische (Zusatz-) Ausbildung ist nur noch im Rahmen der Ausbildung an der MAP möglich.

 

Das PFM tritt dafür ein, die Gemeinsamkeiten, Stärken und Synergien, aber auch die Pluralität der wissenschaftlichen und institutsgebundenen Psychoanalyse in München deutlich zu machen und die fachliche Diskussion darüber anzuregen. Die Kooperation erstreckt sich insbesondere auf drei Gebiete:

 

  • Wissenschaftliche Veranstaltungen
  • Angebot institutsübergreifende Repetitorien zur Approbationsprüfung
  • Förderung der Psychoanalyse an den Hochschulen (Uni-Kontaktgruppe).

 

Inhaltlich konzentriert sich das PFM derzeit insbesondere auf folgende Bereiche:

 

  • Veranstaltungen zu ethischen Fragestellungen in der Psychotherapie
  • Veranstaltungen zur Berufspolitik (Berufspolitische Seminare & Berufsrecht)
  • Veranstaltungsreihe: Mit Erziehenden im Gespräch
  • Veranstaltungsreihe: Frühe Kindheit im Dialog.

 

Im Frühjahr 2016 hat das PFM erstmalig eine Frühjahrsakademie veranstaltet, die 2. Frühjahrsakademie fand im März 2017 und die 3. Frühjahrsakademie im April 2019 statt.  Die Veranstaltungen richteten sich an Studierende von Universitäten und Wissenschaftlichen Hochschulen, sind aber auch für interessierte Kolleg*innen und Laien offen.

 

Von allen PFM-Instituten gesponsert wird die Veranstaltungsreihe: FreudsBAR München

 

https://www.facebook.com/Freuds-BAR-821134171236457

 

Schließlich bieten drei der Münchner PFM-Institute, darunter die Akademie, eine institutsübergreifende Aus- und Fortbildung in psychoanalytischer Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie (SKEPT) an.

 

2021 haben die vier PFM-Institute (Akademie, AAI, CGIM und MAP) einen Verein gegründet: "Psychoanalytisches Forum München (PFM) e.V.". Mitglieder des Vereins können Personen werden, die dem Vorstand eines der Institute angehören, die im PFM zusammengeschlossen sind. Hintergrund der Vereinsgründung war die Problematik der steuerlichen und wirtschaftlichen Bewertung der Aktivitäten des PFM.

 

Gemäß der Satzung ist der Zweck des gemeinnützigen Vereins die Förderung der Aus- und Weiterbildung, die Förderung der öffentlichen Gesundheitspflege und die Förderung der Wissenschaft und Forschung im Bereich der Psychoanalyse und Psychotherapie. (§ 2 Absatz 1 der Satzung).

Heute (Stand 11/2022) gehört die Akademie mit ca. 350 Mitgliedern und ca. 180 Ausbildungsteilnehmer*innen (ca. 110 ETH und 75 AKJP) – neben der MAP – zu den größten psychoanalytischen Instituten in der DGPT und Mitgliedsinstituten der VAKJP. Sie vereinigt unter ihrem Dach eine Reihe von Aus- und Weiterbildungen und Fortbildungen:

 

  • Analytische Psychotherapie Erwachsene (ETH)
  • Tiefenpsychologische Psychotherapie Erwachsene (ETH)
  • Analytische Psychotherapie Kinder und Jugendliche (AKJP)
  • Tiefenpsychologische Psychotherapie Kinder und Jugendliche (AKJP)
  • Ärztliche Weiterbildung - die frühere eigenständige Abteilung wurde in die Abteilungen ETH und AKJP (mit ärztlicher Weiterbildungsleitung) integriert
  • Weiterbildung in Gruppenanalyse (GA) mit den Weiterbildungsgängen I (Analytische Gruppentherapie) und II (Gruppenanalyse in Organisationen)
  • Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie (APT), seit Mai 2014 eine Abteilung der Akademie (vorher ein gemeinsames Projekt von Mitgliedern der MAP und der Akademie: Remmler, Schwarz, Lempa)
  • Überregionale Weiterbildungen in Psychoanalytischer Ausbildungssupervision (WPAS) und Psychoanalytischer Supervision (WPS), im Aufbau
  • Aus- und Fortbildung in psychoanalytischer Säuglings- Kleinkind-Eltern-Psychotherapie (SKEPT) im Rahmen des Münchener Ausbildungsverbund SKEPT 

 

Die Abteilung

 

  • Weiterbildung in psychoanalytischer Paar- und Familientherapie (FTH) 

 

mußte im Dezember 2018 wegen mangelnden Nachwuchses geschlossen werden.

 

Weiter engagiert sich die Akademie in verschiedenen Veranstaltungs- und Fortbildungsreihen mit anderen Instituten des PFM bzw. Institutionen (Erziehende im Gespräch, Frühe Kindheit im Dialog, Film & Psychoanalyse).

 

Neben den Angeboten im Bereich der Lehre (Aus-, Weiter- und Fortbildung) werden regelmäßig Veranstaltungen mit auswärtigen Referent*innen (aus dem In- und Ausland) sowie einmal jährlich ein interner "Akademietag" und eine Öffentliche Fortbildung angeboten. Letztere wurde über viele Jahre hinweg vom Leiter des Wissenschaftlichen Beitrats, Prof. Dr. Wolfgang Mertens, geleitet. 2021 übernahm Prof. Dr. Andreas Hamburger die Leitung.

 

Im Zuge der Diskussion über die (durch die Auflösung des DPV Instituts in München 2016 verlorengegangene) Zugangsmöglichkeit in München zur International Psychoanalytical Association/Internationale Psychoanalytische Vereinigung wurde in der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juli 2021 ein neues Referat "Internationale Psychoanalyse" begründet - das sich zwischenzeitlich in "Internationale Akademie" umbenannt hat (2022). Das Referat lädt seither mehrfach im Jahr international renommierte Kolleg*innen zu Vorträgen und Workshops in die Akademie ein.

 

Viele Informationen über die Akademie, Veranstaltungen und die Psychoanalyse werden seit 2014 auf der von Heidi Spanl und Florian Juen gestalteten Facebookseite "Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München" präsentiert:

 

www.facebook.com/Akademie-für-Psychoanalyse-und-Psychotherapie-München-eV-289895861202436.


Der 70. Geburtstag der Akademie

 

Aus diesem Anlass fand am 9.04.2016 eine Tagung (ca. 300 Teilnehmer*innen) mit anschließendem Fest im Literaturhaus München statt. Die vom Wissenschaftlichen Beirat (Wolfgang Mertens, Alexandra Scheil und Lucia Steinmetzer) in Abstimmung mit dem Geschäftsführenden und Erweiterten Vorstand konzipierte Tagung trug den Titel:

 

Psychoanalyse und Aufklärung. Ist die Aufklärung im 21. Jahrhundert noch zu retten?

 

Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden, Jürgen Thorwart, "70 Jahre Akademie – Nachdenken über eine schwierige Geschichte" (das Manuskript finden Sie unter "Dokumente") folgten das Hauptreferat des Gastreferenten, Rolf Haubl, und Beiträge von Akademiemitgliedern:

 

  • Rolf Haubl: Dialektik der Aufklärung in Moderne und Spätmoderne (Gastreferat)
  • Herbert Will & Andreas Hamburger: Wie hasst du‘s mit der Religion?
  • Andreas Herrmann & Jürgen Thorwart: Blinde Flecken in der psychoanalytischen Praxis: Behandlungsfehler und ethische Grenzverletzungen
  • Angelika Rothkegel & Thomas Stadler: Es ist nicht alles Gold, was glänzt
  • Agnes Schneider-Heine und Salek Kutschinski: Was bleibt vom Gold der Psychoanalyse? Bewusstseinsveränderung, transformative Prozesse und Zielvorstellungen in der Psychoanalyse Erwachsene
  • Tobias von Geiso und Elfi Freiberger: Jean Laplanche: "Die rätselhaften Botschaften des Anderen" - Grenzen der Aufklärung in der Psychoanalyse?

 

Eine Vielzahl von Fotos und Dokumenten der 70-Jahr-Feier finden Mitglieder und Aus- und Weiterbildungsteilnehmer*innen im Intranet der Akademie.


Die Akademie und die Berufs- und Fachgesellschaften

 

Die Akademie ist ein von der DGPT und der VAKJP (Vereinigung der Analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen) anerkanntes Aus- und Weiterbildungsinstitut; im Unterschied zur DGPT ist die Akademie ein Mitglied in der VAKJP Seit Ende 2019 besteht gemäß § 3 Abs. 4 der Satzung der DGPT die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft (ohne Stimmrecht in der Mitgliederversammlung) für die anerkannte DGPT-Institute, die Akademie hat sich zum Jahresbeginn 2020 dafür entschieden.

 

Über viele Jahre gehörte die Akademie der StäKo (Ständige Konferenz der Aus­bildungsstätten für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in der Bundesrepublik Deutschland) an. Infolge der Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes 1999, das die Anforderungen an die Ausbildung zur/zum Psychologischen Psychotherapeutin/en und zur/zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin/en festgelegt, erübrigte sich die StäKo als eigenständige Organisation, blieb aber ein wichtiges Organ für die kinderanalytischen Institute. Da sich berufspolitische Aufgaben und ausbildungsrelevanten Themen zunehmend mehr verschränkten, "wurde ab 2005 eine Vertreterin der StäKo in den Vorstand der VAKJP entsandt. Im November 2011 wurde die Stäko schließlich in Sektion Ausbildung in der VAKJP umbenannt und in die VAKJP integriert" (vgl. www.vakjp.de). Nach deren Auflösung wurde die Akademie im Mai 2010 Mitglied der VAKJP. Von den 25 Mitgliedsinstituten, die die "Sektion Ausbildung" in der VAKJP bilden, sind drei in München (Akademie, MAP und AAI) angesiedelt (Stand 2022).

 

Über die, aus dem von Fritz Riemann gegründeten Arbeitskreis entstandene, DPG-AG München (Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft, Arbeitsgruppe München), ist eine ordentliche Mitgliedschaft für Erwachsenenanalytiker*innen und eine affiliierte Mitgliedschaft für Kinderanalytiker*innen in der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft möglich, wenn sie den Akademieabschluss erworben haben.


Die kinderanalytische Ausbildung an der Akademie

 

Zur interessanten und wichtigen Geschichte der kinderanalytischen Ausbildung einschließlich der entsprechenden berufspolitischen Implikationen liegt ein ebenso aufschlußreicher wie auch lesenswerter Beitrag von Astrid Brundke (2008c) vor, auf den ich mich nachfolgend beziehe.

 

Der Ausbildungsgang für "Psychagogen" war ursprünglich von Felix Boehm in Berlin eingerichtet worden (er orientierte sich an der aus den USA stammenden Child-Giudence-Bewegung). Während sich in anderen Städten (Berlin, Stuttgart und Heidelberg) solche Ausbildungen bereits kurz nach dem Kriegsende zu etablieren begannen, wurden in München (Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie) zunächst Fortbildungsangebote für pädagogische Berufe eingerichtet.

 

Zum Hintergrund der späten Einführung der Psychagogenausbildung im Münchner Institut: Leonhard Seif hatte sich bereits früh (Anfang der 1920er Jahre) aktiv in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien engagiert. Weil sich die Seif-Gruppe im Institut gegen die damals übliche Ausbildung in den drei Schulrichtungen wehrte und auf die individualpsychologische Basis pochte, war das Institut 1949 nicht bereit, einen eigenen Ausbildungsgang einzurichten. Erst im Wintersemester 1965 startete dann der erste Psychagog*innen-Lehrgang.

In der DGPT hatte man sich 1956 gegen die Einführung einer "Vollausbildung" von Kindertherapeut*innen entschieden, zehn Jahre später zeigte die Gesellschaft aber insoweit aufgeschlossen, als die Entwicklung der Psychagog*innen-Ausbildung in Richtung einer psychoanalytischen Behandlung anerkannt wurde. Im Zusammenhang mit einer entsprechenden Institutsanfrage antwortete der DGPT-Vorstand, es sollte den Psychagog*innen überlassen werden, die Ausbildung so zu gestalten, dass eine Tätigkeit sowohl im sozialpädagogischen als auch analytischen Bereich möglich sei.

Bis zur Etablierung einer eigenständigen Ausbildung war die Behandlung von Kindern und Jugendlichen den Erwachsenentherapeut*innen vorbehalten, sie behandelten im Rahmen ihrer Ausbildung mindestens einen Kinderfall. Mit der Einführung der Ausbildung (1965) so sollten nun die Psychagog*innen, die "leichteren", die Mitglieder mit "Vollausbildung" die "schwereren" Fälle behandeln – eine Aufteilung, die in der Praxis nicht lange aufrechtzuerhalten war.

Die Psychagog*innen-Ausbildung war auf einen Zeitraum von vier Jahren ausgerichtet, das letzte Jahr in Form eines Berufspraktikums. Weder die spielte die damalige Forderung nach der Berücksichtigung der drei Schulen noch die Individualpsychologie eine besondere Rolle – deren Vertreter*innen sich bereits aus dem Institut zurückgezogen hatten.

 

In den 70er Jahren vervielfachte sich die Zahl der Ausbildungsteilnehmer*innen und bereits im Zuge der 1968er-Bewegung gab es Forderungen nach mehr Demokratie und Mitgestaltung sowie verstärkte Diskussionen über das historische Erbe des "Göring-Instituts". A. Brundke schreibt dazu:

 

"Die verständlichen und legitimen Wünsche danach, die ›authentische‹ Psychoanalyse kennenzulernen, die die Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben hatten und ihr im Institut einen gebührenden Platz zu verschaffen, hätten beinahe zur Ausgrenzung der Psychagogen geführt, denen anfangs ja die Entwicklung einer eindeutigen psychotherapeutisch-psychoanalytischen Identität von der DGPT verwehrt worden war. Nun drohte ihnen genau dies zum Verhängnis zu werden: Im Rahmen der Bestrebungen, dem Münchner Institut eine klare Struktur als psychoanalytische Ausbildungsstätte zu vermitteln, die in der Lage sein sollte, die Entwicklung einer ebensolchen beruflichen Identität zu ermöglichen, entstand die Idee, das Institut zu teilen (…)." (Brundke 2008c: 243)

 

Dieser von Johannes Grunert vertretene Vorschlag sah vor, zwei Einrichtungen zu schaffen: Eine, die sich wieder der eigentlichen Aufgabe, der Ausbildung von Erwachsenenpsychotherapeut*innen zuwenden sollte und eine, die sich unter dem Namen "Arbeitsstätte für Psychagogen-Ausbildung sowie für Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung e. V." der übrigen Aufgaben annehmen sollte. Es ging ihm dabei u. a. auch um die bestehenden Machtstrukturen im Institut, die geprägt waren von einer kleinen Gruppe von Funktionär*innen, welche Dozent*innen, Lehranalytiker*innen (besonders der 2. Kategorie) nach freiem Ermessen ernennen würden. Mit der "2. Kategorie" waren nur für Psychagog*innen zugelassene, institutsintern berufene, Lehranalytiker*innen gemeint (ebd.: 255, Anm. 7). Zwar hatte die 1953 gegründete "Vereinigung Deutscher Psychagogen e.V"., VDP (aus der dann 1975 die VAKJP wurde) gefordert, dass auch für Lehranalysen im Rahmen der Psychagog*innen-Ausbildung nur DGPT-anerkannte Lehranalytiker*innen zum Einsatz kämen, das war aber von der DGPT abgelehnt worden.

Der Vorschlag Grunerts setzte sich nicht durch. Eine Reihe von Faktoren hatte aber dazu beigetragen, die Ausbildung als weniger qualifiziert einzustufen:

 

  • die fehlende akademische Vorbildung der 'Kandidat*innen'
  • die Lehranalytiker*innen der "2. Kategorie"
  • und die Ausbildung der Psychagog*innen durch 'Kandidat*innen' der Erwachsenenausbildung – im Zuge der stark ansteigenden Bewerbungszahlen.

 

Nicht nur an Ausbildungspersonal, auch an Räumlichkeiten fehlte es:

 

"Im Unterschied zu den ETh-Kandidaten mussten die Psychagogen-Kandidaten ihre Patienten in der in den Institutsräumen gelegenen Erziehungsberatungsstelle behandeln." (ebd.: 255, Anm. 8)

 

Bei dieser sogenannten "Spielzimmer-Diskussion" wurde überlegt,

 

"ob man auch den Psychagogen in Ausbildung die Möglichkeit gewähren sollte, in eigenen Räumen zu praktizieren. Ängste vor einem empfindlichen Qualitätsverlust der Ausbildung wurden laut, da die Freiheit im eigenen Therapiezimmer zu arbeiten zu können, keine »Kontrolle« mehr über die Kandidaten ermögliche, Befürchtungen wurden geäußert, das Institut vernachlässige seine »Aufsichtspflicht« über die Kandidaten und Mutmaßungen wurden angestellt, die Bestimmungen der Stäko, die der »Überwachung« der Ausbildungsstätten der Psychagogen diene, erlaubten eine solche Praxis nicht." (ebd. 245f)

 

Der neue Ausbildungsleiter Prof. Dr. Kurt Singer (von 1974-80) setzte sich letztlich mit der Argumentation durch, die Qualität der Therapien werde nicht durch die Behandlung in Institutsräumen, sondern durch die Supervision gewährleistet und wies auf die analoge – und nicht diskutierte – Praxis in der Erwachsenenausbildung hin.

Die folgenden Jahre waren von Bestrebungen bestimmt, die Ausbildung zu professionalisieren. Neben inhaltlichen und didaktischen Veränderungen führte K. Singer 1974 eine neue Ausbildungsordnung zur Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (KJP) ein.

Da er im letzten Jahr seiner Amtszeit die Leiterin der Erziehungsberatungsstelle, Susanne Rupp, an der Abteilungsleitung beteiligte, die ihrerseits als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin kein Mitglied der Akademie werden konnte, stellte sich die schon länger diskutierte Frage der Mitgliedschaft nun drängender:

Nach langer kontroverser Diskussion mit der Führungsebene des Vereins, die auf die fehlende akademisch Vorbildung, unterschiedliche Regelungen und die damit verbundene Gefahr einer Herabstufung zum Heilhilfsberuf, auf gewachsene Strukturen (noch kein DGPT-Institut habe KJP als ordentliche Mitglieder aufgenommen) und das zu erwartende Psychotherapeutengesetz verwies, wurde 1979 die assoziierte Mitgliedschaft eingerichtet und im folgenden Jahr 24 Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen als assoziierte Mitglieder gewählt (ebd.: 248).

Auch die Nachfolgerin von Kurt Singer, Dr. med. Claudia Sies beteiligte Susanne Rupp an der Ausbildungsleitung, die sich dann vier Jahre später 1980 gegen eine Kandidatin aus der Erwachsenenabteilung durchsetzte und mit den Stimmen der wahlberechtigten Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen mit klarer Mehrheit zur Ausbildungsleitung gewählt wurde. Aus ihrer eigenen Sicht wurde damit

 

"an der Münchner Ausbildungsstätte ein berufspolitischer und zugleich emanzipatorischer Markstein gesetzt, dem andere Ausbildungsinstitute bald folgen sollten" (Rupp 1996 zit. nach ebd.: 249).

 

Im Zusammenhang finanzieller Nöte und des dadurch erforderlichen Sparkurses der KJP-Abteilung kam die Frage auf, weshalb alle Opfer bringen sollten, jedoch nicht alle über die gleichen Rechte verfügten – und damit auch (wieder) die Frage einer ordentlichen Mitgliedschaft der KJP. Die diesbezüglich angefragte DGPT (damaliger Vorsitzender: Carl Nedelmann) beschied 1985 der Akademie, sie dürfe sich bei einer entsprechenden Satzungsänderung nicht auf die DGPT berufen. Zwei Jahre später sah sie die Anerkennung als DGPT-Institut dadurch "nicht so sehr […] durch die Mitgliedschaft von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten tangiert, da es sich hier um eine psychoanalytische […] Weiterbildung handelt" (Schmitt/Schwarz, 29.05.1987 zit. nach ebd.: 250).

Erst nach Ende der Amtszeit von Rupp – und vielen Diskussionen und Veranstaltungen, bei denen sie für die Unteilbarkeit der Psychoanalyse plädiert hatte – wurde Ende 1991 eine entsprechende Satzungsänderung mit großer Mehrheit von der Mitgliederversammlung verabschiedet. Jedoch, so schreibt Brundke:

 

"Keineswegs zu Ende war die Phase der fortgesetzten, fachlichen Profilierung, die mit den auf Susanne Rupp folgenden Ausbildungsleitern Schneider-Henn, Fuchs und Stadler fortgesetzt wurde." (ebd.: 251f)

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Anschrift

Akademie für Psychoanalyse und
Psychotherapie München e.V.
Schwanthalerstr. 106 / III Stock
80339 München

Links

Staatlich anerkannte Ausbildungsstätte nach dem Psychotherapeutengesetz

Weiterbildungsbefugnis der BLÄK (E + KJ)

Fördermitgliedschaft in der DGPT und anerkanntes Aus-und Weiterbildungsinstitut

Mitgliedschaft in der VAKJP

Mitglied des Netzwerks Freie Institute für Psychoanalyse und Psychotherapie (NFIP)

Anfahrt

Mit öffentliche Verkehrsmitteln:

  • Tram 19 - Haltestelle Hermann-Lingg-Straße, ca. 300 Meter Fußweg
  • U-Bahn U 4/5 - Haltestelle Theresienwiese, ca. 400 Meter Fußweg
  • S-Bahn - Haltestelle Hackerbrücke, ca. 600 Meter Fußweg

Details und mehr Informationen finden Sie auf
www.mvv-muenchen.de


Mit anderen Verkehrsmitteln:

Aufgrund der geringen Zahl von Parkplätzen ist eine Anfahrt mit dem Auto nicht zu empfehlen.

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