Was ist SKEPT?

Wichtrey_Skept_1Elternschaft stellt eine besondere Entwicklungsphase mit  spezifischen inneren und äußeren  Aufgaben dar. Der Übergang zur Elternschaft,  die Zeit der Schwangerschaft, die Geburt und das Postpartums  bedeuten eine neue Herausforderung und  bewirken Veränderungen im intrapsychischen, interpersonellen und psychosozialen  Bereich beider Elternteile. Wenn alles gut geht bemerken wir nichts von den enormen inneren Umwälzungen und der notwendigen Neuorganisation der Psyche, die die Elternschaft mit sich bringt.  Mitunter reichen aber die Bewältigungsmechanismen einer oder beider Elternteile nicht aus, um mit den auftauchenden  Irritationen und Veränderungen derart umgehen zu können, dass  die Beziehung der Eltern zu ihrem Baby oder  die Paarbeziehung davon nicht  beeinträchtigt  und  die psychische Gesundheit des kleinen Kindes  nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

Wichtrey_Skept_2Die Wahrnehmung der Beziehung zu ihrem Baby kann bei Eltern durch die Reaktivierung eigener konflikthafter Erfahrungen in der  Kindheit verzerrt werden und die Funktionsfähigkeit eines reflektierenden Selbst sowie die Mentalisierungsfähigkeit herabsetzen. Das Baby hat mit seinem unreifen und unstrukturierten psychischen Apparat keine ausreichende Möglichkeit zur Verdrängung, so dass es andere Verhaltensweisen entwickeln muss, um auf nicht adäquates elterliches Verhalten oder elterliche Projektionen zu antworten. Es kann zu psychischen, psychosomatischen Störungen des Säuglings kommen oder zu Krisen bei den Eltern, am häufigsten zur postpartalen Depression in den verschiedenen Schweregraden

In den ersten Lebensmonaten sind die so genannten Regulationsstörungen am häufigsten, darunter versteht man Schrei-, Schlaf- und Fütterstörungen. Weitere Symptome der frühesten Kindheit sind frühkindliche Depression, Angstreaktionen, Störungen der Kommunikation und der Bezogenheit  sowie psychosomatische Störungen und psychische Komponenten bei körperlichen Erkrankungen. Die Symptomatiken weisen einen unterschiedlichen Schweregrad auf.  Sie reichen von vorübergehenden Irritationen bis zu schwerwiegenden Störungen, die die Entwicklung des Kindes nachhaltig beeinträchtigen, wie wir aus den Anamnesen und Behandlungen  älterer Kinder, Jugendlicher und Erwachsener wissen. Wesentlich für die Indikationsstellung einer Behandlung ist immer auch die subjektive Befindlichkeit der Eltern und nicht allein die objektive Häufigkeit oder Dauer der Symptome.

Die Beschäftigung mit der frühen Kindheit und hat in den letzten Jahren, sowohl  durch die empirische Säuglingsforschung als auch durch ein vermehrtes psychoanalytisches Interesse - zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der psychoanalytische Ansatz  in der Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie beschäftigt sich mit den unbewussten Aspekten der Beziehung zwischen den Eltern und ihrem Kind. In der Säuglingstherapie haben wir es quasi mit einer kindlichen Psyche in der „Konstruktion“ zu tun, was den Vorteil einer großen Flexibilität der kindlichen Psyche bedeutet und oft zu raschen Veränderungen führt. Auch die elterliche Psyche ist in der postpartalen Zeit durch die Rekonstruktionsprozesse sehr beweglich, wenngleich sie natürlich wesentlich komplexer ist. Die Therapien finden immer in Anwesenheit des Kindes, der Mutter und - wann immer möglich - des Vaters statt. Es geht darum, die unbewusste Szene der Eltern mit ihrem Kind zu beobachten, zu halten, zu verstehen und zu formulieren. Kind und Eltern sowie die reaktivierten „inneren Kinder“ sind gleichzeitig anwesend und verlangen gleichermaßen Aufmerksamkeit.

Es ist  Aufgabe des Therapeuten die wiederbelebten Kindheitserlebnisse und Traumatisierungen der Eltern, die ehemaligen Gefühle des „Damals“ mit den jetzigen Schwierigkeiten zu verbinden. Der Therapeut muss also auf das reale Baby hören, eine  Raum für die inneren Kinder der Eltern schaffen und die Eltern in den realen Anforderungen der Elternschaft fördern. Häufig geht es um das Verstehen und Entmischen einer intergenerationellen Thematik. Die Behandlungsdauer in der psychoanalytischen Säuglings-Eltern-Kleinkind-Therapie ist sehr unterschiedlich. Sie variiert von wenigen Sitzungen bis zu langen Therapien. Dies hängt zum einen mit der Schwere der elterlichen Problematik zusammen, und der Konstitution des Kindes, zum anderen auch mit der Bereitschaft der Eltern, sich auf einen länger andauernden Prozess einzulassen.

SKEPT ist eine institutsübergreifende Aus- und Fortbildung in psychoanalytischer Säuglings- Kleinkind-Eltern-Psychotherapie. Dem Münchener Ausbildungsverbund SKEPT gehören neben der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie auch das Alfred Adler Institut und die Münchener Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse (MAP) an.

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    Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München e.V.