Historisches zur Psychoanalyse in München

 

Die Entstehung der Psychoanalyse in München Zeit vor dem Ersten Weltkrieg

 

Die Wurzeln der heutigen Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V. reichen bis zum Beginn des vergangenen Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1911, ein Jahr nach Gründung der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV), wurde die IPV-Ortsgruppe München von Leonhard Seif und einigen Kolleg*innen gegründet. Freud begrüßte diesen Schritt und war von Seifs analytischer Arbeit angetan; umgekehrt setzte dieser sich – zunächst – sehr engagiert für die Freud'sche Psychoanalyse ein.

Leonhard Seif (1866-1949), Nervenarzt für Psychotherapie und Hypnotismus, kam aus der Schule C. G. Jungs, war Gründungsmitglied der IPV (Nürnberg 1910) und trat 1914 auf dem Hintergrund des 'Freud-Jung-Konflikts', der auch auf dem 4. Kongress der IPV in München (September 1913) zutage trat, wieder aus aus der IPV aus und wandte sich nach dem Ersten Weltkrieg Alfred Adler zu.

Die Ortsgruppe München löste sich nach 1914 allmählich auf und fand auch keine Erwähnung mehr in den Korrespondenzblättern der IPV.


Weimarer Republik und Nationalsozialismus: Spaltung der deutschen Psychoanalyse und Psychoanalytiker*innen

 

Während sich die freudianisch geprägte Psychoanalyse nach 1918 in München nicht etablieren konnte (die frühere IPV-Ortsgruppe München wurde umbenannt in "Gesellschaft für angewandte Seelenkunde", 1920 ging aus ihr die erste individualpsychologische Ortsgruppe außerhalb Wiens hervor, die "Gesellschaft für vergleichende Individualpsychologie"), wurden die Anhänger*innen der Individualpsychologie (neben Seif u.a. Kurt Seelmann, Lene Credner und Kurt Weinmann) und der Analytischen Psychologie (u. a. Richard Heyer, Lucy Heyer-Grote und Max Steger) in den 1920er Jahren zahlreicher. Von der sich in der Weimarer Republik etablierenden "Neuen Deutschen Heilkunde" führte der Weg in die im Nationalsozialismus propagierte "Deutsche Seelenheilkunde" – und auch in München erfolgte eine ideologische Anpassung in diese Richtung:

Die beiden Gruppen (Individualpsychologie und Analytische Psychologie) schlossen sich 1939 zur Zweigstelle Bayern des "Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie" (das sogenannte "Göringinstitut") zusammen (in den Klubräumen des Künstlerinnenvereins München, Akademiestr. 7). Der Vetter von Reichsmarschall Hermann Göring, Matthias Heinrich Göring (1879-1945, Arzt, Neurologe, Lehranalysand von Seif – mit adlerianischer Ausrichtung) leitete das Institut in Berlin und wandte sich (mit Unterstützung namhafter Psychoanalytiker*innen) gegen die "Psycho-Analyse" und die Individualpsychologie mit ihrer – in der Diktion des Nationalsozialismus – jüdischen Herkunft und korrumpierenden und zersetzenden Wirkungsmöglichkeit. Peglau hat unter Bezugnahme auf den, 1933/34 wegen seines öffentlichen Auftretens gegen den Faschismus aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) ausgeschlossenen, Wilhelm Reich nachgewiesen, dass die Nationalsozialisten genau abwogen, welche Aspekte der Psychoanalyse es zu unterdrücken und welche es für die "neue deutsche Seelenkunde" zu nutzen galt. Und er zeigt mittels von großenteils unbekanntem bzw. unberücksichtigtem Archivmaterial auf, dass sich die Mehrheit der Psychoanalytiker*innen sowohl während des Dritten Reichs als auch auch danach dazu neigten, in staatstragender Weise "politisch" zu sein und sich herrschenden Machtstrukturen anzupassen (Peglau 2015). Entgegen der 'Überlieferung' in psychoanalytischen Kreisen gab es eine ausgeprägte Bereitschaft (auch der Freudianer) mit dem nationalsozuialistischen Staat zusammenzuarbeiten – sowohl institutionell als auch in Form von Veröffentlichungen, so z. B. von Schultz-Hencke, Müller-Braunschweig und Heyer. Gudrun Brockhaus hat sich in diesem Zusammenhang ausführlich mit der ideologischen Nähe der Psychotherapie und Psychoanalyse zur "Deutschen Seelenheilkunde" beschäftigt (Brockhaus 1989 und 1998).

Die Zweigstelle Bayern stand unter Leitung von Leonhard Seiff und Lucy Heyer, die die Geschäftsführung inne hatte. Die Ausbildung erfolgte ab 1940 in zwei schulenspezifischen Kursen (jungianisch und gemeinschaftspsychologisch – eine Richtung innerhalb der Individualpsychologie, später mit Abspaltungstendenzen unter Fritz Künkel. 1943 wurde der Jungianer Otto Curtius Nachfolger von Seif als Leiter der Zweigstelle. Im selben Jahr wurde diese im Zuge der Umbenennung des Berliner Instituts in ein Reichsinstitut in die "Arbeitsgemeinschaft München" umbenannt.


Psychoanalyse in München nach Kriegsende: Wiederaufbau des ehemaligen 'Göring-Instituts' und Verleugnung der Institutsgeschichte

 

Die Gründung des "Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie" 1946 im Geiste des Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie

 

Der Gemeinschaftspsychologe Felix Scherke (1892-1977) fungierte seit 1941 als Geschäftsführer des "Deutschen Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie" in Berlin und leitete zudem die Forschungsstelle für Betriebspsychologie und die Abteilung für Völkerpsychologie. In den letzten Kriegstagen floh er – mit der Kasse, Kontovollmacht und vielen Akten des ausgebrannten Berliner Reichsinstituts – nach Bayern (Oberaudorf). Daraufhin enthob ihn Göring aller Ämter und zeigte ihn wegen Defätismus beim Volksgerichtshof an. In München gelang es ihm, die amerikanische Militärregierung von der Notwendigkeit der Fortführung des (Reichs-) Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie zu überzeugen – die Münchner Arbeitsgruppe bezog er in seine Verhandlungen nicht ein.

 

Im Mai/Juni 1945 wurde in Berlin unter Leitung von Schultz-Hencke und Kemper (Poliklinik) das "Institut für Psychopathologie und Psychotherapie" gegründet. Am 29.04.1946 unterzeichneten Schultz-Hencke und Kemper einen Vertrag, der die künftige Trägerschaft des Instituts durch die Versicherungsanstalt Berlin und seine Überleitung in das "Zentralinstitut für psychogene Erkrankungen der Krankenversicherungsanstalt Berlin" (VAB später AOK) beinhaltete. Dieses später (1965 bis 1984) von Annemarie Dührssen geleitete Institut spielte eine wegweisende Rolle bei der Etablierung der "großen Psychotherapie" in die Gesetzliche Krankenversicherung – zunächst in Berlin, dann 1967 auf Bundesebene als Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (vgl. Dührssen 1971 und Becken 2008: 264ff).

 

In der Münchner Mitgliederversammlung am 13.07.1945 wurde der neue Name der bisherigen "Arbeitsgemeinschaft München" beschlossen: "Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie", das sich als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie (Berlin) verstand. Zwar war Scherke mit seinem Ansinnen gescheitert den Begriff "Reichsinstitut" im Titel zu integrieren, aber die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft (Geschäftsführerin: Lucy Heyer) konnten sich mit ihrem Versuch der (nicht nur namentlichen) Unabhängigkeit von den nationalsozialistischen Umtrieben Scherkes nicht durchsetzen.

 

Mit Genehmigung der Militärbehörden wurde am 8. 2. 1946 das "Institut für Psychologische Forschung und Psychotherapie" (damals Mandlstr. 8) gegründet. Gründungsmitglieder des neuen Instituts waren: Lene Credner, Paul von Fricks, Hans von Hattingberg, Gustav R. Heyer, M. Jäger, Chr. Küpper, Alice Lüps, Fritz Riemann, Felix Scherke, Kurt Seelmann, Leonhard Seif, Friedrich Seifert, L. R. Sprengel, Max Steger, H. Supan, August Vetter, Ludwig Zeise [Anmerkung JT: Hans von Hattingberg kann kein Gründungsmitglied gewesen sein, wie Cremerius 2006: 74 das berichtet. Er starb mit 64 Jahren, am 18.03.1944 in Berlin, an einer körperlichen Erkrankung]. Einige von ihnen hatten sich auch nach 1933 öffentlich zum Nationalsozialismus bekannt (u. a. Friedrich Seifert/Parteimitglied und Alice Lüps/NS-Frauenschaft, Gustav R. Heyer/Parteimitglied und "rabiater Nazi" am sog. "Göring-Institut").

Scherke übernahm die Geschäftsführung, Otto Curtius (der bisherigen Leiter der "Arbeitsgemeinschaft München") übergab wegen seiner politischen Belastung als NSDAP-Mitglied seine Befugnisse an den Nervenarzt Max Steger, der – ebenfalls mit Genehmigung der Militärbehörden – erster Leiter des Instituts (damals noch "Direktor") wurde.

Dem Institut gehören zum damaligen Zeitpunkt 67 Mitglieder und 49 Ausbildungsteilnehmer*innen an (u. a. Fritz Riemann, Walter Seitz, Edgar und Johanna Herzog-Dürck). Riemann (1902-1979) hatte seine Ausbildung vor dem Krieg am Berliner Institut abgeschlossen, arbeitete in eigener Praxis bis zum Einberufung 1943 und kam nach dem Krieg aus der englischen Gefangenschaft nach Berlin und später nach Bayern. Er gehörte zur Gruppe der 'Laien'analytiker*innen und hatte keine akademische Ausbildung absolviert.

Nachdem Max Steger bereits im Dezember 1947 durch einen Motorradunfall verstarb, wurde der als Mitläufer eingestufte Otto Curtius im Februar 1948 sein Nachfolger. Aufgrund vieler Querelen im Institut (u. a. im Zusammenhang finanzieller Auseinandersetzungen mit dem Berliner Institut und zuletzt wegen seines undemokratischen Versuchs, die Mitglieder bei der Wahl des Nachfolgers von Max Steger zu beeinflussen), trat Scherke im März 1948 als Geschäftsführer zurück und wurde Professor an einer Wirtschaftshochschule; 1962 war er eines von 7 Gründungsmitgliedern der Alfred-Adler-Gesellschaft (AAG); die Gründungsversammlung fand am 28.7.62 in München statt, 1970 erfolgte die Umbenennung in "Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie – DGIP".

Der schwer herzkranke Curtius verstarb noch im Jahr seiner Wahl (1948).

Nachfolger von Otto Curtius wurde nach kontroverser Diskussion Prof. Dr. Walter Seitz, Internist, Direktor der Medizinischen Poliklinik der Universität München, der als Lehrstuhlinhaber (Innere Medizin) erstmals die Psychosomatik in sein Fach einführte, zugleich selbst aber nicht psychotherapeutisch ausgebildet war. Er bekleidete sein Amt 20 Jahre lang (1948 bis 1967). Nachfolgerin von Scherke als Geschäftsführerin wurde Renate Luise Sprengel.

 

Prof. Dr. med Walter Seitz: Vorsitzender von 1948-1968

 

Seitz war Mitglied der Berliner Widerstandsgruppe "Onkel Emil" – das war der Spitzname von Walter Seitz und der Warnruf der Gruppe. Sie bildete sich im Winter 1938 um die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich und ihren Lebensgefährten, den Dirigenten Leo Borchard und blieb bis zur Befreiung unentdeckt. Onkel Emil half verfolgten Jüdinnen und Juden (Unterschlupf, Lebensmittel, Papiere etc.) und verteilte, nach der Ermordung von Hans und Sophie Scholl im Februar 1943, Flugblätter der Weißen Rose in München.

Eine Würdigung der Tätigkeit der Widerstandsgruppe "Onkel Emil" befindet sich in der "DenkStätte Weiße Rose" am Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität (unmittelbar beim Audimax):

 

www.weisse-rose-stiftung.de

 

2020 hat der Historiker Wolfgang Benz ein detailreiches Buch zum Thema veröffentlicht: "Protest und Menschlichkeit. Die Widerstandsgruppe »Onkel Emil« im Nationalsozialismus" (Stuttgart: Reclam Verlag). Auf der Grundlage dieses Buches habe ich mich näher mit der Geschichte dieser Gruppe und dem Wirken von Walter Seitz beschäftigt und erste Erkenntnisse bei dem Festvortrag zum Akademietag 2021, der am 27.11.21 (coronabedingt) online stattfand, vorgetragen: 75 Jahre Akademie – Schlaglichter auf eine wechselvolle GeschichteDokument als pdf anzeigen.

 

Eine deutlich detailliertere Darstellung mit einer Vielzahl von Quellen und Bildern finden Sie hier: Dr. Walter Seitz (1905-1997)Dokument als pdf anzeigen.

 

Walter Seitz starb 1997 im Alter von 91 Jahren. Die Akademie würdigte seine Tätigkeit und Verdienste in der Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 15.02.1997:

 

Traurig nehmen wir Abschied von unserem ehemaligen Vorsitzenden und Ehrenmitglied

Prof. Dr. med. Walter Seitz

verstorben am 10. Februar 1997

Walter Seitz hat viel zur Entwicklung der Psychoanalyse in München beigetragen. Zwanzig Jahre lang hat er seine einfühlsame und schützende Hand über die Akademie gehalten und bis heute alle unsere Aktivitäten aufmerksam begleitet. Wir sind ihm sehr dankbar.

Der Vorstand der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. München

 

Tatsächlich war Walter Seitz nicht Ehrenmitglied der Akademie, er wurde in der Mitgliederversammlung vom 25.10.1968 von dem unmittelbar zuvor neugewählten Vorsitzenden, Dr. Siegfried Elhardt, zum Ehrenvorsitzenden des Instituts für Psychologische Forschung und Psychotherapie vorgeschlagen und von den anwesenden Mitgliedern (34) anschließend gewählt (Quelle: Rundschreiben Nr. 7/68 v. 20.12.1968). Es ist fraglich, ob die Aussage hinsichtlich seines Beitrags zur Entwicklung der Psychoanalyse tatsächlich zutrifft:

Wie Brundke schreibt, war Seitz nach dem Tod von Curtius als "Übergangslösung" gedacht, er war Internist und nicht psychotherapeutisch ausgebildet. Seine Verbindung zur Universität (er war der erste deutsche Lehrstuhlinhaber, der die Psychosomatik in den Bereich der inneren Medizin einführte) "sowie seine Bereitschaft, das Institut in seinem Kampf um die Anerkennung der nichtärztlichen Psychotherapie zu unterstützen, die damals akut bedroht war, überwogen schließlich die Bedenken" gegen seine Person.

 

"Offen bleibt die Frage, ob Seitz' antinazistisches Engagement als Mitglied der Berliner Widerstandsgruppe »Onkel Emil« eine Rolle bei seiner Kandidatur gespielt hat. Erwähnung fand es in der Diskussion nicht, vermutlich war es zu dieser Zeit nicht einmal bekannt." (Brundke 2008a: 89).

 

Fachlich scheint er kaum in Erscheinung getreten zu sein, was angesichts des Umstands, dass er keine psychoanalytische Ausbildung absolviert hatte, kaum verwundern kann. Zwar veröffentlichete er eine Vielzahl von Arbeiten auf dem Gebiet der Inneren Medizin und Psychosomatik, nur eine Arbeit "Freud und seine Gegner" nimmt explizit Bezug auf die Psychoanalyse. Sie ist in dem Band "Lebendige Psychoanalyse. Die Bedeutung Sigmund Freuds für das Verstehen des Menschen" (hg. von Fritz Riemann, München: C. H. Beck 1956) enthalten - mit weiteren Beiträgen von Johannes Cremerius, Siegfried Elhardt, Fritz Riemann, Hans Kilian, Karl Klüwer, Rolf Klüwer, Siegfried Langhans, Paul Matussek und Hannes Schiefele.

 

Seine tendenziell abwiegelnde Haltung bei der späteren "Schelkopf-Affaire" (siehe unten) ist auf dem Hintergrund seiner eigenen Biografie zumindest erstaunlich und lässt viele Fragen offen. Cremerius berichtet dass er "als Vertreter der politisch enttäuschten Kandidaten zu Walter Seitz ging und ihm mitteilen sollte, was wir über die politische Vergangenheit einiger Dozenten erfahren hatten". Dabei ging es um Felix Scherke, einen »katastrophaler Nazi« (so Felix Schottländer über Scherke), F. Seifert, die beiden Herzogs und Philipp Lersch. Seitz wies jedoch daraufhin, dass es angesichts der Entnazifizierung neues, beweiskräftiges Material brauche, weil anderenfalls mit Verleumdungsklagen zu rechnen sei (Cremerius 2006, 75).

 

Als die Wahl 1968 anstand, zog Seitz seine Kandidatur wegen der "Schelkopf-Affaire" zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Dr. Siegfried Elhard (der zuvor von 1960-1968 das Amt des Geschäftsführers bekleidet hat) gewählt, neuer Geschäftsführer wurde Gert Halbach.

So gesehen, könnte die Aussage aus der Todesanzeige, dass er zwanzig Jahre lang seine einfühlsame und schützende Hand über die Akademie hielt, sehr anschaulich zum Ausdruck gebracht haben, wie die nationalsozialistische Vergangenheit (und Gegenwart) einiger Mitglieder und Funktionsträger*innen unter den Teppich gekehrt, verdrängt und verleugnet wurde.

 

Das Institut in den 1950er und 1960er Jahren: Die Verleugnung der Geschichte

 

Die Aufarbeitung der Geschichte spielte – ungeachtet der vielfältigen Verstrickungen – in den folgenden Jahrzehnten keine wesentliche Rolle – vielmehr gab es eine "Tendenz, sich von der Umwelt abzuschotten und »alles alleine zu schaffen« wie auch das Schweigen über die Vergangenheit (…) lange Zeit Charakteristik[um] des Münchner Instituts" waren (Bauriedl 2008, 152). Johannes Cremerius (1918-2002), der seine Ausbildung am Münchner Institut von 1948 bis 1952/53 absolvierte und Lehranalysand von Riemann war, schrieb dazu:

 

"Hatten die Neugründer kein Gefühl dafür, was der Bezug auf das Berliner Reichsinstitut ausdrückte? War es nicht das Institut, das sich Hitler unterworfen, das die Juden bereits ausgeschlossen hatte, bevor die Partei verlangte, wo den Dozenten der Freudschen Schule Lehrverbot erteilt worden war? Wir erfuhren bald, warum sie diesen Namen beibehalten hatten; er sollte Fortführung des Alten anzeigen. Ohne eine Neuorganisation überhaupt zu erwägen, organisierten sie die Ausbildung so, wie sie sie von ihrem Berliner Institut kannten, nämlich als eine synoptische, d.h. Dreierseminare in Anwesenheit der Vertreter aller drei am Institut vertretenen Schulen. Hatte ich gehofft, hier eine psychoanalytische Ausbildung im Sinne der Freudschen Psychoanalyse zu erhalten, so wurde ich bald eines Besseren belehrt. Von den Dozenten war nur einer, Fritz Riemann, ordentliches Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG). Die anderen gehörten den Schulen Jungs, Adlers, Künkels an." (Cremerius 2006: 74)

 

Schon einige Jahre zuvor hatte er die Situation am Münchner Institut so beschrieben:

 

"Das Institut übernahm nicht nur den alten Namen, sondern auch das Programm des alten Instituts: Den synoptischen Aufbau, die Organisation in Arbeitsgruppen je nach Schulrichtung, das Dreierseminar und die Lehrbehandlung bei Vertretern verschiedener Schulen. Es gab die starke Adlergruppe, eine weniger starke eklektische Gruppe, vor allem von Künkel geprägt, eine kleine Jung-Gruppe und einen einzigen Freudianer, Fritz Riemann." (Cremerius 1994, 83)

 

In München wurde die kaum noch als freudianisch zu bezeichnende 'Neopsychoanalyse' Schultz-Henckes noch lange nach dem Krieg gelehrt: Viel früher – bereits 1929 – hatte Schultz-Hencke im Berliner Institut Lehrverbot erhalten, weil er Freuds Theorie durch seine eigenen theoretischen Konstrukte ersetzt hatte. "Im »Göring-Institut« konnte er dann unbehindert Schüler ausbilden, während Felix Boehm und Carl Müller-Braunschweig, die nach dem erzwungenen Austritt der jüdischen Psychoanalytiker aus der DPG (1935) alleine den Vorstand des Berliner Instituts bildeten, ab 1938 nicht mehr ausbilden und publizieren durften" (Bauriedl 2008: 137). Riemann, der seine zweite Lehranalyse bei Schultz-Hencke absolvierte, war von dessen "klaren methodischen Verstand[es]" angezogen und den von ihm vertretenen "theoretische[n] Auffassungen, die mich sehr ansprachen" (Riemann 1973: 360). Verschiedentlich ist auch in seinem Werk der theoretische Bezug zu den Konzepten seines (zweiten) Lehranalytikers erkennbar (z. B. die der oralen, analen und ödipalen vorausgehende "intentionale" Phase).

Riemann, der als einziger 'Freudianer' (als der er sich selbst aber "nie" empfand; Riemann 1973: 362) am Institut lehrte, fungierte von 1956 bis 1967 als Ausbildungsleiter und wurde von seinem Lehranalysanden Siegfried Langhans abgelöst, der sich seinerseits in seiner Dissertation Freud zuwandte und sich nicht auf Schultz-Hencke bezog.

Das Institut definierte sich in diesen Jahren mehr und mehr psychoanalytisch. Dazu trug auch bereits Anfang der 1950er Jahre eine Gruppe um Johannes Cremerius bei, die 1954 in "Cremerius-Kreis" mündete (neben Johannes Cremerius, Annemarie Cremerius, Gertraud und Siegfried Elhardt, Fritz Friedmann, Maria Helmrich, Wilhelm Hose, Hans Kilian, Rolf Klüwer, Carl Klüwer, Paul Matussek u. a.). Der Kreis stand den Verhältnissen in München kritisch gegenüber, Pabst spricht in diesem Zusammenhang von einer "Dissidenz" (Pabst 2008: 287ff). Neben der nicht aufgearbeiteten bzw. verleugneten Verstrickung in den Nationalsozialismus, richtete sich die Kritik auch gegen die inhaltliche Ausrichtung der synoptischen Ausbildung am Münchner Institut. Nach dem Weggang von Cremerius nach Zürich (1960) entstand ein weiterer Kreis um Fritz (Eli) Friedmann (neben Friedmann, Rolf Klüwer, Ulrich Otto, Viveka Böök, Ursula und Johannes Grunert, Stefan Geröly, Siegfried Langhans, Hans Kilian, Lotte Köhler, Friedhelm Streletzki, Paul Matussek sowie die DPV-Mitglieder Antoon Houben, Dieter Eicke und Erhard Künzler), der etwa bis 1970 tagte und aus dem heraus 1973 die Gründung der Psychoanalytischen Arbeitsgemeinschaft München (PAM) erfolgte. Beide Gruppen bemühten sich um eine Öffnung des Instituts nach außen, die dafür sorgte, dass wichtige Vertreter der freudschen Psychoanalyse und IPV-Mitglieder nach München eingeladen wurden, dort referierten und supervidierten.

 

1968 wurde Anton Schelkopf (1914-1975), ein mit tatkräftiger Unterstützung seines späteren Lehranalytikers Riemann 1958 in das Institut aufgenommener Filmproduzent und CSU-Parteimitglied, für das Amt des Geschäftsführers nominiert. Wegen seiner von Lotte Köhler aufgegriffenen, ungeklärten NS-Vergangenheit zog er seine Kandidatur aber schließlich zurück. Es kam zu Spaltungen zwischen Unterstützer*innen und Gegner*innen Schelkopfs, der seinerseits mit juristischen Mitteln und später auch mit seinem Austritt aus dem Verein drohte. Im Verlauf der zermürbenden Auseinandersetzung im Institut trat Köhler schließlich im September 1969 aus dem Institut aus. Schelkopf blieb Mitglied, verzichtete aber auf die von ihm zunächst geforderte Rehabilitationserklärung; er verstarb im Mai 1975 und "das Institut dankte ihm in einer Todesanzeige für seinen »aktiven Einsatz« für die Psychoanalyse, er habe durch »seine umsichtige und vorausschauende Beratung großen Anteil am Aufbau der Akademie« gehabt" (Brundke 2008a: 99).

 

Grunert erwähnt in seinem Psyche-Beitrag von 1984 (Zur Geschichte der Psychoanalyse in München) den Übergang des Vorsitzes von Walter Seitz an Siegfried Elhardt ein wichtiges Detail:

 

"Elhardt hatte schon vorher die Geschäftsführung übernommen und trug viele Jahre die wesentliche Arbeitslast des Instituts. Seine Wahl zum Vorsitzenden auf der Mitgliederversammlung am 25. Oktober 1968 fiel zusammen mit einer ungewöhnlich spannungsvollen Auseinandersetzung über den Plan des alten Vorstandes, Anton Schelkopf (1914-1975) zum Geschäftsführer zu machen. Lotte Köhler hatte in einem Brief an Walter Seitz an Schelkopfs SS-Zugehörigkeit und Scharfmacherei in der NS-Zeit erinnert. Sie legte einen von Schelkopf im Bayerischen Rundfunk gesprochenen und von BBC London abgehörten Durchhaltekommentar aus der Zeit kurz vor Einmarsch der Amerikaner in München vor. Ein noch am selben Abend dieser Mitgliederversammlung gewählter Vermittlungsausschuß arbeitete nach einer Reihe von Sitzungen ein Schlichtungspapier aus, ohne daß es zu einer befriedigenden Abklärung der Affäre gekommen wäre. Frau Köhler kündigte 1969 ihre Mitgliedschaft, der Vorstand fühlte sich noch im Februar 1971 von Schelkopf unter Druck gesetzt, als dieser ein Rehabilitierungspapier verlangte.
Es mag –  im nachhinein – dahingestellt bleiben, ob der damalige Vorstand aus mangelndem Fingerspitzengefühl oder aus der in Deutschland weit verbreiteten Verleugnung der Naziproblematik – wie schon im Falle Erna Göring –  für eine exponierte Funktion in einem psychotherapeutischen Institut gerade jemanden vorschlagen mußte, der – unabhängig von organisatorischen Fähigkeiten und guten politischen Beziehungen – als PK-Berichterstatter im Goebbels-Journalismus geschult, bis zuletzt – jedenfalls nach außen – ein Verfechter der NS-Ideologie war." (Grunert 2006/1984, 896)

 

Wie Seitz und andere auf den Brief reagierten, erwähnt Grunert nicht. Wie Lotte Köhler berichtet, wurde wegen ihres Briefes die geplante Mitgliederversammlung, bei der Schelkopf gewählt werden sollte, verschoben. Sie und andere (darunter Hans Kilian)

 

"wurden von der Anwältin Schelkopfs aufgefordert, unsere Äußerungen zurückzunehmen, anderenfalls Klage erfolgen würde. Statt selbst den Sachverhalt zu prüfen, legten Seitz und das Institut mir die Beweislast für den Inhalt der Aussagen auf, als deren Bote ich fungierte. Nach Schelkopfs Darstellungen handele es sich um Verleumdungen meinerseits. Er habe alles in Abrede gestellt. Seitz behauptete auch, im Institut seien bisher keine Mitglieder gewesen, die man im engeren Sinne als Nazis bezeichnen könnte. (Was mittlerweile durch den Aufsatz "Zur Geschichte der Psychoanalyse in München" von Johannes Grunert widerlegt ist.)" (Köhler 1998, 198f)

 

Erstaunlich ist, dass Schelkopf nicht nur im Institut weitgehend unbehelligt blieb – er machte auch Karriere und wurde 1972 als Nachfolger von Franz Heigl Generalsekretär der International Federation of Psychoanalytic Societies, IFPS (bis in sein Todesjahr 1975), die 1962 von 75 Psychoanalytiker*innen, dem Wiener Arbeitskreis für Tiefenpsychologie, der DPG und der Mexikanischen Psychoanalytischen Gesellschaft gegründet worden war und noch heute - sozusagen als Alternative zur IPV/IPA  - existiert.

Die Affäre Schelkopf "gehört zu den am längsten und konsequentesten verschwiegenen Kapiteln der Geschichte der »Akademie«" (Brundke 2008a, 99). Die ihn belastenden Unterlagen wurden nur dem Vorstand und dem zur Klärung beauftragten Schlichtungsausschuss bekannt. Mitglieder waren neben Walter Seitz u. a. Richard Marx (der zur gleichen Zeit Lehranalysand von Riemann war, der sich seinerseits für seinen Lehranalysanden Schelkopf einsetzte!), Joachim Seidl und Edgar Herzog, Ausbildungsleiter. Die Schwester des hingerichteten Christoph Probst, Angelika Probst, lehnte ihre Mitgliedschaft wegen Befangenheit ab.

Den teilweise erfolgreichen Versuch, die historischen Fakten zu verschleiern, hat Brundke in ihrem Beitrag beschrieben: "Vom überzeugten Nationalsozialisten zum Psychoanalytiker – Anton Schelkopfs »Entnazifizierung« und seine Karriere im Institut" (Brundke 2008b).

 

Dass Walter Seitz daran erheblichen Einfluß hatte, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Es ist schwierig, ja unmöglich, die Gründe für sein Handeln zu eruieren. Was aber doch sehr ins Auge fällt: Die wesentlichen Protagonist*innen dieses Konflikts, den man als Skandal bezeichnen muß, waren nach Angaben von Lotte Köhler (1998, 189) in Lehranalyse bei Fritz Riemann: Seitz, Schelkopf, Köhler, Kilian, Marx, Ehepaar Matussek, Ehepaar Cremerius, Ehepaar Elhardt, die Vettern Klüwer und viele andere Mitglieder des Instituts. Und Riemann hatte nicht nur Schelkopf an das Institut geholt, sondern hatte auch vehement für ihn (und gegen Lotte Köhler) Position bezogen. Die 'inzestuösen' Strukturen der Lehranalyse hatten vermutlich ihre Wirkung entfacht. Dafür spricht auch ein Hinweis von Lotte Köhler über einen Brief von Richard Marx: Er teilte ihr 1970 mit, daß er seine Mitgliedschaft in dem Ausschuss wegen Befangenheit niedergelegt habe (Köhler 1989, 202).

 

Lotte Köhler hat 1998 in dem oben zitierten Beitrag mit dem Titel: "»Umsonst war's nicht.« Bericht einer betroffenen Zeitzeugin", ihre Sicht der Dinge dargelegt (insbesondere auf den Seiten 187 ff) und macht deutlich, dass es angesichts des ihr (und Hans Kilian) zugefügten Schadens und Leides nie eine klare Entschuldigung der Akademie gegeben habe:

 

"Bis heute [es geht um das Jahr 1996] kann nicht gesagt werden, dass man mich verleumdet hat, indem man mich der Verleumdung bezichtigte, als ich eine unbequeme, aber notwendige Wahrheit aussprach." (Köhler 1998, 207)

 

Diese Entschuldigung erfolgte dann doch noch einige Jahre später unter dem Vorsitzenden Tobias v. Geiso und Frau Köhler nahm sie an.

 

ψ ψ ψ

 

Als Verfasser dieses Abrisses der Geschichte der Akademie und früherer Vorsitzender der Akademie bleibt ein ungutes Gefühl, wie man mit Lotte Köhler damals, aber auch später, nach ihrem Austritt, umgegangen ist. Frau Köhler hat der Akademie mit dem, was sie getan hat, "einen wichtigen Dienst erwiesen" (zitiert aus einem Schreiben des Vorstands der Akademie 1996, Köhler 1998: 207). Und so möchte ich, wie schon bei meiner Begrüßungsrede zum 70. Geburtstag der Akademie 2016 im Literaturhaus München, auch hier die Gelegenheit ergreifen, mich im Namen der Akademie und ihrer Mitglieder bei Frau Köhler für das, was ihr angetan wurde, ausdrücklich zu entschuldigen. Das gilt posthum auch für Hans Kilian (*1921) der im März 2008 verstorben ist.

Und es ist richtig, dass die damaligen Kolleg*innen des Instituts sie, Hans Kilian und andere verleumdet haben, indem sie der Verleumdung bezichtigt wurden, als sie die unbequeme, aber notwendige Wahrheit aussprachen!

Leider konnte Frau Köhler aus Krankheitsgründen an der Veranstaltung im Jahr 2016 nicht teilnehmen. Sie hat sich aber über die öffentliche Entschuldigung erfreut gezeigt.

 

Dr. med. Lotte Köhler ist am 1. Januar 2022 im Alter von 96 Jahren in München gestorben. Ein Nachruf findet sich auf der Webseite des Deutschen Stifterzentrums (Tochtergesellschaft des Stifterverbands). Die von ihr errichtete Köhler-Stiftung wurde in den letzten Jahren vom Stifterverband verwaltet.

 

https://www.deutsches-stiftungszentrum.de/aktuelles/2022_01_19_nachruf_lotte_koehler


Die Akademie in den 1970er Jahren: Entwicklung zu einer psychoanalytischen Akademie

 

Im Zuge der 68er-Bewegung begann sich im Münchner Institut einiges zu bewegen. Die Ausbildungsteilnehmer*innen wunderten sich über den Namen des Instituts ("Forschung") und das "seltsame Schweigen" (Bauriedl 2008: 164), begannen Fragen zur Geschichte und Vergangenheit des Instituts zu stellen und knüpften Kontakte zu Kandidat*innen (so die damals übliche Terminologie - und ohne Genderschreibweise) anderer Ausbildungsinstitute.

Die Auseinandersetzungen um den Geschäftsführer (Schelkopf) "gaben einen wichtigen Anstoß zu einem Klärungs- und Neuorientierungsprozess, der mit dem Vorsitz von Siegfried Elhardt, der Ausbildungsleitung durch Siegfried Langhans (Amtszeit 1967-74) und der Geschäftsführung durch Gert Halbach einsetzte und mit dem im Februar 1974 beginnenden Direktorat (Titel des Vorsitzenden: 'Direktor') von Siegfried Langhans entschieden und engagiert fortgeführt wurde" (Grunert 2008: 230).

 

Im Jahr 1974 erfolgte die Umbenennung des "Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie" in "Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie e. V. München" und – damit verbunden – die endgültige Distanzierung und Abkehr vom synoptischen Gedanken und den Theorien Schultz-Henckes. Dass diese von Riemann weiterentwickelten Theorien so lange gelehrt worden waren, hatte sicherlich auch mit seiner Loyalität seinem früheren Lehranalytiker gegenüber zu tun.

 

Der Direktor Siegfried Langhans (Amtszeit 1974-82), der Ausbildungsleiter Ludwig Barth (Amtszeit 1974-84) und sein später Nachfolger Wolfgang Mertens (Amtszeit 1985-95) sorgten endgültig für die psychoanalytische Ausrichtung der Akademie.

 

Die Jahre nach 1974 sind, wie Thea Bauriedl schreibt, von "Problemen des Generationswechsels und ersten Demokratisierungsbemühungen" gekennzeichnet (Bauriedl 2008 168ff). Dazu trug auch bei, dass erst in dieser Zeit der "Überwachungsstaat" (Bauriedl 2008, 150) im Sinne einer allumfassenden Kontrolle der Ausbildungsteilnehmer*innen zurückging – vor allem durch das Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre eingeführte Prinzip der Lehranalyse als eines "geschützten Raumes". Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Lehranalytiker*innen auch Beurteilungsfunktionen übernommen: "Daraus geht hervor, dass in der ersten Zeit des Instituts die Lehranalyse keine "wirkliche" Analyse war, in der aus psychoanalytischer Sicht keinerlei Abhängigkeitsverhältnisse bestehen dürfen" (ebd.).

In der Folge wurden die Aus- und Weiterbildungsordnung sowie die Prüfungsordnung geändert und lagen nun, nach Aussage des Ausbildungsleiters Ludwig Barth (Ende seiner Amtszeit 1984) im Mittelfeld der weltweit von Wallerstein bei 28 IPV-Instituten erhobenen Daten über Ausbildungsregeln. Auch wurden Ausbildungsteilnehmer*innen in die Arbeit der Gremien und Ausschüsse einbezogen, so z. B. im Ausschuss zur Erarbeitung einer neuen Satzung, auch wenn sie dabei zunächst noch eine sehr passive Rolle zu spielen hatten.

 

Anmerkung:

Die nachfolgenden Abschnitte drücken die Sicht des Verfassers aus und erheben weder den Anspruch, die Vorgänge völlig zutreffend noch vollständig zu beschreiben. Kommentare und Hinweise sind durchaus erwünscht! E-Mai-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..

 

Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten bis in die Gegenwart

 

Von Frank Schwarz, dem (letzten) "Direktor" von 1985 bis 1995 gingen wichtige Impulse für eine damals noch kaum beachtete und oft auch ignorierte Öffnung der Psychoanalyse gegenüber psychotischen Erkrankungen aus. Er gründete und leitete mit Helmut Remmler (MAP) 1992 die "Überregionale Weiterbildung in analytischer Psychosentherapie"; nach dem Tod von Helmut Remmler trat 1997 Günter Lempa dessen Nachfolge an und leitet die ab Mai 2014 zur Akademie hinzugekommene Abteilung Analytische Psychosentherapie (APT).

 

Mit Thea Bauriedl (1938-2022), die von 1995 bis April 1999 Vorsitzende war, und mit ihrem Mann Friedrich Wölpert (1949-2018) die Abteilung für Analytische Paar- und Familientherapie mit ihrem beziehungsanalytischen Ansatz gründete, wurden ethische Fragen erstmals intensiver diskutiert und mündeten in die Gründung einer Ethik-Arbeitsgruppe, die bis heute existiert und Ethikleitlinien ausarbeitete – zum damaligen Zeitpunkt bundesweit ein Novum. Durch ihre Bemühungen im Bereich der Satzung mit dem Anliegen einer Demokratisierung und größerer Transparenz trug sie zur späteren Öffnung im Bereich der Kommunikations- und Organisationsstrukturen bei.

 

Elisabeth Petershagen (April 1999 – Juli 2002) engagierte sich unter dem Eindruck der damals dramatisch zurückgehenden Zahl von Ausbildungsteilnehmer*innen für die Hinwendung der Akademie zu einem regen Mitgliederinstitut (fast könnte man sagen zu einer lokalen Fachgesellschaft). Daraus gingen verschiedene neue Angebote (u.a. der Akademietag und später die öffentliche Fortbildung) hervor. In Elisabeth Petershagens Amtszeit fielen auch die stürmischen Zeiten im Zusammenhang des neuen Psychotherapeutengesetzes, durch das sie die Akademie mit Unterstützung der damaligen Weiterbildungsleiter (Thomas Stadler/AKJP und Franz Zimmermann/ETH) hindurch steuerte.

 

Damals begann auch die Zeit der Großgruppen, die wesentlich zu einer offenen Gesprächskultur in der Akademie beigetragen haben. Tobias von Geiso's Verdienst als Vorsitzender (kommissarisch ab Juli 2002 bis Februar 2003 und dann regulär von Februar 2003 bis Mai 2009) bestand ganz wesentlich darin, diese Entwicklung fortzusetzen und in der ihm eigenen engagierten Weise offene Diskussionen anzuregen und schwierige Fragen, so das – noch immer von der Erwachsenanalyse dominierte – Verhältnis zwischen Kinder- und Erwachsenenanalytiker*innen (analog das schwierige Verhältnis zwischen VAKJP und DGPT) anzusprechen und immer wieder kritisch zu diskutieren.

 

Die Wahl von Elfi Freiberger zur Vorsitzenden der Akademie (Mai 2009 bis Mai 2015) als erster Kinderanalytikerin war auch insofern ein Politikum, als sie im DGPT-Beirat als solche kein Stimmrecht hatte. Sie war in ihrer Amtszeit neben vielen anderen Themengebieten darauf bedacht, zu einer Befriedung der nach wie vor bestehenden Spannungen zwischen den Abteilungen (insbesondere AKJP und ETH) beizutragen – was auch, nicht zuletzt auch durch eine Organisationsberatung mit dem Erweiterten Vorstand (2013-2016 mit Unterstützung von Peter Döring) gelungen ist.

Elfi Freiberger (* 8.05.1954) verstarb auf dem Weg der Genesung völlig überraschend am 18.09.2020 und hinterließ Freund*innen, Kolleg*innen und Familienangehörige fassungslos und in tiefer Trauer.

 

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80339 München

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